METALLICA - S&M 2

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VÖ: 28.08.2020
Bandinfo: METALLICA
Genre: Metal
Label: EMI Music
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Auch schon wieder zwanzig Jahre her ist es seit dem Vorgänger "S&M". Zur Neueröffnung des Chase Centers in San Francisco wagten sich METALLICA zusammen mit der San Francisco Symphony unter den Dirigenten Michael Tilson Thomas und Edwin Outwater an zwei Nächten an Teil Zwei dieses Experimentes.

METALLICAs "S&M" war ein etwas zäher Brocken, waren doch die symphonischen Teile bisweilen sehr sperrig und forderten dem geneigten Hörer einiges an Geduld ab. Ich bin nach wie vor begeistert von dem ersten klassischen Experiment, lieferte doch damals James Hetfield eine seiner besten Gesangsleistungen ever ab. 

Wie sieht es nun mit der Neuauflage aus? Anders könnte man sagen Mit "Confusion", "Halo On Fire" und "Moth Into The Flame" befinden sich drei Songs vom immer noch aktuellen Album "Hardwired...To Selfdestruct" auf "S&M 2", mit "All Within My Hands" findet sich auch ein "St. Anger" Song auf dem Notenblatt wieder. Die große Änderung ist, dass sich Band und Orchester hier offensichtlich deutlich mehr Zeit gelassen haben bei der Entstehung der Aufführungen. Die Orchesterparts sind deutlich inklusiver als auf dem Vorgänger, der ab und zu die Songs mit den konträren Einstiegen deutlich schwieriger für den Konsumenten machte.

Auf "S&M 2" sind diese beinahe bei jeden Song richtig gut und passend eingefügt worden. Die San Francisco Symphony unterstützen METALLICA mit äußerst passender Orchestrierung. Hier wurde darauf geachtet, die Songs noch eine Stufe nach oben zu heben, sie zu verbreitern und zu verfeinern. Das heißt jetzt nicht, dass der symphonische Teil zu luftig, zu locker wurde, ganz im Gegenteil, die beiden Dirigenten entlocken ihren Mitmusikern immer wieder massive Soundwände. Aber das passt alles gut zu den METALLICA-Songs. 

Auch gut, für jeden, der sich immer mal wieder über die Schlagzeugarbeit von Lars Ulrich ärgert ist, dass er sich hier ganz genau an die Taktvorgaben halten muss. Ansonsten wäre das Unterfangen wohl ein zum Scheitern verurteiltes gewesen.

Als grandiose Neuerung gibt es auch ein vom Hauptbassisten der SF Symphony, Scott Pingel, mit einem verzerrten Konzertbass gespieltes Tribut an den unsterblichen Cliff Burton: "(Anasthesia) - Pulling Teeth". Auch fantastisch ist das nur von James Hetfield und den klassischen Musikern vorgetragenen "Unforgiven III", welches einige unterschwellig zerbrechliche Komponenten in dieser Art der Ausführung gewinnt. Dazu hat man noch die Möglichkeit mit der von Alexander Mosolov komponierten "The Iron Foundry" in den Alltag eines Symphonieorchesters zu schnuppern.

Es gibt eigentlich keine Schwachstelle auf "S&M 2", Band und Orchester sind gut aufgelegt. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn man in den Reihen der geschulten Mussiker*innen ein dezentes Kopfnicken oder ein breites Grinsen sieht. Sie scheinen es sehr oft zu genießen, aus dem verstaubten Konzertsaal hinein in ein Metalkonzert versetzt geworden zu sein. 

"S&M2" ist im Vergleich zu den hinkenden Versuchen anderer Bands eine Offenbarung. Ich hatte mir erwartet, dass es gelingt, die Änderungen in der Orchestrierung und die kleinen Wagnisse, die die Band zusammen mit dem Orchester eingegangen ist reüssieren auf breiter Flur und machen diese zweite klassische Runde nicht nur zu einem Marketinggag.

Es ist ja mittlerweile lustig, sich das METALLICA-Gebashe anzuhören, es ist dann aber auch so, dass diese Band es auch immer wieder schafft, aus ihrer Komfortzone herauszutreten und Anderes zu versuchen. Wenn ich heute noch höre, dass METALLICA ihre Thrash-Roots verraten haben, verfalle ich immer in ein leichtes Lächeln und kann nur sagen: Danke, METALLICA, dass ihr das tut und nicht, wie viele andere, auch große Bands, jahrzehntelang denselben Teig wieder und wieder durchkneten und vom Metalfeuilleton abgefeiert werden.

METALLICA sind und bleiben METALLICA und haben mit "S&M 2" ein neues Gem in ihrem Regal abgestellt. 

Genau so macht man das!

 

 

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (07.09.2020)

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