DEFTONES - Ohms

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VÖ: 25.09.2020
Bandinfo: Deftones
Genre: Alternative Metal
Label: Reprise Records
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Lineup  |  Trackliste

Wenn man, so wie ich, in den 90ern musikalisch sozialisert wurde und in dieser Zeit erstmals mit härteren Gitarren in Berührung kam, sagen einem Begriffe "Nu-Metal" und "Crossover" natürlich was und es fallen einem spontan ein paar Bands ein, die diese Genres geprägt haben. Bei den meisten dürften die "Deftones" wohl auch vor dem geistigen Auge auftauchen, sind sie doch genau in jener Zeit auf der Bildfläche aufgetaucht. Vielleicht kann sich der eine oder die andere auch noch an die "Crossing All Over"-Sampler erinnern, auf denen immer das Beste aus dem Nu-Metal/Alternative-Metal versammelt wurde. Dort waren die Kalifornier natürlich auch drauf. Also, an den DEFTONES kam man in den 90ern nicht vorbei. Unglaubliche 30 Jahre später haben die Jungs ein neues Album vorgelegt und man merkt ihnen die vergangene Zeit kaum an.

Trotz aller Widrigkeiten und Turbulenzen haben sie relativ regelmäßig neues Material vorgelegt und meist auch positive Resonanz dazu erhalten. Jetzt liegt mit "Ohms" ihr aktuellstes Werk vor. Mit der Schubladisierung in bestimmte Genres hatten sie nie viel am Hut, im Verlaufe der Karriere hat man immer versucht Grenzen auszuloten und neue Wege einzuschlagen. So ist zu lesen, dass Meister Carpenter auf "Ohms" mit einer neunsaitigen Gitarre am Werk ist und beim Opener "Genesis" hört man das auch. Nach einem kurzen Synth-Intro schiebt einen der mächtige Gitarrengroove fast vom Stuhl. In Kombination mit Chinos Vocals, die mal kreischend durch die Soundwand fahren und mal leiser daherkommen, ergibt schon im Opener eine höchst spannende Mischung. "Cermony" schlägt in eine ähnliche Kerbe. Irgendwie schwingt im Hintergrund immer ein gewisser 90er-Vibe mit, wenn, wie bei "Urantia", die Band schwere und groovende Riffs rausballert und die Vocals sehnsüchtig über Allem zu schweben scheinen. Manchem mag die teilweise weinerliche Stimme von Chino mit der Zeit auf den Geist gehen, sie ist aber sicherlich eine der Trademarks der Band.

Ein weiteres Erkennungszeichen ist sicherlich die Integration von elektronischen Elementen, Samples und Keyboard-Sounds durch Frank Delgado. "Pompeji" ist hier ein gutes Beispiel für das Wechselspiel zwischen aggressiv und verträumt, laut und leise, garniert von einem Synth-Teppich im letzten Drittel des Tracks, wo man sich in einem 80er SciFi-Universum à la Blade Runner wiederzufinden glaubt - welcher nahtlos in den nächsten Track "The Link Is Dead" übergeht. Man merkt, dass die DEFTONES nicht einfach nach Schema-F ihr Ding runterprügeln wollen. Sie wollen den Hörer fordern und auch überraschen. "Radiant City" wird durch einen herrlich dreckigen Bass-Sound eröffnet, dessen Stakkato-Riff von der Gitarre aufgenommen wird und den Song nach vorn treibt. Der Titeltrack "Ohms" schließt das Album gebührend ab und man haut nochmal alles raus, was man zu bieten hat.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass "Ohms" ein starkes Album geworden ist, das sicherlich auch nach mehreren Durchläufen noch spannend bleibt und Überraschungen bereit hält. Wenn man als Band nach knapp 30 turbulenten Jahren noch so frisch klingt, hat man (zumindest musikalisch) vieles richtig gemacht. DEFTONES-Fans können mit Sicherheit blind zuschlagen und alle anderen Stromgitarren-Freaks da draußen sollten auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren.

 

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Hans Unteregger (29.09.2020)

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