TORTURED SOULS - Alastor

Artikel-Bild
VÖ: 22.06.2020
Bandinfo: TORTURED SOULS
Genre: Black Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Eisstürme über dem Koralmgrat, heulender Terror über der Radarkugel beim Großen Speickkogel und verirrte Wolfsrudel beim ORF-Sender nebenan. Dieser Unbill trotzend tritt das Trio TORTURED SOULS aus diesem Vortex, um dem Rest der Black Metal-Welt zu zeigen, dass man auch in diesen Gestaden geschmackvollen Schwarztod erschaffen kann.

Die Protagonisten sind fast alle bekannt in der Szene. Svart war bei REEK OF DEATH involviert (mittlerweile gab es ein Comeback der Band) und spielte mit Pest bei SCULPTOR zusammen, aus dieser Band wurde später NIGHTFOREST, aber ohne Pest. Svart wechselte, nachdem REEK OF DEATH auf Eis gelegt und NIGHTFOREST aufgelöst wurden zu SEDUCED und wirkte nach seinem Ausstieg bei den Tech-Deathern bei Projekten wie MERENPTAH mit. Baal, das Mastermind von TORTURED SOULS, ist erst seit zwei Jahren aktiv und spielt Gitarre und Bass und ist für das gesamte Songwriting verantwortlich. Das Können an den Instrumenten hat er sich noch dazu selbst beigebracht. Der Aufnahmeprozess gestaltete sich angesichts der Coronakrise etwas kritisch, aber wozu hat man das Internet und DAWs. Die Band hat sich einmal getroffen, als die Covid-19-Maßnahmen gelockert wurden und einmal trafen sich Pest und Baal, um Gitarre, Bass und Schlagzeug (das wurde vorher für die "Demos" via Software kreiert) einzuspielen.

Hier sieht man schön, dass man, wenn man will, auch in schwierigeren Zeiten kreativ sein kann. Es bedarf hier keines Rumgejammeres in der Szene, dass doch alles den Bach runter geht und alle gegen einen sind. TORTURED SOULS haben da einen Weg für sich gefunden, der funktioniert: einfach machen! Geprobt wurde übrigens erst einmal, und das nach Fertigstellung des Albums! 

Es geht also doch, in diesen ach so schlimmen Zeiten, ein vollwertiges Album einzuspielen, zu produzieren und zu veröffentlichen. Weniger jammern, mehr rocken, liebe zartbesaiteten Buben und Mädels da draußen. Bevor sich hier jemand in seiner Ehre verletzt fühlt: das meine ich insgesamt. Die gesamte (Musik)-Szene und nicht einzelne Bands oder gar Musiker betreffend. [Anm. d. Lekt.: Harte Liebe dafür aus der Redaktion!)

"Alastor" wurde klar von der zweiten Welle des Black Metal beeinflusst, ist hart produziert und mit der grandiosen Stimme Svarts veredelt. Das Ganze ist jetzt noch etwas reduziert, ohne viel Drumherum, mit dem Fokus auf das wesentliche: Hass, Satan und persönliches Unwohlsein. Das Geschwindigkeitsspektrum wird von ganz langsam ("Cursed Gun") bis zu pfeilschnell ("A Letter Of Farewell") immer wieder in seiner Gesamtheit besucht. So ziemlich jeder einzelne Song oszilliert zwischen diesen Geschwindigkeitsparametern. Das macht trotz der recht klaren Produktion die Songs abwechslungsreich und gut hörbar. Als Einflüsse geben die Drei die alten DARKTHRONE, MARDUK, DARK FUNERAL, SATYRICON, BURZUM, MAYHEM, etc. an. 

Das kann man so unterfertigen, wie schon oben gesagt, wähnt man sich als Hörer in den frühen bis mittleren 90ern, hat aber durch das gelungene Soundbild und den noch immer abartigen Gesang von Svart (es gibt vor allem bei seinen Death-Growls nur wenige Sänger überhaupt, die in seine Nähe kommen) einige Pluspunkte, die TORTURED SOULS deutlich von den trven, zeitgenössischen Black Metal-Veröffentlichungen unterscheiden. Klar, man steht auch hier schwarz-weiß mit Corpsepaint in den Bergen, aber das Album hebt sich deutlich von denen ab, die ich in letzter Zeit rezensieren durfte/musste.

"Alastor" ist ein gelungenes Erstwerk, welches mit viel DIY-Spirit erschaffen wurde, kalt-stürmisch und bisweilen leicht punkig gnadenlos in das Rear End tritt und zeigt, was man machen kann, wenn man einfach tut. Die CD ist auf 100 Stück limitiert. Greift zu, digital auf Bandcamp oder real auf der Facebookseite der weststeirischen Horde.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (25.06.2020)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: ROCK SHOCK THEATRE 2020
ANZEIGE