ELMSFIRE - Wings of Reckoning

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VÖ: 25.09.2020
Bandinfo: ELMSFIRE
Genre: Melodic Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

2010 begeisterten die Düsseldorfer mich auf ihrem Debüt "Thieves Of The Sun" vor allem mit dem kongenialen Stück "Worth A Tale", das für mich bis heute die beste Nummer von ELMSFIRE bleibt. 2016 erschien das Zweitwerk "Hour Of The Wolf", das auch zu gefallen wusste und das mit "Dance Of The Dead" auch wieder einen absoluten Kracher an Bord hatte. Nach vier Jahren Pause veröffentlichen ELMSFIRE nun ihre dritte Langrille, die in Eigenregie produziert wurde und dafür (ohne große Namen im Rücken) soundtechnisch verdammt gut klingt.

ELMSFIRE zocken auch auf dem aktuellen Longplayer klassischen, zumeist recht melodischen Metal alter Schule. Man hört immer wieder ein wenig MAIDEN, ein bisschen GRAVE DIGGER, dafür um so mehr JUDAS PRIEST aus den Riffs, den Hooks und dem Rhythmus der einzelnen Stücke heraus. Nichtsdestotrotz kochen ELMSFIRE wie immer ihr eigenes Süppchen. Man ist anno 2020 eine ganze Ecke aggressiver geworden und hat auch eine ordentliche Schippe Härte zugelegt, im Vergleich zu den beiden Vorgängern zu "Wings Of Reckoning".

Das neue Album umfasst 14 Stücke, davon zwei Intros, ein Instrumental und drei Coverversionen. Damit wir das Thema abhaken können, gleich ein paar Worte dazu. Die OZZY OSBOURNE Nummer "Killer Of Giants" hätten ELMSFIRE sich getrost schenken können. Das war nix. Im Gegensatz dazu hat man den SLAYER Song "Cryonics" richtig cool entthrasht und einen tolle, eingängig-schmissigen Heavy Metal Track daraus gemacht. Als ich las, dass man auch das Titelstück aus dem Soundtrack meinens Dario Argento-Lieblingsfilmes "Phenomena" gecovert hat, habe ich natürlich ganz genau hingehört, denn Claudio Simonettis Stück ist für mich bis heute eins der besten Werke italienischer Horrorfilmmusik. Alle wichtigen Parts des Originals wurden auf der Gitarre wiedergegeben, was natürlich seine Tücken hat. Der Song ist nicht schlecht, er hat stellenweise großartige Momente. Aber er klingt zuweilen eben auch schief, und das trübt den Hörgenuss doch beträchtlich. Abschließend muss man sagen, dass die ELMSFIRE-Version gegen z.B. die exzellente Interpretation der Italiener RHAPSODY ("Queen Of The Dark Horizons") ganz klar den Kürzeren zieht.

Kommen wir zu den Eigenkompositionen. Nach dem düster-ritualistischen Intro, bei dem ich mich immer wieder an die Kiwis von ALIEN WEAPONRY erinnert fühlte, geht mit dem Opener "Camazotz" gleich richtig die Post ab, und bereits hier merkt man ganz deutlich, dass die Priester um den Metalgod beim Songwriting ganz klar Pate gestanden haben. "Croghan" ist eingängig und hat eine herrlich melodische Hookline zu bieten. Allerdings - sorry, dass ich schon wieder rummeckere - aber nach zwei Songs ist klar, der Weggang von Sänger Lukas nach dem letzten Album war ein herber Verlust. Mikro-Neuzugang Bobby gibt sich alle erdenkliche Mühe, aber gerade in den Höhen hat er doch seine Defizite, und man hört auch immer wieder schiefe Töne neben der Spur, und die pieksen manchmal ganz schön. Trotzdem gehört gerade "Croghan" ebenso wie "Maelstrom", "Leviathan" und die Instrumentalnummer "Conjunction" zu den guten Stücken.

"Harlock" und vor allem "Rise From Tartarus" hätten richtig geile Songs werden KÖNNEN, wenn, ja wenn da nicht die gesänglichen Schwächen wären, denn in musikalischer Hinsicht sind beide Tracks top. Dazu gesellen dann mit dem Intro zu "Harlock" und "Drop Dead" noch zwei Lückenfüller, die das Album nur unnötig aufblähen.

Fazit:

Was bleibt also unterm Strich? ELMSFIRE sind unbestritten sehr engagiert zu Werke gegangen und haben in Eigenregie mit "Wings Of Reckoning" alles andere als ein schlechtes drittes Album rausgehauen. Allerdings gibt es neben dem Licht auch eine Reihe von Schatten, so dass sich die Scheibe schlussendlich nur im gehobenen Mittelfeld platzieren kann. Schade, da wäre vor allem gesanglich einiges mehr drin gegwesen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (24.09.2020)

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