CARCASS - Despicable

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VÖ: 30.10.2020
Bandinfo: CARCASS
Genre: Death Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

2020 ist, da sind nicht nur wir Metal-Fans uns wahrscheinlich alle einig, "Despicable" (zu Deutsch: verachtenswert, jämmerlich oder auch schnöde). Das hat auch die britische Deathgrind- und Melodeath-Legende CARCASS erkannt, weswegen kurzerhand die Entscheidung gefallen ist, das neue Album, das eigentlich heuer erscheinen sollte, auf das nächste Jahr aufzuschieben und die Lücke in der Diskografie, die für ihre Anhänger auch schon wieder seit sieben langen Jahren klafft, notgedrungen mit einer EP zu kitten, die insgesamt vier neue Songs, die es allesamt nicht auf ebenjenes Album geschafft haben ("Under The Scalpel Blade" vielleicht schon, aber nagelt mich nicht darauf fest...), enthält. Quasi wie seinerzeit bei "Surgical Remission / Surplus Steel", das auf "Surgical Steel" folgte, nur dieses Mal eben vor dem Albumrelease. 

Exakt so verhält sich das leider auch qualitativ. Während man mit "Surgical Steel" überraschenderweise noch passablen Melodic Death Metal auf dem Obduktionstisch vorfand, der in den letzten Jahren allerdings auch stark an Reiz verlor, spürte man bei der Zugabe nur noch ein vages Herzflackern und konnte daraus folgern, dass CARCASS nach ihrer 17-jährigen Abstinenzphase mit Mühe und Not ein Album mit guten Songs zusammenflicken konnten. Kürzen wir das Geschwafel ab und bringen es auf den Punkt: Man kann nur hoffen, dass auf "Despicable" der große Knall folgt, denn diese eher durchschnittlich vergnügliche Ansammlung hüftsteifer Midtempo-Schunkler mit gelegentlichem Geschwindigkeitsrausch ("Under The Scalpel Blade") oder kurzfristiger Death'n'Roll-Injektion ("The Long And Winding Bier Road") ist nicht deshalb so furchtbar fade, weil sie zu mindestens 95% vorhersehbar ist, sondern weil ihr jeglicher Esprit und Biss, jegliche Leidenschaft abgeht. Es wäre also nicht vermessen, wenn man diese EP im Duden nebst der Begrifflichkeit „Dienst nach Vorschrift“ tadelnd als bestes Beispiel dafür zitieren würde. Schade, klar, aber wenn man das mit den aktuellen Kundgebungen von BENEDICTION oder NAPALM DEATH vergleicht, die ihre Audienz brachial mit dem Straßenbelag vertraut machen und danach erst den eigentlichen Kampf einläuten, dann ist "Despicable" dagegen allenfalls eine harmlose Kissenschlacht, die den Obduzenten dieser Welt keine allzu stressige Auftragslage beschert.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (23.10.2020)

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