ARMAGEDDA - Svindeldjup Ättestup

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VÖ: 29.05.2020
Bandinfo: ARMAGEDDA
Genre: Black Metal
Label: Nordvis Produktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Black Metal ist Krieg. Black Metal ist Dissonanz. Black Metal ist der nicht ausdrückbare, stetig nacheiternde Pickel am Schließmuskel des Leibhaftigen. Diese fundamentalen Grundsätze gelten noch heute wie an dem Tag, an dem sie mit Blut und Ziegenurin geschrieben wurden. Kein anderes Genre setzt so strikte Regeln an Form, Farbe und Geruch der unter seinem Banner dargebotenen Kunst. Und wenn sich eine für Branchenkenner (oder auch Branchenkeller) so einschlägig bekannte Formation wie ARMAGEDDA selbst wieder aus den Untiefen der schwedischen Vorhölle ausgräbt und dem bisher letzten Album "Ond Spiritism: Djæfvvlens Skalder Anno Serpenti MMIV" (2004) einen Nachfolger spendiert, dann weiß ein jeder, was davon zu erwarten ist.

Dieser ekelerregende und stinkende Kotzfleck vor den Toren des Vatikans sollte jeden ansprechen, für den alles nach DARKTHRONEs "Panzerfaust" erschienene nie existiert hat. Jeden, für den Black Metal nicht weniger als die eingangs umschriebene Dysfunktion am Anus des Gehörnten bedeutet. Jeden, für den zum Szenekult mehr gehört als die Verneinung einer botoxverseuchten L'Oréal-Modenschau auf dem Laufsteg des Symphonic-Schwarzbiers. Beim aktuellen Album "Svindeldjup Ättestup" wurde Wert auf Details und unheilige Bünde gelegt, weswegen man bei der Kreation des Artworks keinen Geringeren als WATAINs Erik Danielsson erwählte, die Regler MGLA-Fronter M. anvertraute und für den Dienst in der Kesslerei den u. a. bei MEDICO PESTE amtierenden Multiinstrumentalisten The Fall verpflichtete.

Große Namen für ein ambitioniertes Album-Comeback. Und wenn man sich den ersten regulären Song "Ond Spiritism" anhört, stellt man sich unweigerlich die Frage: muss BM auch nach zwanzig Jahren im Dienst noch so klingen, als wäre er mit einem alten Fisher-Price-Recorder im heimischen Werkzeugkeller aufgenommen worden?! Aber hallo! Chapeau, meine Herren, der Opener lässt Großes erwarten und tut obendrein sehr viel für die geschätzte Credibility. Die Nummer ist reich an erhabenem Gerumpel und Dissonanzen, gespickt mit einem Hauch Melodie und läuft schneller durch wie hochkonzentriertes Rizinusöl. So will ich meinen Black Metal hören! Doch wer nach dem Opener eine durch und durch bekehrende schwarze Messe vermutet, der befindet sich auf dem Holzweg, denn abgesehen von besagtem Auftakt haben die meisten Stücke auf "Svindeldjup Ättestup" arg mit Längen zu kämpfen. "Flod Av Smuts" entpuppt sich gar als Rohrkrepierer und beim elfminütigen "Evigheten I En Obrytbar Cirkel" geht zwischen Eiszapfenwurf und Winkelschleifer-Randale zu oft der Drive verloren. Repetition in allen Ehren, aber unterm Strich läuft es hier zu oft wie beim sinnbildlichen, stark behaarten Fusselroller: so viel man auch rubbelt und rollt, es bleibt einfach nicht viel hängen.

Die gemischten Gefühle beim letzten Song stehen damit Pate für den Gesamteindruck des Albums: der Einstieg ist gut und hinterlässt schäumende Mäuler in gieriger Erwartung einer abendfüllenden Machtdemonstration, doch im Gesamtbild reicht es nicht für den postorgasmalen Seelenfrieden, den man sich nach dem Opener womöglich verspricht. "Svindeldjup Ättestup" ist summa summarum durchwachsen bis durchschnittlich zu werten, doch anders betrachtet ist die Kiste lange nicht so an die Wand gefahren, wie sie es nach sechzehn Jahren Albumabstinenz hätte sein können. In diesem Sinne: willkommen zurück und bis zum nächsten Dreher!



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (02.08.2020)

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