OSYRON - Foundations

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VÖ: 10.07.2020
Bandinfo: OSYRON
Genre: Progressive Metal
Label: SAOL
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Lineup  |  Trackliste

Was macht man mit einer Band, deren EP zuerst im Nebenbei-Hören vor sich hinplätschert und nach und nach wächst und anschwillt und immer mehr Gewalt und Macht produziert? OSYRON gehören nun zu einer der Truppen, bei der ich bestimmt kein zweites Mal oberflächlich drüberhören werde. Dabei war deren Scheibchen lediglich für ein kleines Kurz-Review gedacht, eine Randnotiz quasi. Und daraus wurde nun ein Dauerbrenner und Umdrehungs-Weltmeister. 

Bisher sind die Kanadier noch nicht auf meinem Radar aufgetaucht, obwohl die neue EP "Foundations" nunmehr schon der dritte Release (nach den beiden Alben "Harbinger" und "Kingsbane") ist. Zudem verwurzeln sich die Kanadier auch in einem von mir bevorzugten Genre. Na sowas! Kurz in die Vorgänger gehört, kann man gleichwohl feststellen, dass sich OSYRON von Album zu Album verbessert - verfeinert haben. War noch vollgeladen mit einer eher rauen, dreckigen Attitüde, wurde nun auf der aktuellen EP ordentlich durchgeputzt. Dies sollte dem Sound aber keineswegs zuschaden kommen. Ganz im Gegenteil: Gemischt mit der Thematik von OSYRON, Geschichte zu erzählen und auch mal Perspektiven zu wechseln, bringt der "cleanere" Aufbau der fünf Tracks Ernsthaftigkeit und Dramatik mit, wo die älteren Releases zum Großteil einfach "nur" Unterhaltungswert hatten.

OSYRON bietet auf ganzer Linie technisch gekonnt hochwertige Spielweise, ein angeproggtes Strickmuster und einerseits ausreichend Power, um den Hörer gewaltig mitzuzerren - und andererseits gemütliche, aber auch emotional angenehme Lagerfeuer-Stimmung bei "Battle Of The Thames".

Mit "The Cross" wird aber anfangs schon durch stampfende Rhythmik und mit vordergründiger Power-Röhre Härte bewiesen, während gleichzeitig der melodisch hinterlegte, sanftere Refrain und die dreckig geshouteten Parts dazwischen alles mit gewaltig guter Spannung und dem Hauch Aggression überziehen. In dieses Fahrwasser steuert dann auch "Ignite", das durch punktierte Rhythmik und abwechslungsreiche vokalistische Leistung eine Schippe Dramatik aufladen, während sich OSYRON hauchzart an progressiven Gangarten vergreift, ihren Sound aber keineswegs überladen. Nach dem Beruhiger "Battle Of The Thames" zeichnet dann "The Ones Below" ein etwas rockigeres Bild, leichter zugänglich, sogar mit einem kleinen blueslastigen Intermezzo, das unweigerlich erneute Facetten öffnet und die Bandbreite von OSYRON wieder in neues Licht rückt. Abschließend lassen sich die Kanadier dann über acht Minuten Zeit, um ihre Hörer aus dem Album zu werfen. Für den EP-namensgebenden Track "Foundations" ziehen sie die Songentwicklung ordentlich in die Länge und bauen auf Dramatik und Emotionalität, geben sich dabei aber fast ein wenig zu glatt, zu zierlos, machen es dem Hörer nun zum ersten Mal etwas schwer, die Aufmerksamkeit zu halten. Tatsächlich wirkt der letzte Track als einziger Makel, dem man der Scheiblette anlasten kann. 

Die EP "Foundations" unterhält mit hochwertigem Metal, stilistischer Versiertheit und nicht zuletzt großartigen Vocals. Interessenten an kanadischer Geschichte finden auch in den Texten ihre Herausforderungen, für alle anderen gilt es, die spannungsgeladene Power-Dramatik, zarte Melancholie und das schöne "Battle Of The Thames" zu genießen. Kann was, bitte mehr davon. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (07.04.2021)

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