VIOLET LIGHT - Lamentation For A Lost Star

Artikel-Bild
VÖ: 07.01.2021
Bandinfo: VIOLET LIGHT
Genre: Dungeon Synth
Label: Grime Stone Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Dungeon Synth ist ein oft übersehenes Genre, das in kaum einem Musikmagazin regelmäßig besprochen wird, sondern eher in absoluten Ausnahmefällen irgendwie reinrutscht. Obwohl der große MORTIIS, welcher in der Zeit von 1992 bis 1994 an vier Werken (Demos und EPs mitgezählt) EMPERORs mitarbeitete und ihren Sound maßgeblich beeinflusste, verweilt das mit dem Ambient verwandte Genre fast 29 Jahre später immer noch im toten Winkel, wenn es separat vom großen, schwarzmetallischen Bruder auf den Plan tritt. Bis heute ist nämlich der Dungeon Synth eher als populäres und wertgeschätztes Werkzeug eingesetzt, mit dem man dem rohen Gebrettere kostengünstig zusätzliche Tiefe verleihen kann, da man nur ein Keyboard (bzw. Musikprogramm) benötigt und eine Person, die es bedienen kann.

VIOLET LIGHT ist ein Einmann- oder Einfrauprojekt, auf dessen Album "Lamentation For A Lost Star" aus verschiedenen Gründen besonderes Augenmerk gelegt werden sollte. Der erste Grund ist, dass es unter dem extrem unbekannten und obskur anmutenden Label "Grime Stone Records" erschienen ist, auf das ich glücklicherweise vor einigen Tagen gestoßen bin. Dieses kalifornische Vertriebshaus wird von Abysmal Specter, dem Sänger der grandiosen und bisher grandios unbekannten (Stand: Januar 2021) Black Metal Band OLD NICK geleitet.

Wie bei fast allen Künstlern, die bei "Grime Stone Records" unterschrieben haben, macht auch Shadowbanisher, der/die Künstler/in hinter VIOLET LIGHT, keine Anstalten, seine/ihre Identität preiszugeben. Social Media wird bis auf die Bandcamp-Seite des Labels überhaupt nicht genutzt - und ich rede nicht von keinen Aktivitäten auf einer vorhandenen Plattform, sondern Accounts und Profile sind erst gar nicht zu finden und existieren vermutlich auch nicht. Da muss man sich als Redakteur schon die Frage stellen, ob ein Review überhaupt im Sinne von Künstler und Label ist. Da sich auf der BC-Seite aber ein Hinweis befindet, dass man gegen NSBM ist, aber kein Hinweis darauf, dass man keine Promotion wünscht, gehen wir davon aus, dass das kein eingeschworener Club von Eremiten und anonymen Hikikomori ist.

"Lamentation For A Lost Star" ist das schönste Dungeon Synth Album, auf das ich in den letzten Jahren gestoßen bin. Seine friedliche, verträumte Atmosphäre ist in sich hundert Prozent stimmig, aber nicht dermaßen aus einem Guss, dass nur Freunde gepflegter Monotonie auf ihre Kosten kommen könnten. Das Ziel, das Album ätherisch erscheinen zu lassen, wurde durchgängig verfolgt und absolut sicher umgesetzt. Dabei verzichtet VIOLET LIGHT auf Methoden, derer sich die Konkurrenz nicht selten bedient, nämlich langer Momente der Stille oder zu stark mit einem Kerker assoziierbaren, düsteren Klang, wegen dem das Genre aber nun mal heißt, wie es heißt. Auch wenn nur ein einziger Satz im Infofeld der Bandcamp-Seite eingetragen wurde, beinhaltet er eine vage Andeutung darauf, dass man sich über die minimale Entfernung vom Ursprung bewusst ist: "Violet Light is a diaphanous, wintry dungeon synth offering, filled with enchantment and wonderment."

"Lamentation For A Lost Star" ist eine etwas mehr als halbstündige Reise, die zu Beginn am ehesten Mittelalter und Verließ inspirierte Einflüsse aufweist, bis Song Nummer 5, "Celestial Armour" als Reminiszenz an KITAROs Weltraumschmeichler aus den 1970er und 1980er Jahren einsetzt - selbstverständlich in minimalistischem Rahmen. Wer davon nicht genug kriegen kann, braucht nicht verzweifeln: spätestens "Animated Figurine" schickt sich erneut an, diese Gelüste zu befriedigen. Weiter meint man, zwischendurch immer wieder Inspirationen aus der Ära der 16-bit Konsolensounds zu erkennen. Wäre auch nicht verwunderlich, da auch hier eine rapide wachsende Szene von Liebhabern zu verzeichnen ist.

Genretypisch ist sehr viel Melancholie im Spiel, doch an keiner Stelle kommen langweilige oder gar nervige Passagen auf. VIOLET LIGHT haben ein Album zum Entspannen und Träumen, zum Tabletop spielen oder zum Lesen, vielleicht auch zum Meditieren komponiert. Möglicherweise auch um häusliche Aktivitäten zu untermalen, die keinen nennenswerten Klang erzeugen. Es ist eben verdammt guter Dungeon Synth.

"Grime Stone Records" werden wir übrigens mit Sicherheit im Auge behalten. Der Titel des letzten Songs könnte übrigens ein versteckter Hinweis darauf sein, dass VIOLET LIGHT in engerem Verhältnis zu Abysmal Specter steht.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (24.01.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Benediction - Scriptures
ANZEIGE