HEATHEN - Empire Of The Blind

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VÖ: 18.09.2020
Bandinfo: HEATHEN
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Vier Studioalben in 33 Jahren - HEATHEN-Fans mussten sich schon immer in äußerster Geduld üben. Lagen zwischen dem Zweitwerk "Victims Of Deception" und dem vorletzten Output "The Evolution Of Chaos" fast zwanzig Jahre, so hat es bis zum aktuellen Longplayer immerhin noch mal eine gute Dekade gedauert. Da fragt man sich: ist das noch langsamer Veröffentlichungsrhythmus oder doch schon das zweite Comeback? Andererseits ist bei HEATHEN seit je her die Maxime 'Qualität statt Quantität' das oberste Gebot. Die ersten beiden Scheiben waren kongeniale Thrash-Meisterwerke, und auch "The Evolution Of Chaos" konnte in allen Belangen überzeugen. Nun also "Empire Of The Blind".

Die Bay Area-Herrenrunde um EXODUS-Klampfer Lee Altus präsentiert sich auf ihrem vierten Langeisen von der ersten Sekunde an in Bestform. Seit der Veröffentlichung des Vorgängers gab es zwei Veränderungen im Bandgefüge. Neuzugänge sind mit Jason Mirza am Bass und Jim DeMaria hinter der Schießbude zu verzeichnen. Und die Mischung aus den beiden 'Jungspunden' und den drei HEATHEN-Urgesteinen White, Altus und Lum scheint hervorragend zu funktionieren.

Im Grunde genommen knüpft "Empire Of The Blind" genau da an, wo "The Evolution Of Chaos" aufhörte. Lediglich etwas vom Gas gegangen sind die fünf Frisco-Boys. Es gibt nur zwei Uptempo-Nummern, der Rest spielt sich im gepflegten mittleren Geschwindigkeitsbereich ab. Dazu kommen der obligatorische Slowtrack und ein instrumentaler Kracher (dazu später mehr). Wer nun allerdings glaubt, gepflegtes Midtempo ist gleichbedeutend mit gepflegter Langeweile, der ist absolut auf dem Holzweg. Denn die 10 Songs zwischen (dem äußerst stimmungsvollen) Intro und Outro strotzen nur so vor Abwechslungsreichtum, tollen Hooks und exzellenten Soli.

Nach der angesprochenen, gut anderthalbminütigen Einleitung knallen HEATHEN dem Hörer mit "The Blight" gleich ein herrlich straightes Stück Thrash Metal um die Ohren, natürlich ohne auf die so bandtypische, nach den ersten harten Riffs Einzug haltende Melodiösität zu verzichten. Gleichzeitig präsentiert sich Shouter David White in stimmlicher Höchstform. Wenn ich ehrlich bin, hat Dave für mich nie besser gesungen, geshoutet und gebrüllt, als auf dem aktuellen Album. Das Organ des Frontmannes ist gereift und kommt ungemein wuchtig und brachial daher. Dazu gesellt sich ein unglaublicher Facettenreichtum. Der Gesang geht direkt in die Gehörgänge und setzt sich dort sofort fest. Großartige Leistung!

Dem steht die Instrumentalfraktion natürlich in keiner Weise nach. Die beiden Axtschwinger Lee und Kragen liefern sich immer wieder fetzige Duelle und die Soli sind wirklich eine Klasse für sich. Jim DeMaria trommelt tight wie ein Uhrwerk, klingt dabei aber immer wunderbar organisch. Und Jasons Bass-Play verleiht den Stücken die notwenige Tiefe und den richtigen Wumms.

Alles im grünen Bereich also, was die technische und songwriterische Qualität des Albums betrifft, und so vergeht die reichliche Dreiviertelstunde, die "Empire Of The Blind" in der Anlage lasert, auch wie im Flug. Nach dem furiosen Beginn folgen mit dem Titelsong, "Dead And Gone", "Sun In My Hand" und "Blood To Be Let" vier Midtempokracher allererster Kajüte. "In Black" kommt etwas technischer daher, ehe mit "Shrine Of Apathy" ein Stück erklingt, das in die (großen) Fußstapfen von unsterblichen Hymnen wie "Prisoners Of Fate" oder "A Hero's Welcome" tritt und sich dabei in keiner Weise verstecken muß.

Ein absolutes Schmankerl ist Titel Nummer Zehn: "A Fine Red Mist" ist ein fünfminütiges Instrumentalwerk, in dem sich neben den beiden Klampfen-Heroes von HEATHEN auch die Gitarrengrößen Gary Holt (EXODUS, SLAYER), Doug Piercy (ex-HEATHEN) und Rick Hunolt (ex-EXODUS) ein Stelldichein geben und gemeinsam Riffs, Hooks, Leads und Soli zocken, als gäbe es kein Morgen!

Mit "The God's Devide" gibt es zum Schluss noch mal ordentlich auf die Zwölf, und nach dem 30sekündigen Outro hat man das unweigerliche Verlangen, die Scheibe direkt und sofort noch mal zu hören. Und dann noch mal. Und dann noch mal...

 

Fazit:

 

Im Falle von HEATHEN gilt einmal mehr: 'Gut Ding will Weile haben'! Auch wenn wir 10 Jahre auf "Empire Of The Blind" warten mussten, das Ausharren hat sich mehr als gelohnt! Für mich steht der aktuelle Longplayer auf einer Stufe mit dem besten HEATHEN-Werk "Victims Of Deception" und ist ein ganz heißer Kandidat auf den Titel 'Bestes Thrash Metal-Album 2020'!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (19.09.2020)

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