ASTRAL SLEEP - Astral Doom Musick

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VÖ: 22.05.2020
Bandinfo: ASTRAL SLEEP
Genre: Doom Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Mit "Astral Doom Musick" bringen ASTRAL SLEEP bereits ihr drittes Album auf den Markt und - Schande über mein Haupt - bisher ist die Band komplett an mir vorbeigegangen, was ich, vorweg gesagt, ein bisschen bereue.

Stilistisch sind die Finnen sehr experimentierfreudig, was ich sehr schätze. Der erste Track "Vril" verarbeitet Elemente aus dem Funeral und Epic Doom, und punktet vor allem mit schweren, getragenen Melodien, ausgedehnte Gitarrenparts und Weltuntergangsstimmung. Bei den Vocals nützt der Mann am Microfon den breiten Spielraum zwischen tiefen Growls, Screams und Klargesang, wobei letzterer zu weiten Teilen das Geschehen dominiert und die im Funeral Doom typische Klagestimmung auch gut zum Ausdruck bringt, wenn auch insgesamt etwas theatralischer als gewöhnlich.

Ganz überzeugt hat mich der Einstiegstitel allerdings nicht, dafür überrascht die Nummer zwei - "Integratron" - im Anschluss daran mit einem groovigen, fast schon rotzigen, Intro und Gesang in Epic Doom Manier. Beim ersten Titel ist der Sänger nicht wirklich positiv herausgestochen, hier jedoch kann er mit seiner erzählenden Gesangsweise bei mir punkten. Immer wieder gibt es Momente, in denen man sich an eine gute Heavy Metal oder Hard Rock Nummer erinnert fühlt und manchmal muss ich an HÄLLAS denken, vor allem wegen dem Gesangsstil. Die ausschweifenden, träumerischen Gitarrenmelodien reißen mit und erzeugen Atmosphäre. Im Mix mit den mal mehr, mal weniger präsenten, Funeral Doom Elementen gibt das Ganze eine eigenständige, sehr runde Sache.

Auf Seite B der LP wird es dann ein wenig verrückt, oder sagen wir experimentell.

Bei "Schwerbelastungskörper" beginnt alles mit schweren Klängen, diesmal mit tiefen Deathgrunts versehen und im Zeitlupentempo dargeboten, Funeral Doom par excellence, nur hat man hier das Gefühl schon am Ende zu sein, die Zeit des Klagens hat man wohl schon hinter sich gelassen. Fast unmerklich wird der Track aber mit fortschreitender Spieldauer richtig progressiv und gipfelt in einem durchgeknallten jazzartigen Intermezzo. Es kostete mich ein Schmunzeln, als ASTRAL SLEEP danach, als wäre nichts gewesen, wieder mit vernichtendem Funeral Doom fortfahren. Das ist wohl finnischer Humor.

Am Ende steht mit "Aurinko Ja Kuu" (übersetzt "Die Sonne und der Mond") eine träumerisch-atmosphärische, ruhige Nummer mit äußerst lieblichem Gesang. Fast erweckt es den Eindruck, dass sowas im finnischen Radio in der Hitparade laufen könnte, wenn man die Geschwindigkeit ein bisschen raufdrehen würde, aber hat man die ersten, leicht einschläfernden sechs Minuten überstanden kommt ein recht plötzlicher Break und nach ein bisschen Gefiedel und Vogelgezwitscher schlagen einem plötzlich knurrige Screams und harte Riffs entgegen, danach folgt wieder etwas Epic Doom. Für meinen Geschmack etwas zu bunt gemischt in diesem Fall.

Die vielen Facetten des Albums hier auch nur annähernd zu beleuchten ist kaum möglich, für aufgeschlossene Hörer, vor allem aus den Bereichen Epic Doom und Funeral Doom, bietet das Album auf gut 40 Minuten Spielzeit einiges an Abwechslung, auch wenn der Gesang vielleicht nicht jedermanns Geschmack treffen wird und die Stilkombinationen doch zum Teil etwas wild sind, zumindest für mich. "Integratron" und "Schwerbelastungskörper" haben es aber direkt auf meine Spotify Playlist geschafft und auch, wenn es sicher nicht mein Lieblingsalbum 2020 wird, hat es mir Spaß gemacht es zu hören.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Marlene Krempl (18.08.2020)

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