SOUL GRINDER - Chronicles Of Decay

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VÖ: 03.07.2020
Bandinfo: SOUL GRINDER
Genre: Death Metal
Label: Black Sunset
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Unter dem Begriff "Schleifen" versteht man ein spannendes Fertigungsverfahren mit geometrisch unbestimmter Schneide, das dem Menschen seit der Antike geläufig ist und inzwischen auch in musikalischem Sinne adaptiert wurde. Im eigentlichen Sinne bezieht sich die metallische Schleiferei auf den zumeist als zermahlend, zerstörend und zermürbend wahrgenommenen Sound entsprechender Interpreten. Spätestens seit George Fisher weiß man, dass man überdies auch vermindert Lebende außerordentlich gut schleifen kann. Zeitgenössische Neueinsteiger wie das deutsche Trio SOUL GRINDER gehen sogar dazu über, immateriellen Entitäten wie Seelen einen neuen Schliff zu verpassen...

Aber was soll die Schleiferei?

Doch wie um alles in der Welt schleift man bitte Seelen und womit haben es die Bremer verdient, auf so parodierende Art und Weise in die Stormbringer-Annalen eingeführt zu werden? Nun ja, ganz profanerweise muss man sich als mehr oder weniger frequentiert Schreibender hin und wieder etwas Neues einfallen lassen, um den geschätzten Leser nicht mit der immer gleichen Einleitung zu langweilen. In dieser Hinsicht kommt ein zu semi-musikwissenschaftlichem Kalauer anstiftender Bandname wie der vorliegende äußerst gelegen - zumal sich darin eine fundamentale Eigenschaft des besprochenen Werks verbirgt.

Da "Chronicles Of Decay" nach der 2018 veröffentlichten EP "Sadistic Parasite" das erste Lebenszeichen der SOUL GRINDER ist, dürften sich die meisten noch nicht allzu viel unter ihrem Namen vorstellen können. Doch wie so oft in diesem Genre genügt ein flüchtiger Blick auf das Artwork und die Marschrichtung wird schlagartig klar. Die aus der Feder von Mark Riddick - dem Künstler hinter zahlreichen Logos und Artworks von VARATHRON, REVEL IN FLESH, CENTINEX, u.v.m. - stammenden Zombies röcheln unvermehrt die Vokabel "Death Metal" heraus...doch ist das gefühlt 12478921te Startup (seit Ostern. 2020.) in diesem Metier noch hörenswert und wenn ja, warum?

Klarer Fall!

Klare Frage, klare Antwort: aber unbedingt! Aus dem simplen Grund, dass der Inhalt dieses schwarzen Wundertütchens einfach hält, was sein Äußeres verspricht. Zunächst einmal liefern SOUL GRINDER standesgemäße und sehr vergnügsame Genrekost, die man auf Anhieb inhalieren kann. Flinte laden, Abzug kitzeln, ein kurzes "Klick & Bumm" und los geht's mit der fröhlichen Schädelei und einem ungeniert brutalen Opener namens "Infernal Suffering" [Anm. d. Verf.: wer dabei leidet, ist selbst schuld]. Neben der grundsätzlich sehr ansprechenden Machart der Songs macht sich die Truppe besonders in puncto Abwechslung einen guten Namen. Natürlich beherrschen sie die urtypischen Rollo-Riffs, wie sie mehr oder weniger jede Death-Metal-Band sowie einige der grimmigsten Thrash-Schmieden spielen, aus dem Stegreif und setzen sie entsprechend regelmäßig ein. Doch sie versteifen sich nicht auf das bekannte Stur-nach-Vorschrift-Geholze und legen fast genauso häufig scharfe Thrash-Rhythmen aufs Parkett. In "Ruins Of Existence" oder "Hymn Of Death" geht es sogar (für OSDM-Verhältnisse) ausgesprochen verträumt zu. Zudem gibt sich kein Song mit nur ein oder zwei Riffs ab. Vielmehr verweben sich die besagten Trademarks immer zu einem mehr oder weniger komplexen Dickicht, ohne dabei den Durchblick zu gefährden. Auch die Beats gestalten sich entsprechend variabel und können mehr als die stumpfe Modulation hochfrequenter Blasterei. Letztgenanntes wird dennoch ausgiebig und sinnvoll angeordnet praktiziert - wäre auch schlimm, wenn nicht.

Neben dem gekonnten Songwriting bereitet besonders der Sound, den die Band wohlgemerkt in Eigenregie zusammengezimmert hat, Freude. Das Rückgrat bilden die schneidenden Gitarren, die eine ganz eigene Effektnote finden und dabei wie die berühmte Wall Of Sound die Gehörgänge durchspülen. Die Schießbude bleibt, und das ist heutzutage die Kunst, trotz aller Wucht und Durchschlagskraft in der Axtschmiede sehr erdig und natürlich. Die leichte Einbüßung in der Härte (verglichen mit den Gitarren) nimmt man zugunsten des authentischen Klangs gerne in Kauf. Alles in allem eine sehr runde Sache.

Wie die Nadel im Heuhaufen!

Auf dem Plateau des röhrenden Elchs gibt es viele alte Hasen, viele Neueinsteiger und ebensoviele Schattengestalten. Den zahlreichen Releases ein Ohr zu leihen, dabei den Durchblick zu behalten und den - ganz egal aus welchem Grund (es müssen nicht immer die guten Platten sein) - relevanten Alben in einer Bewertung gerecht zu werden, ist manchmal schlichtweg Glückssache. Deshalb ist man stets erfreut, wenn man einen so ausgereiften und vielversprechenden Einstieg wie "Chronicles Of Decay" vor die Flinte bekommt. Das ist in Anbetracht der erfahrenen Mannschaft zwar grundsätzlich nicht verwunderlich (Drummer Balrogh kennt man bspw. als langjährigen ASENBLUT-Taktgeber), aber keineswegs selbstverständlich. Horns up!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (01.07.2020)

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