MAD SIN - Unbreakable

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VÖ: 11.09.2020
Bandinfo: MAD SIN
Genre: Punk Rock
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Nicht zu fassen - da hört man mal ein, zwei Metalplatten und schon sind zwanzig Jahre rum, in denen man seine alten Helden von MAD SIN kaum eines Hörers gewürdigt hat. OK - "alte Helden" trifft es nur bedingt, denn wenn ich ehrlich bin, hatte ich Zeit meiner Bunthaarperiode Anfang des Jahrtausends hauptsächlich die damals aktuelle Platte "Survival Of The Sickest" (2002) gekannt und gefeiert...dies jedoch exzessiv und ohne Rücksichtnahme auf das Wohlbefinden von Mitschülern, Lehrern und Passanten. Und heute - fast zwei Dekaden (und immerhin einige besuchte MAD SIN-Gigs) später - wird mir gewahr, dass Koefte deVille und St. Valle die einzigen der Truppe sind, die heute noch an Bord sind und dass nach "Burn And Rise" (2010) tatsächlich zehn Jahre Funkstille herrschten.

Lange nichts von dir gehört?!

So steht das neue Album "Unbreakable" gleich in mehrerlei Hinsicht für einen Neuanfang: für die Band selbst als aktiv propagandierende Entität und auch für mich als Empfänger ihrer Klänge und Botschaften. Was soll ich sagen? MAD SIN anno 2020 anschmeißen ist irgendwie wie nach Hause kommen. Bis auf kleinere Ausflüge und einen zeitgenössisch aufpolierten Sound, der für eine Band dieser Ausrichtung allenfalls eine Prise mehr Straßendreck unter den Zehen vertragen könnte, hat sich dem Anschein nach nicht viel geändert. Mit rund 45 Minuten ist das Combebackalbum reich bestückt und bietet vor allen Dingen eins: eine beträchtliche Anzahl typischer MAD SIN-Songs, die sich instant in die Gehörgänge fräsen, Spin um Spin Synapsen kappen und den Hörer sukzessive dem wohlig-eskalativen Wahnsinn näher bringen. "Are You Ready?", "Hallucinate" ,"House Of Fun", "Till Death Do Us Part" - bei solchen Nummern bedarf es keiner weiteren Erklärung oder Eingewöhnung - einfach anschmeißen und wohlfühlen!

Zu den experimentierfreudigeren Nummern zählen das nostalgisch-romantische "Moon Over Berlin" und Country-Einlagen wie "Shine A Light" und natürlich die High-Noon-Flintenputzer-Hymne "The Long Hard Road Back From Hell", der Auftakt zur finalen Schießerei "Unbreakable". Daneben beweisen die Berliner besonders mit ihren beiden deutschsprachigen Liedern wieder ein versiertes Händchen fürs Texten. "Alles ist schlecht" verteilt mit punktypischen Lyrics einen angepissten Rundumschlag gegen religiösen Fanatismus, Rechtsextremismus und die immer weiter abstumpfende und verblödende Gesellschaft ("Silikon im Arsch und Botoxfresse, ihr abgesaugtes Hirn zeigt kein Interesse"). Und "Totgesagte leben länger" - so frei man die Nummer auch interpretieren kann - steht natürlich Pate für die geglückte Rückkehr der Band und steht damit gleichberechtigt neben dem Titelsong - "zurück und unkaputtbar in 2020" könnte das Motto lauten!

Fetzt, passt, wackelt und hat Luft

Feine Sache! Nachdem sich schon die altehrwürdigen STRAY CATS durch unredliche Praktiken aus meiner Gunst hinauskatapultiert haben, freue ich mich umso mehr über neuen Stoff einer Band, die zwar keinen Rockabilly im eigentlichen Sinne spielt, aber zumindest maßgeblich davon beeinflusst ist. "Unbreakable" ist ein tolles Comeback-Album und beweist, dass eine bewusst eingelegte Pause manchmal besser ist als mit halber Kraft danebenzusemmeln. Good old Rockabilly gepaart mit Punk Rock, Country und mehr...oder wie MAD SIN es nennen: "Rock'n'Roll Hardcore Billy Metal Ping Pong Bingo Bongo" - was will man mehr?! Ach ja: ein Bier bitte!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (10.09.2020)

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