DEPRAVITY - Grand Malevolence

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VÖ: 04.12.2020
Bandinfo: DEPRAVITY
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Viele dürften mir beipflichten, wenn ich sage, dass das 2018 erschienene Debüt der Australier DEPRAVITY verhältnismäßig unter dem Radar flog. Genau genommen tritt mir die Abrissbirne aus Down Under erst jetzt mit ihrem Zweitwerk "Grand Malevolence" wahrhaftig ins Bewusstsein. Der Kosmos ihres Genres ist undurchsichtig, zudem verleiten mich viele Vertreter aus der Brutal/Tech-Ecke eher zum flüchtigen Besuch von Festivalgigs denn zum profunden Studium ihrer Tonträger. Damit mag man gelegentlich richtig liegen, doch im Falle des knüppelnden Quintetts aus Perth hätte man tatsächlich etwas verpasst.

Die Musik DEPRAVITYs ist nicht ganz leicht oder eindeutig zu klassifizieren. Sie manövriert klar im Großraum Death Metal, vereint dabei aber zahlreiche Subgenres unter einer Haube. Die bereits angesprochenen Stile des Technical und Brutal Death Metal sind gleichwohl die dominanten Strömungen, aber nicht die einzigen. Vielleicht macht gerade dieser Umstand die zugegebenermaßen sperrigen Kompositionen der Aussies so interessant. Denn während viele ähnliche Vertreter trotz mathematischer Perfektion und guter Produktion die Anziehungskraft eines handelsüblichen Stahlbolzens entfalten, schaffen es DEPRAVITY, die Schwere und Komplexität ihrer Songs weniger erdrückend zu gestalten und stattdessen vom ersten Durchlauf an einzufangen.

Dies liegt neben den grundsätzlich starken Riffs und dem ranzigen Sound an den vielen kleinen Details, die auch im betäubenden Rauschen technischen Geknöters zum Hörer durchdringen und einen "Aha-Effekt" bewirken. Während einige Riffs auf der Platte an konventionellen OSDM mit vierfachem Tempo erinnern, offenbart "Trophies Of Inhumanity" stellenweise sehr deutliche Einflüsse aus dem klassischen Bereich. Die Grooves und Bendings, wie man sie in "Barbaric Eternity" hört, addieren dazu einen modernen, SLIPKNOTesken Touch. Die Highlights finden sich jedoch in "Cantankerous Butcher" und dem generellen Einsatz von Oktavenriffs. Während Ersteres mit einem Übergang von epischen Plateaus hin zu mehrstimmigen Soloparts begeistert, ziehen die besagten Oktavenriffs in "Castrate The Perpetrators" oder "Ghosts In The Void" einen herrlichen Melodiebogen über den tosenden Orkan...ähnlich wie einst BEHEMOTH in "Sculpting The Throne Ov Seth".

Die lange Liste von Bands, in denen die Mitglieder DEPRAVITYs aktiv sind oder waren, lässt erahnen, dass man es mit versierten Musikern zu tun hat (Drummer Louis Rando bspw. kennt man u.a. als Dizazter von IMPIETY). Dass die Technik folgerichtig perfekt sitzt und auch im Sound standesgemäß noch einige Kohlen auf den Kessel gegeben wurden, zählt zur Pflichtübung. Dass überdies das Songwriting mit seinen vielen Wendungen, Überraschungen und Hooks brilliert, ist die Kür an der Sache. Damit gibt es an "Grand Malevolence" unterm Strich so gut wie nichts auszusetzen, weswegen auch die fünfzig (!) Minuten Laufzeit wie im (P)Flug vergehen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (03.12.2020)

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