PAIN OF SALVATION - Panther

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VÖ: 28.08.2020
Bandinfo: PAIN OF SALVATION
Genre: Progressive Metal
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

Man kann nicht behaupten, dass der Schock um den Gesundheitszustand von PAIN OF SALVATION-Fronter Daniel Gildenlöw und das damit einhergehende Hoffen und Bangen um seine Genesung auch nach den vergangenen Jahren einfach so vergessen wäre. Das letzte großartige Wiederauferstehungs-Album "In The Passing Light Of Day" war Erleichterung und Kampfansage zugleich. Und ließ die Hoffnung auf weitere geniale Umtriebe der Schweden wieder aufleben. 

Einige Jahre ließ man sich nun Zeit und sortierte sich mit internen Veränderungen im Lineup neu. Nun stolziert der neue Release "Panther" durch die gediegenen Soundanlagen und bringt dabei einen ganzen Haufen Altbekanntes (sowohl im Sound als auch in der tiefgründigen Message), aber auch den ein oder anderen frischen Wind - oder eher elektronischen Stromschlag - mit sich. Eines jedoch ist schon vom ersten Ton an glasklar. Hier ist unverkennbar PAIN OF SALVATION am Werk. 

Unverwechselbar arbeitet sich das Songwriting an erkennungsdienstlichen Schemata ab, ohne dass dabei auch nur eine Triole oder asymmetrische Rhythmuseinheit von anderen Alben kopiert klingt. Die auf weite Strecken dramatisch-samtigen Vocals von Daniel Gildenlöw tun ihr Übriges, um die Band sofort als genau die wieder zu erkennen, die sich niveau- und qualitätstechnisch von einem Album zum nächsten nahezu überbieten.

"Panther" setzt den Fokus einerseits auf viele akustische Anteile wie auch auf die Zuhilfenahme einiger elektronischer Dekorationen, die markanter, weiter in den Vordergrund gerückt werden, wie das Aushängeschild "Panther" eindrücklich beweist. Durchaus im Kontrast dazu stehen gleichzeitig auch einige Songs, die sich einer akustischen -  oder daran angelehnten - Machart bedienen und sich in ihrem Steigerungswert an emotionalem Aufbau unglaublichen Raum verschaffen. Nicht selten wird dabei der Kontrast beider Stilmittel auch durchaus in denselben Song gepackt, was sich dennoch keineswegs als Stilbruch, sondern vielmehr als kunstvoll eingewebte Absicht versteht. Ohnehin sind derartige Übergänge in der Bandgeschichte nun kein Novum, lediglich wird auf "Panther" gefühlt intensiver damit hantiert. Dies mag aber auch daran liegen, dass andere, verschnörkelt-komplex-progressive Elemente dementsprechend zurück gedrängt wurden, die Scheibe als Gesamtes - zumindest, was den Hörfluss angeht - einfacheren Zugang gewährt, als dies bei manch früherem Werk der Fall war. Im Umkehrschluss verschwindet auch ein Teil der Härte und des treibenden Riffings, das auf "In The Passing Light Of Day" vorherrschend war, was nun aber auch nicht bedeutet, dass den Songs etwas fehlen würde, Lücken aufgetan wurden, die man nicht gekonnt auszufüllen gewusst hätte. 

So startet das Album mit "Accelerator", das sich neben der typischen progressiven und "schrägrhythmischen" Bauart, die sich PAIN OF SALVATION zu eigen gemacht hat, auch einen gediegenen Anteil an elektronischer Untermalung in die Komposition holt - und zudem eine gewaltige Portion an mitreißender Power. "Unfuture" stampft schwer und verzerrt in altbekanntes Fahrwasser. "Restless Boy" macht nach zwei Minuten gechilltem Dahinplätschern mal eben einen ziemlich wuchtigen U-Turn, ehe "Wait" wunderschön balladesk und weitgehend akustisch beginnt, sich in den Vocals viel Raum und Weite verschafft und auf sieben Minuten tiefgreifende Emotionalität, phasenweise sogar Zerbrechlichkeit und dann doch wieder immense Stärke generiert. "Panther", als Namensgeber recht weit hinten auf der Scheibe gereiht, schafft eine zum Teil fast schrille Grundstimmung und eine Ladung Sprechgesang/Rap, der beim ersten Hinhören zwar ungewohnt wirkt - wenn man aber an "Scarsick" zurückdenkt, hat man hier schon mal die gekonnte und fähige Version vor sich. "Species" fühlt sich ein wenig an wie aus den "good old days" ausgegraben, ein starker, getragener Song mit angenehmer Schwere, ehe sich das überdimensionale "Icon" als Rausschmeißer der kurzweiligen Scheibe als wandelbares Chamäleon entpuppt, erst mit verzerrter Breitseite startet und sich dann von einem Atemzug zum nächsten in reingewaschenste Verwöhnmusik wandelt und sich im Wechsel immer wieder regeneriert. Dazwischen tingelt dann noch das rein instrumentale und banjo-affine "Fur" und der starke Track "Keen To A Fault", der, ähnlich wie "Species", aus allen musikalischen Poren vor PAIN OF SALVATION trieft. 

"Panther" wirkt im Vergleich zum Vorgänger - will man den Namensgeber hier für Wortspiele heranziehen - auf weiten Strecken samtiger, schleichender, und trotz der Intensität und generierten Tagweite weitgehend unaufgeregter. Rockige und harte Anteile wurden reduziert, man legt Wert auf Tiefe und emotionale Verstärkung. Trotz der zwar nicht flächendeckenden, aber dennoch auffallenderen Synthetik-Sound-Anteile verliert "Panther" nichts der oftmals auch düsteren Charakterzüge, die PAIN OF SALVATION zu eigen sind. Hervorzuheben auch die weniger prog-verschnörkelte Songbastelweise, dafür vielerorts Wechsel zwischen sanftem Zugang und Dramatik, welche im Kontrast markanter wirken, aber keineswegs an brüchigen Kanten aneinander gemörtelt wurden. Erneut haben sich PAIN OF SALVATION eine eigenständige und große Scheibe in die Discografie gestellt, die innovativ klingt, aber dennoch im Muster bleibt und trotz einer weniger intensiven Prog-Komplexität mitnichten eine Scheibe für eine Nacht - ähm, für eine Umdrehung ist.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (31.08.2020)

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