DOOL - Summerland

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VÖ: 00.00.2020
Bandinfo: DOOL
Genre: Dark Rock
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Die Überraschung war groß, als DOOL mit ihrem Debüt "Here Now, There Then" eines der stärksten Alben des Jahres 2017 veröffentlichten. Im Vergleich zu anderen Bands dieses Genres hatte man das Gefühl, dass DOOL sich bewusst vom Konsens abheben wollten. Auch (oder vor allem) Ryanne van Dorst prägt dabei den Sound der Band. Ihre Art erinnert an eine junge Patti Smith. Etwas verschroben, hippiesk, aber dennoch mit einer ordentlichen Portion Melancholie, spielte man sich in die Herzen der Fans, die sich wohl nicht selten an THE DEVIL´S BLOOD erinnert fühlten.

Doch (nach der Veröffentlichung einer EP) wurde es Zeit für den nächsten Schritt, der nun in Form von "Summerland" das Licht der Welt erblickte. Wie das gelungene Cover zeigt, ist das Album nicht dazu gedacht, als Untermalung zum Meeresrauschen, für einen am Strand liegenden und Pina Colada schlürfenden Hörer zu fungieren. Der Hörgenuss ist dafür zu intensiv und zu düster. 

Der Opener "Sulphur Starlight" versetzt den Hörer bereits in Verzückung. Man beginnt ruhig, beschwörend, beinahe bedrohlich, doch der wunderschöne Refrain macht aus diesem Song einen Hit. "Wolf Moon" hat ebenfalls Hitpotenzial und inkludiert einen kraftvollen, dynamischen Refrain. Wenn Frau Van Dorst "Under The Moonlight" intoniert, merkt man sich dies ab dem ersten Durchlauf.

Doch es geht auch anders. Zäher, düsterer. "God Particle" ist so ein Beispiel, bei dem man einen orientalischen Einschlag vernimmt und auch Elemente der griechischen Folklore hören kann. Das ist ungleich schwerere Kost.
Schwere Kost gibt es auch in anderen Songs zu bestaunen: "Glass Forest" ist zum Beispiel komplexer geraten, während "Dust & Shadow" sich mehr am Metal orientiert und doomige, schwere Musik mit ausladender Atmosphäre kredenzt. Auch "Be Your Sins" geht etwas in diese Richtung. Was zunächst "straight-forward" zu sein scheint, wird dann genau das Gegenteil. Vertrackt, progressiv und nicht immer leicht fassbar.

Der Abwechslungsreichtum ist also enorm und insgesamt bleibt "Summerland" sehr unterhaltsam und kurzweilig. 
Die besten Momente haben DOOL aber immer dann, wenn sie dem düsteren Retro-Rock frönen und ihre Kompositionen auf den Punkt bringen. Das kann immer noch sehr niveauvoll sein und klingt niemals platt. "The Well´s Run Dry" ist so ein kompakter, hymnischer Song, der auch mit dunklen Aspekten überzeugt. Ryanne van Dorst singt hier mitunter in sehr tiefen Lagen, was dem Song gut steht.

Zusammenfassend kann man DOOL attestieren, dass sie authentisch, verträumt, aber dennoch kraftvoll, sowie auch sehr smart in ihrer Herangehensweise sind. Man macht, was man will und biedert sich nicht an, schafft es dabei aber, sich eine eigene Nische zu erschaffen. DOOL sind dabei noch erdig und kompakt genug, um Rock-Hymnen zu schreiben.
Man kann nur hoffen, dass sie diesem Weg treu bleiben, denn diesen Hymnencharakter zu entfachen, ohne dabei oberflächlich zu wirken, ist eine Gabe. Trotz der Heterogenität des Songmaterials ist diese für DOOL typische, schmeichelnd-düstere Mystik omnipräsent. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: El Greco (25.07.2020)

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