CELTICA - PIPES ROCK! - Celtic Spirits

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VÖ: 15.05.2020
Bandinfo: CELTICA
Genre: Celtic Metal
Label: Stringdependent Records
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Lineup  |  Trackliste

2016 meldeten sich CELTICA – PIPIES ROCK! mit „Steamphonia“ zu Wort, indem sie schottischen Dudelsack, Violine, Rock-Instrumentarium und allerhand Gast-Instrumente mischten und mit dem dazu passenden Steampunk-Outfit und -ambiente darboten. Heraus kam ein solides Album, das im instrumentalen Bereich ein ordentliches Zeichen setzte (Review hier). Ein paar Jahre hat es gedauert, in welchem die Herrschaften von CELTICA - PIPES ROCK! keineswegs untätig waren und ihre Musik live ziemlich bemerkenswert auf Bühnen brachten, ehe nun das nächste Album „Celtic Spirits“ in den Startlöchern steht. 

Der Themengebung im Namen des Albums sind CELTICA – PIPES ROCK! durchaus treu geblieben. Nach „Steamphonia“, auf welchem die moderne Steampunk-Attitüde gekonnt mit schottischem Flair gemischt wurde, wurden nun einige futuristisch anmutenden Freiheiten im Sound weggekürzt und man konzentriert sich tatsächlich weitgehend auf ein Vermitteln von keltischen, zumeist schottisch-irischen Eindrücken. Die E-Gitarre tritt ebenfalls etwas mehr in den Hintergrund und selbst die Rhythmussektion macht sich eine Nummer kleiner, um vorrangig mit Dudelsack, untermalt mit instrumentalem Soundteppich, manchmal eingewobenen Chören, hin und wieder mit der ein oder anderen Flöte oder anderen kleinen Zusätzen, das keltische Feeling zu basteln. 

 

 

Inhaltlich fällt bei der ersten Umrundung wohl auf, dass die Knackigkeit des Vorgänger-Albums einerseits durch die teilweise dominierenden Rock-Anbiederungen doch mehr an Ecken und Kanten aufzuweisen hat als der aktuelle Rundling, und andererseits selbst beim Nebenbei-Hören vielschichtiger, abwechslungsreicher wirkte. So plätschert „Celtic Spirits“ beim ersten Nebenbei-Hören doch etwas dahin, mag dies einerseits an einer sehr glatten Produktion liegen und andererseits einfach an der generellen Song-Gestaltung, die  – wie in vielen traditionellen Songs üblich – bestimmte Themen und Refrains in abgewandelter Form immer wieder wiederholt. Dem sei aber sofort Folgendes hinterhergeschickt: Wenn man sich etwas intensiver mit den Songs beschäftigt, diese aktiv hört, fallen immer wieder gut gesetzte und durchdachte Details auf, die beim „Dahinplätschern lassen“ eher verborgen bleiben. Und so reift „Celtic Spirits“ beim mehrmaligen Hören dann doch ganz gut vor sich hin. 

Auch wenn bei einigen Tracks Alleinstellungsmerkmale fehlen, sodass ein Song in den anderen übergeht, entwickelt sich schon der erste und namensgebende Song der Scheibe "Celtic Spirits" aus einem beginnenden Grundthema einer durchaus schönen Melodie am Dudelsack zu einem Song mit gar nicht wenig Steigerungspotenzial, nachdem Flöte, E-Gitarre und schließlich sogar dezent eingesetzte Chorgesänge einsetzen. Dieses Kombinatorium soll uns im weiteren Verlauf auch noch öfters begegnen. „Back To The River“ bedient dagegen ein E-Gitarren-Solo im schon fast Neo-Klassischen Touch. Das kleine Beethoven-Medley in „1770 – Birth Of A Giant“ macht allein schon ideengeberisch Sinn, wenn man weiß, dass 1770 das Geburtsjahr dieses klassischen Urgesteins war und – auch wenn die „Mondschein-Sonate“, die Fünfte Symphonie, „Ode an die Freude“ oder ähnliche Beethoven-Stücke als Cover nicht mehr die Neuerfindung des Rades markieren, stellt dies dennoch eine tiefe Verneigung in Richtung dieses Künstlers dar und taucht Altbekanntes in ein schönes CELTICA-PIPES ROCK!-Gewand. (Dass die Truppe derlei beherrscht, bewies auch schon die Carl-Orff-Adaption „Carmina Celtica“ auf dem letzten Album zu Genüge).

Mühe macht man sich dann durchaus auch bei „The Rockin´ Irish Duett“, bei welchem man (endlich) die Rhythmus-Sektion weiter ausbaut und neben der Flöte und der E-Gitarre als Hauptrolle das irische Ambiente auch durch den anfänglichen Einsatz einer irischen Rahmentrommel (zumindest mutmaße ich, dass es sich um eine Bodhran handeln könnte) untermalt wird, ehe das Stück dann schon ordentlich modern wird. Auch hervorzuheben wäre sicherlich „Ferrum Noricum“, in welchem der Songtitel auch musikalisch verbastelt wird und sich gleichzeitig durch schon beschriebene instrumentale Steigerung eine ansehnliche Breite entwickelt. Für mich persönlich unter anderem durchaus ein Aushängeschild der Scheibe. „Time To Rise“ stellt sich dem sonst oft fröhlichen, springlustigen Grundtenor auf „Celtic Spirits“ etwas bedrohlicher und rebellischer entgegen. „Atholl Highlanders“ bringt dann eine durchaus glaubwürdige Stimmung von Highlander-Festivals a la Scottish Tattoo auf den Plan, ehe die Scheibe durch ein „Healing Tune“ sehr gemächlich und etwas verträumt beendet wird. 

Alles in allem liegt hier ein Album vor, das rein musikalisch nicht mehr in einer kleinen Nische zu bleiben gedenkt, sondern durchaus als Breitbandbespielung mehrerer Zielgruppen fungiert. So lässt „Celtic Spirits“ für den krachbewehrten Metal/Rock-Fan wahrscheinlich an Ecken und Kanten missen, Folk-affine Hörer könnten durchaus die unbestritten spielerische Qualität der Musiker zu schätzen wissen, wenn auch die glattgebügelte Produktion dann doch auffallen mag. Allerdings muss klar erwähnt werden, dass sich „Celtic Spirits“ auch sehr gut zwischen Alben von BOND, DAVID GARRETT oder Riverdance und Co. machen könnte und für Freunde von „Weltmusik“, Folk oder sogar Epic Music a la ANTTI MARTIKAINEN mit weniger Bombast aber dafür echten Musikern ein durchaus erstrebendes Zielobjekt wäre. 

Ich persönlich werde mir nach mehrmaligem Durchhören von „Celtic Spirits“ zwar weder Kilt noch Dudelsack kaufen, aber hätte durchaus wieder Lust auf eines der großartigen „Scottish-Festivals“, die es auch hierzulande in großartigem Nachbau und Anlehnung an die Military Tattoo Festivals immer wieder gibt. Und ja (CELTICA - PIPES ROCK! haben ihre Live-Fähigkeiten schon zu Genüge unter Beweis gestellt), genau diese Truppe hier könnte ich mir ebenfalls auf einem solchen Festival sehr gut vorstellen! 

 



Ohne Bewertung
Autor: Lisi Ruetz (18.07.2020)

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