STEINGRAB - Malum Genesis

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VÖ: 12.12.2020
Bandinfo: STEINGRAB
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Halb zwei morgens, euer geschundener Stormbringer-Lakai niedrigsten Ranges wollte sich gerade dem Schlaf ausliefern, als er den Fehler beging, noch einmal seine Mails zu checken. "Malum Genesis", die neue Scheibe von STEINGRAB aus Darmstadt, steht in den Startlöchern. Zweimal unterhielten wir uns in der Vergangengeit mit Mastermind Mahr, einmal zum 2019er "Manifestierte Alpträume" und im Vorjahr zu "Jahre der Pest" und deshalb war klar, dass "Malum Genesis" den Schlaf noch ein wenig abwehren würde. Bereits mit vorangegangenen Werken gelang es Mahr erfolgreich, seinem Black Metal die schwebenden Klänge zu unterheben, welche ihm den Zusatz "Atmospheric" verschaffen. Der erste Track "Unten" semmelt einem gleich mal wie eine elektrische Fliegenklatsch die Blastbeats auf die Backen, bevor die sphärischen Anomalien den stählernen Takt wie ein Seidentuch verhüllen. Das Folgelied, das den Namen des weltbekanntesten Brudermörders trägt, "Kain", wechselt gekonnt in progressiveres Gewand, fast wie eine Light-Version von EMPERORS "Prometheus – The Discipline of Fire & Demise" - für Abwechslung wird also früh gesorgt. Mit knapp unter drei Minuten ist Kurzweiligkeit gegeben, während der nächste Song namens "Sintflut" mehr als doppelt so lang ausfällt. Dem Scheppern folgt fast gesprochene Poesie, bis Unruhe wieder einkehrt. "Das große Spektakel" überrascht zu Beginn mit Klängen, die auch an ein Mittelalterlied konnektieren könnten, aber nun kommt doch ein kurzweilig gefauchter Monolog um die Ecke, wie er oft symtomatisch für deutschsprachigen Black Metal geworden ist. "Gottes Gnade (Hiob)" ist schwermutgetränkter Mid Tempo Black Metal, in den man wie in Edgar Allen Poes "Malströhm" gerissen wird, um in der Tiefe erstaunt fremdartigen Strukturen gegenüberzustehen. Sehr einnehmender Song von der Art: "Lass uns mal googeln, was Mahr eigentlich für ein Typ ist!"

"Die Stadt des Schwefels" erfindet das Rat nicht neu, aber auch dieses Lied bindet den Zuhörer an die Dunkelheit. Geschwindigkeit braucht es nicht zwangsläufig um zu gefallen, doch ab der Hälfte beschleunigt es trotzdem kurzzeitig. Als nächstes erfolgt "Asche", der in seiner Kürze wie eine einfache Überleitung zum nächsten Song wirkt. Sehr langsam und ruhig wirkt er, was schade ist. An dieser Stelle hätte man sich lieber ein rostrotes, knackiges Uptempo-Gewitter gewünscht, auch wenn der Song an sich nicht schlecht ist.

Entgegen seines Namens, dreht "Abkehr vom Licht" die Sache ruckartig ins rechte Licht! Da ertönt das heißersehte Gebretter und die gewünschten schimmernden, laubfarbenen Nuancen erstahlen in der Dunkelheit. Ein Befreiungsschlag und neuer Antrieb!

Wir sind am Ende angekommmen, die vorangegangenen Indizien, dass STEINGRAB für Qualität steht, wird mit 0 (Null) zementiert. Sphärische Klänge ohne Gesang strömen aus den Lautsprechern: Versöhnlich, klassisch ästhetisch, ätherisch. Man findet sich in einem zeitlosen Saal vor (Freunden von Leyland James Kirby aka THE CARETAKER dürfte das Freudentränen entlocken). Ist da eine Präsenz spürbar? Wärme umschlingt einen wie die Arme eines lang vermissten, heißgeliebten Wesens. Die Berührung eines Unsichtbaren - leider viel zu kurz...

Sänger Mahr erzeugt mit "Malum Genesis" eine beeindruckende Dichte, der man mit nur einem geliehenen Ohr nicht habhaft wird. Zieht man aber die Vorhänge zu, zündet sich ein schönes Kerzchen an und lauscht entspannt den STEINGRAB Songs, beginnen an den Wänden von den Melodien getragene Trugbilder zu erwachen. Was Mahrs wahre Motive und Intentionen sind, erzählt er uns hoffentlich bald in einem Interview. Von Bedeutung soll zu diesen Zeitpunkt für uns nur sein, dass er die seltene Fähigkeit besitzt, düster abenteuerliche Geschichten mit seiner Musik auch für kleine Gruppen von Zuhörern zu einem Event werden zu lassen - aber versucht es doch wirklich selbst einmal. Gab es schon einmal bessere Zeiten für so ein Experiment mit Freunden?



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (07.12.2020)

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