SEPULCHRAL CURSE - Only Ashes Remain

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VÖ: 31.07.2020
Bandinfo: SEPULCHRAL CURSE
Genre: Black / Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste

Es gibt Releases, deren Güte man bereits beim flüchtigen Blick aufs Artwork erahnen kann und bei denen man nach dem ersten Durchgang weiß: das Ding schlägt ein wie eine Bombe! So ging es mir jüngst mit dem Album-Debut der finnischen Black / Death Metaller SEPULCHRAL CURSE, die sich mit "Only Ashes Remain" erstmals in abendfüllender Länge aus dem Gestrüpp trauen. Nach dem layout-induzierten Blindkauf folgte auf dem Fuße der prüfende Blick unter die Haube - und wie bereits angedeutet sollten weder die Probefahrt noch der darauffolgende Langzeittest enttäuschen.

Dass die Finnen nicht lange rumsabbeln, zeigen sie direkt mit dem Opener "From Within The Bowels Of The Earth", den man zugleich als Referenzstück und Hit der Platte heranführen kann. Diese Bestie von einem Song springt einem ohne Vorwarnung ins Kreuz, versenkt seine unterschenkellangen Beißer im Rückenmarkskanal und injiziert okkulte Noten und ätzende Flüssigkeiten in sein zur Abwehr unfähiges (bzw. unwilliges) Opfer. Intensive Raserei, Blastbeats und Tremoloriffs zelebrieren sinnlose Zerstörung und Fronter Kari Kankaanpää grunzt dazu wie ein mit Panzerschokolade gemästeter Bastard aus Prachtelch und Berserkerwildschwein. Selten hat jemand seine Taschenfalten derart exquisit kultiviert und aus der Tiefe heraus erbrochen, ohne dabei einen einzigen Bissen wiederzukäuen. Die Schreie von Drummer Tommi Ilmanen bilden dazu einen ergänzenden Kontrast und klingen, als hätte der Gute sein Skrotum in einer stumpfen Brotmaschine eingeklemmt. Das Zustandekommen einer derartigen Verletzung weiter zu beleuchten, würde allerdings den Rahmen sprengen - selbst für bekennende Vielschreiber...

Musik ist wie eine Droge - sie muss berauschen, Nerven kitzeln, niedere Instinkte stimulieren und natürlich für einen zünftigen Vergeltungsschlag taugen, wenn des Nachbars Blagen mal wieder mit Dosenmusik in Stadionlautstärke die Umwelt verpesten. Deshalb bin ich wie viele Gleichgesinnte stets auf der Suche nach neuen Vorschlaghämmern, die ungezügeltem Hochgenuss bescheren und der Vergabe einer Benotung oberhalb der vier Punkte würdig ist. Und bei SEPULCHRAL CURSE wäre es fast wieder soweit gewesen. Dafür sprechen neben dem genialen Sound, der die Wucht zeitgenössischer Death-Metal-Produktionen mit der Erdigkeit und Modrigkeit des Black Metal verbindet, das starke Songwriting und viele Feinheiten. Feinheiten, die den Unterschied zwischen gutem Handwerk und Exzellenz ausmachen. Beispiele hierfür wären der ungestüme Frontalangriff in Form des Openers, das Duett der beiden Stimmgeber und das verträumte Solo in "Into The Depths Unknown", dicht gefolgt von einer kurzen Frostbrise, die es so nur einmal auf der Platte gibt.

Die Versuchung einer entfesselten Glorifizierung ist groß und wenn man es genau nimmt, spricht noch nicht einmal allzu viel dagegen. Lediglich "Maan Tuhkien Uneen" wirkt mit seinen elf Minuten etwas langatmig und spannungsarm. Zudem wird die Scheibe ab "Eyes Inside" generell etwas zäher - wobei jedoch zu betonen ist, dass hierbei kein Song ins Mittelmaß absackt und besonders "Dead Stars Drawing Spirals" wieder etwas von dem unheiligen Zauber hat, der die ersten Albumsongs ausmacht. Zur nächsthöheren Stufe fehlt nicht mehr viel - und auch wenn es hier "nur" vier Punkte mit Sahnehäubchen gibt: "Only Ashes Remain" ist definitiv ein großer Schritt gegenüber der letzten EP und ein saustarkes Debut, auf dessen Evolution man schon heute gespannt sein darf.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (30.07.2020)

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