DRAGONY - Viribus Unitis

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VÖ: 15.01.2021
Bandinfo: DRAGONY
Genre: Melodic Power Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Fast zweieinhalb Jahre nach der Veröffentlichung von „Masters Of The Multiverse“ ist die Stormbringer-Redaktion ob der heimischen DRAGONY wieder einmal in Aufruhr. Album Nummer Vier ankert in der Bucht der Sturmbringenden und bringt so manches Neue. Doch keine Sorge, das Lineup unseres liebsten musikalischen Knallbonbons ist weiterhin stabil und auch der Over-The-Top-Faktor der zu erwartenden Packung an melodischen Ohrwürmern wurde um kein Bisschen zurückgeschraubt – dafür gehen DRAGONY thementechnisch neue Wege. Weg von den nerdigen Fantasy-Themen, nehmen sich die Wiener nun der ureigenen österreichischen Geschichte an und erklären uns (mit Unterstützung von unter anderem Geschichts-Oberlehrer Georg Neuhauser von SERENITY) ganz genau, wie das damals wirklich war, mit unserem geliebten Kaiserpaar Sisi und Franzl – und was Houdini und Nikola Tesla eigentlich damit zu tun haben. „Viribus Unitis“, der Wahlspruch von Kaiser Franz Joseph stand dabei nicht umsonst als Albumtitel Pate...

Und wie anders könnte das Album beginnen, als mit dem jedem Österreicher bekannten Donauwalzer von Johann Strauss? Nahtlos übergehend in das präsente, zackige Riffing von „Gods Of War“ selbstverständlich. Obwohl mit zwingendem Refrain ausgestattet, geht der aus der Feder von Tommy Johansson (SABATON, MAJESTICA) stammende Song noch ein wenig auf Nummer sicher, genau wie das folgende, etwas langsamere und verspieltere „Love You To Death“. Was jedoch gleich zu Beginn auffällt: Sebastian „Seeb“ Levermann hat dem vierten Album von DRAGONY einen ansprechenden, transparenten und gut ausgewogenen Sound spendiert, der weder den überbordenden, fanfarengeschwängerten Bombast negiert, noch die metallischen Gitarren zu kurz kommen lässt.

Wähnt man das Album nach dem großartigen Ultrakitsch-Ohrwurm „Magic“ und mit dem stampfenden „Darkness Within“ noch in hochwertig-durchschnittlichen Bahnen, drehen DRAGONY ab „A.E.I.O.U.“ erst so richtig auf und feuern eine Melodic-Granate nach der anderen ab. „Austriae est imperare orbi universo“ - nein „AEIOU“ ist keine kindliche Vokalspielerei, sondern der eben erwähnte bekannte habsburgische Wahlspruch, der da bedeutet: „Es ist Österreich bestimmt, die Welt zu beherrschen“. Wenn dem so ist, dann soll es DRAGONY nun beschieden sein, den melodischen Powermetal zu regieren, denn spätestens, wenn sich SERENITY-Georg und Drachenschlächter-Sigi in den Rollen der kaiserlichen Habsburger gesanglich duellieren, bleibt kein Auge mehr trocken und der Refrain, respektive Wahlspruch, geht nie, nie wieder den grauen Zellen verlustig.

Der Titeltrack „Viribus Unitis“ treibt die Platte mit Fanfaren und Glorie weiter, ehe „Golden Dawn“ mit leichtem Folk-Einschlag und unfassbar kitschiger Attitüde für den überfälligen Zuckerschock beim diabetischen Hörer sorgt – das Händchen von DRAGONY für massiv eingängige Refrains schlägt wieder mit Macht zu! Lupenreines 80's Keyboard und ein Kaiser im Cyberpunk-Modus in „Made Of Metal“ sollten den letzten Zweifel ob der geschichtlichen Qualitäten von DRAGONY beseitigen – selbstverständlich werden hier NUR historische Tatsachen abgebildet!

Weil man von Glanz und Glorie des Kaiserreiches nie genug bekommen kann, verwöhnt „Battle Royale“ den Hörer mit mehr als sechs Minuten epischsten Gesangslinien und von zackigen Riffs getriebenen Fanfaren. Den ultimativen Absch(l)usssong haben sich DRAGONY aber pflichtbewusst auch bis zum Schluss aufgehoben – wer die absolut schamlos-schmerzhafte Bontempiorgel-Gedächtnis-Melodie von „Legends Never Die“ ignorieren kann, der möge den Rest seines Lebens bitte im Zen-Kloster irgendwo auf den menschenleeren Hängen eines Berges im Himalaya-Massiv verbringen. Es ist einfach nur großartig, was für einen unfassbar haltbaren Ohrwurm das Wiener Sextett mit diesem stampfenden Titel (mit wunderbar ruppig konterkarierenden Bridge) abgeliefert hat - dagegen verblasst sogar der Bonustrack in Form des RAINHARD FENDRICH-Klassikers „Haben sie Wien schon bei Nacht geseh'n“, verkitschmetalt in unverwechselbarer DRAGONY-Manier.

Wer bisher von melodischem Powermetal mit zuckersüßen Melodien und gekonnter Übertreibung juckenden Ausschlag bekommen hat, dessen allergische Reaktionen werden sich auch von DRAGONYs viertem Album nicht wegtherapieren lassen. Wer aber in düsteren Zeiten ein Stück Ablenkung sucht und sich die Quarantäne-Einsamkeit von kitschig-klebenden Hymnen mit Lokalkolorit erträglicher gestalten lassen will, der sollte sich ohne Umschweife auf dieses Album stürzen und wird es zu keiner Sekunde bereuen! Denn „Viribus Unitis“ hievt nicht nur die Definitionen „Epik“ und „Augenzwinkern“ auf ein neues Level, sondern ist auch definitiv das ÖSTERREICHISCHSTE Metal-Album das jemals geschrieben wurde!

 


P.S.: Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass DRAGONY dieses kitschklebende Meisterwerk als Metal-Musical auf die Bühne bringen – ich sehe vor meinem inneren Auge die Einhorn-Elite Österreichs als Besetzung: Georg Neuhauser als Steampunk-Kaiser Franz Joseph, Sabine Edelsbacher von EDENBRIDGE als Zombie-Sisi und der Chefdrachentöter als Kronprinz Rudolph. Dann hätten wir wirklich ALLES gesehen. Klar, das wird niemals passieren, aber die Vorstellung alleine ist doch ziemlich großartig, oder? Dass „Viribus Unitis“ die Fantasie nicht anregen würde, kann man dem Album somit keinesfalls absprechen. Andererseits, im Zeitalter von Crowdfunding ist doch einiges unmögliche möglich...

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (11.01.2021)

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