ATRÆ BILIS - Divinihility

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VÖ: 14.08.2020
Bandinfo: ATRÆ BILIS
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das Leben wird nicht selten von König Zufall regiert - nehmen wir mal meine Jobs (inklusive Stormbringer), meine Frau oder mein verdächtig zuverlässiges Auto zum Beispiel...alle diese wunderbaren Dinge fanden auf rätselhafte, statistisch nicht erklärbare Weise ihren Weg zu mir - eine beinahe metaphysische Eigenschaft, die ich gerne selbstironisch als "Idiotenglück" bezeichne. Die Gründung der kanadischen Band ATRÆ BILIS dürfte auf ähnliche Zufälle oder die Launen höherer Mächte zurückzuführen sein, denn wie die Band erklärt, kannten sich ihre Mitglieder vor ATRÆ BILIS nicht. Doch Dinge geschehen und in Folge derer kommt es, wie es kommen muss. Das Schicksal fügt zusammen, was zusammengehört und vereint die kreativen Kräfte vierer Musiker, die ursprünglich über den halben Globus verteilt waren, zu einem Werk namens "Divinihility".

Was ein wenig nach einer spontanen Jamsession klingt und vermutlich auch als solche seinen Anfang gefunden hat, erweist sich beim näheren Blick als unkonventionelles, aber wohldurchdachtes und höchst detailverliebtes Unterfangen. Es beginnt bereits mit dem ansprechenden Artwork, das das lyrische Konzept der Platte veranschaulicht. Die Texte auf "Divinihility" befassen sich - etwas schwarzhumorig umschrieben - mit einer Art Autokannibalismus: dem Vorgang des Dahinscheidens und der anschließenden Wiedergeburt als Made im eigenen Körper. Das Albumcover, das den Übergang von der physischen zur geistigen Sphäre des Seins darstellt, hebt wie erwähnt auf das Konzept der Platte ab und vermittelt zugleich eine vage Vorstellung dessen, was einen hierauf erwartet. Besagte Vorstellung mag höchstwahrscheinlich nicht dem Inhalt gerecht werden, doch weckt das Motiv die Begierde, der Imagination Erfahrung folgen zu lassen - und der Hörer sollte nicht enttäuscht werden.

ATRÆ BILIS werfen zahlreiche Einflüsse aus vorwiegend moderneren Spielarten des Death Metal in einen Topf und legieren diese zu einem garstigen und irritierenden Sumpf. Das Gemenge aus Brutal Death Metal, Technical Death Metal, einer Prise OSDM und Djent sowie reichlich Dissonanzen ist kaum mit einer mir bekannten Kombo zu vergleichen und massiv wie eine Bunkerwand. Die Tracks sind allesamt dicht gepackt, hochintensiv und entfesseln eine Zerstörungskraft, in deren Angesicht sogar Robert Oppenheimer kalte Füße bekäme. Stärkste Nummer und Vorzeigestück ist das Zweigespann aus dem Intro "Gnode" und "Sulphur Curtain", das streckenweise in den Highspeedbereich abhebt und die Stärken der Band am besten auf den Punkt bringt.

Die nachfolgenden Songs sind allesamt langsamer und grooviger gehalten, wobei sich die erwähnte Detailverliebtheit in Songwriting und Sound fortsetzt. Der brettharte, trockene Klang und die dystopisch-blechernen Gitarren bilden mit den verstörenden Kompositionen der Band eine untrennbare und sich selbst verstärkende Einheit. Natürlich müssen Produktion und Musik immer miteinander arbeiten und sich gegenseitig unterstützen, aber die kompromisslose Konsistenz, mit der sich die Bausteine des Albums hier zusammenfügen, ist definitiv ein Wort des Lobes wert.

ATRÆ BILIS erschienen wie aus dem Nichts - und liefern aus dem Stand ein beeindruckendes Werk ab, das mich wie das Debut ihrer Labelkollegen SEPULCHRAL CURSE ernsthaft über einen Einstand mit 4,5 Punkten nachdenken ließ. Für das Konzept an sich sowie für Können, Innovation und Qualität sind ohne Diskussion Pluspunkte angebracht. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass "Divinihility" als Album angelegt ist, sind gute 20 Minuten etwas kurz geraten. Es wäre zwar eine Schande, dieses deliziöse Sößchen mit halbgarem Schmand zu versaubeuteln, doch wäre eine runde halbe Stunde Laufzeit ein guter Kompromiss für "Divinihility" gewesen - zumal der Stoff für einen Vierzigminüter ohnehin zu intensiv und fordernd ist. Dieser Vorstoß gepaart mit einem weiteren Brecher der Marke "Sulphur Curtain" würde die Sache perfekt machen und die dezente Zähigkeit in der zweiten Hälfte brechen. Alles Jammern auf hohem Niveau, denn einen solchen Startschuss muss man erst einmal hinbekommen...also: Daumen hoch! Nur die Sache mit der Reinkarnation als Made werde ich höchstwahrscheinlich anderen überlassen...



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (07.08.2020)

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