COLOSSO - Hateworlds

Artikel-Bild
VÖ: 15.01.2021
Bandinfo: COLOSSO
Genre: Death Metal
Label: Gruesome Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

COLOSSO, das Death-Metal-Projekt des portugiesischen Einzelkämpfers Max Tomé, meldet sich nach seinem kurzen Ausflug in die apokalyptische Reiterstube in Albumlänge zurück. "Hateworlds" ist das fünfte Studioalbum der Band und zugleich die erste Veröffentlichung auf dem erst kürzlich gegründeten Label Gruesome Records, das ebenfalls in Portugal beheimatet ist. Während die Vocals und die Saitenfraktionen Chefsache bleiben, greift hinter den Kesseln wieder Dirk Verbeuren (u.a. MEGADETH, CADAVER) zu den Stöcken und gibt sich damit zum insgesamt dritten Male die Ehre im Hause COLOSSO.

Und was kann die neue Scheibe? Eigentlich viel, denn in puncto Riffs und Songwriting kann sich das Resultat durchaus sehen bzw. hören lassen. Der vorab veröffentlichte Opener "Graveyards" rollt wie ein Panzer über den Hörer hinweg und hinterlässt nichts als fein gekörntes Knochenmehl und vielleicht noch diverse Körperflüssigkeiten. Die breakdownlastigen Riffs sind äußerst headbangtauglich und profitieren von dem starken Gitarrensound der Platte. An dieser Front wurde offenbar alles richtig gemacht - würde sich dies nur wie der berühmte rote Faden durch die restlichen Disziplinen ziehen. Denn so gerne ich COLOSSO als patenten Underground-Tipp heranführe, komme ich doch nicht um die ein oder andere Baustelle herum, die mir den Spaß an "Hateworlds" beschneidet.

Dirk Verbeuren macht als versierter Drummer eine gute Figur, daran gibt es nichts zu rütteln. Das Drumming selbst ist professionell, den Drumsound hingegen muss man leider als Verschlimmbesserung bezeichnen. Fiel die klinische Bassdrum auf der "Apocalypse"-EP, die sich sonst einer recht gelungenen Drum-Produktion erfreute, noch nicht allzusehr ins Gewicht, fühlt man sich auf "Hateworlds" nahezu totgetriggert, und das von allen Kesseln. Die zweite Baustelle ist der Gesang - denn so sehr Max Tomé an Axt und Reißbrett auch glänzt...bei den Growls gibt es definitiv Nachholbedarf. Während seine Sangeskünste auf "Apocalypse" eher hintergründiger Natur waren - drei der vier Songs wurden von Gastsängern eingebrüllt und der Chef selbst trällerte nur clean - gibt es hier die volle Dröhnung...und die gequält-gepresste Gutturalstimme des Bandleaders ist zumindest für mein Ohrwerk ein limitiertes Vergnügen. Aber: etwas weniger "Godzilla mit Verstopfung", dafür mehr Volumen, Tiefe und umfangserweiterte Testikel und die Kiste brummt.

Der ganz große Wurf ist "Hateworlds" damit leider nicht geworden - im direkten Vergleich zur vorangegangenen EP hat die westiberische Abrissbirne sogar dezent Federn gelassen. Potenzial hat das Projekt COLOSSO aber dennoch und auch das regelmäßige Gastieren prominenter Personalien kann sich als Quelle wohlgefälliger Impulse erweisen. Bleibt also abzuwarten, was sich der kreative Kopf hinter der Band als Nächstes einfallen lässt.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (13.01.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE