MAJESTICA - A Christmas Carol

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VÖ: 04.12.2020
Bandinfo: MAJESTICA
Genre: Melodic Power Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

MAJESTICA und Tommy... ganz klar, was da wieder raus kommt: Melodischer Power-Metal mit ABBA Touch und Musicalstimmung. Da wir kurz vor Weihnachten haben, setzen die Schwedenjungs noch einen drauf; sie stürzen sich über die Weihnachtsgeschichte von Dickens und kombinieren ihren symphonischen Power-Metal mit Orchester, weihnachtlichen Glöckchen und Winterstimmung. Oh mein Gott!

"A Christmas Carol" hat also wieder das volle Potenzial, die Menschen zu verstören. Weil wie üblich den Metallern zu viel ABBA und Gebimmel-Firlefanz dabei ist, den Pop-Fans zu viel Metal und den Opern/Musical/Weihnachtsfans zu viel Härte. Dazu noch Männerchöre, Kirchenglocken und Rentierschlitten. Unter Strich also wieder ein Album irgendwo zwischen grenzgenial und zum Davonlaufen. Da ich persönlich aber ein Fan von Tommy und seinen ABBA Hymnen bin, kann ich auch diesem Album etwas abgewinnen. Für meine persönliche Weihnachtsstimmung ist nun auf jeden Fall vorgesorgt, Kinder finden das Album auch cool, nur den Großeltern ist es dann doch zu doll und sie plädieren auf "abdrehen und richtige Weihnachtsmusik".

Dabei geben sich die Jungs wirklich Mühe, die Weihnachtsgeschichte "A Christmas Carol" von Charles Dickens zu vertonen und somit den harten Stoff gewohnten Hörern nahe zu bringen. Passagen, bei denen am Anfang oder Ende ABBA Klänge erklingen, bringen einen zum Grinsen. Bei jedem Lied kommen Teile aus bekannten Weihnachtsliedern vor und lassen einen aufhorchen, weil man sie auf diese Art und Weise natürlich nicht kennt. Die getragene Erzählerstimme, die auch in verschiedene Charaktere der Weihnachtsgschichte schlüpft, überzeugt und führt durch das Weihnachtsmusical. Orchester und Chöre runden das Gesamtwerk ab.

So kann ich nur bestätigen, was Tommy Johansson kommentiert: “Ein alberner Traum von mir wird endlich wahr. Schon seit Jahren wollte ich ein Weihnachts-Album veröffentlichen, weil die Atmosphäre um Weihnachten einfach so  friedlich und wunderschön ist und Weihnachtsmusik immer so gut geschrieben ist. Der Grund, warum wir ein Musical Album über Ebenezer Scrooge machen wollten, ist einfach: es ist eine großartige Geschichte, die man sich gerne um Weihnachten erzählt und sie funktioniert so gut als Musical. Und mit der Hilfe von verschiedenen Sprechern und Sängern wurde es uns möglich, dieses Album umzusetzen und wir sind sehr glücklich über das Ergebnis.”
In Sachen musikalische Richtung fügt er hinzu: “Wie schon auf dem ersten Album ist es reiner Power Metal, aber diesmal ein bisschen symphonischer und epischer, verglichen mit ‘Above The Sky’. Wir sind mit den symphonischen Teilen dieses Mal weiter gegangen und haben mehr orchestrale Parts eingebaut, einschließlich Röhrenglocken, Glockenspiel und Schlittenglocken, um wirklich diesen Weihnachtsklang rüberzubringen.”

Nun zum Album:

Als Einstieg wählte man mit "A Christmas Carol" eine instrumentale Weihnachts-Orchester-Glockenklang Mischung zum Aufwärmen. Teile von ABBAs "Lay All Your Love On Me" sind dann die letzten Klänge, die vom Opener an mein Ohr driften bevor man es mit dem nächsten Weihnachts-Song gleich richtig krachen lässt.

Bei "A Christmas Song" wird umgehend in gesangliche Höhen und in die orchestrale, symphonische Schatzkiste gegriffen und die Dickens Geschichte mit allen möglichen Metal Highlights gespickt dargeboten. Tommy und Chris sind ein Musical-taugliches Gesangs-Duo und überraschen schon mal mit ihrer erzählerischen Qualität, die die Geschichte in den Songs und zwischendurch abdeckt. Musikalisch lurkt auch das erste Weihnachtslied durch den Mittelteil des Songs, der durch den arienhaften Alleingang Tommys seinen Höhepunkt erlebt.

In "Ghost Of Marley" spielt sich das Gesangsduo zu neuen Höhen auf. Die Geschichte findet hier ihren Fortgang mit der Info über das Erscheinen der Geister und klingt mehr wie ein Kinder-Grusellied mit Metal-Gitarren, als wie ein Power Metal Song. Natürlich ist die Essenz des Songs aber genau das, wofür MAJESTICA stehen, nämlich für ein abgerundetes, gewaltiges und bisweilen übertriebenes und daher kitschiges Songwriting "Made in Sweden".

"A Ghost Of Christmas Past" hat als Basis Takte aus Jingle Bells und Symphonien ohne Ende, inklusive einem auffälligen Chorus vom Männer-Gesangsverein (oder Kirchenchor). "The Joy Of Christmas" beginnt als Piano-Gesangs-Stück, das schön harmonisch und lieblich ist und auch der Oma gefällt. Es wieder ein bekannter Song, der hier dahinter steckt, nämlich "We Wish You a Merry Christmas" und noch ein anderes Stück, das ich leider nicht benennen kann, weil es mir nicht einfallen will. Es ist somit ein passender Weihnachtssong für die ganze Familie, da es weder Härte noch Speedgitarre gibt und man fast mitsingen kann, weil sich Tommy nicht in seine geliebten Höhen schraubt. 

Dann kommt das nächste Gespenst, der "Ghost Of Christmas Present" - viel Gebimmel und Orchester, aber nun sind auch wieder die Stromgitarren im Einsatz und sie liefern sich Gesangs- und Gitarrenduelle in verschiedenen Tonlagen. Der Chor, der oft im Hintergrund des Songs zu hören ist, und sogar teilweise tonangebend ist, klingt fein. Natürlich werden wieder Takte aus Weihnachtsliedern eingestreut, damit das Weihnachtsfeeling gegeben ist. Neu diesmal: Parallel zum Song gibt es eine kleine Erzählung über Mr. Scrooge.

Der dritte "Ghost Of Christmas To Come" erinnert mich an Lieder und Sprechgesang aus Musicals und 30er Jahre Filmindustrie. Die Trompeter, Streicher, Glockenspieler und verschiedenen Sänger erzeugen eine bildgewaltige Atmosphäre und großes Kino aus der heimischen Sound-Anlage. Sie lassen einen weiten Spannungsbogen um die Geschichte entstehen und bilden die verschiedenen Ereignisse und Aspekte sehr gut ab.

Dann geht es endlich zum Christmas Day und dem Teil der Geschichte, dass Mr. Scrooge sich ändern kann und zu allen freundlich ist am Weihnachtstag. Dazu passend wird "A Christmas Has Come" fröhlich, bunt und mit erneuten gesanglichen Höhenflügen verpackt. "A Merry Christmas to all and a happy New Year" ist die Hauptaussage, sowie dass Mr. Scrooge wieder eine gute Person ist. Das kommt im Songwriting auch gut rüber. Die opernhafte Gesangsweise ist sicher Geschmackssache, aber ich finde, es passt gut zu diesem weihnachtlichen Konzeptalbum. 

In Summe haben MAJESTICA die dunkle Weihnachtsgeschichte symphonisch-bombastisch mit viel Power und Hingabe umgesetzt und ein kleines Werk geschaffen, das als Musical einsetzbar ist. Gerade recht für heavy Weihnachten.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (14.12.2020)

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