THE GHOST INSIDE - The Ghost Inside

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VÖ: 05.06.2020
Bandinfo: The Ghost Inside
Genre: Hardcore
Label: Epitaph Records
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Lineup  |  Trackliste

"Today I Woke Up To A Brand New Me. I Know I Can't Rewrite History. Yesterday Is Gone And I'm Ready For What Tomorrow Brings." Besser kann man das "Comeback" von THE GHOST INSIDE kaum umschreiben, das der ersten Single "Aftermath" entspringt. Ungefähr sechs Jahre sind seit dem letzten Longplayer vergangen, doch die Jungs sind in keiner Sekunde in Vergessenheit geraten. Im Jahre 2015 ereilte die Band ein düsterer Tag, als sie gerade mit dem Tourbus zur nächsten Show unterwegs waren und mit einem LKW kollidierten. Beide Fahrer waren jeweils sofort tot und die Band überlebte mit teils sehr schweren Verletzungen. Drummer Andrew verlor in der Folge sein Bein und für den ein oder anderen folgten längere Reha-Phasen. Sänger Vigil musste das Gehen zum Beispiel neu erlernen, nachdem er sich beide Knöchel gebrochen hatte. Wer hätte also daran geglaubt, dass die Jungs sich SO ins Leben zurückkämpfen und uns mit ihrem neuen Selftitled Werk eine Message überbringen, die all das verarbeitet und gleichermaßen das Leben feiert. 

Der Wille, zu leben!
THE GHOST INSIDE möchten uns mit ihrem ersten Werk seit fast sechs Jahren nicht den Unfall schildern, der die Jungs ereilte, nein. Es geht viel eher darum, wie die Jungs als Menschen durch diese durchaus schwere Zeit gegangen und bedeutsam gewachsen sind. Sowohl als Individuem, aber eben auch als Einheit. "1333" beginnt passenderweise mit einem tosenden Drum-Solo von Andrew, was sofort verdeutlicht, dass TGI nicht als Trauerkloß, sondern mit voller Wucht und Energie ins Album starten. Das kurze Intro kickt uns mit fetzigem Übergang in den Opener "Still Alive" rein, der schnell an Tempo gewinnt und in der Bridge mit fetten Gangshouts arbeitet, die sich auch auf die eingängige Hook übertragen, wo förmlich rausgeschrien wird "Wir leben noch!". Ein emotional ergreifender Beginn, der aber gerade soundtechnisch Energie verbreitet und viele tolle Tempowechsel abarbeitet. gegen Ende ein fetter Breakdown mit der vielsagenden Zeile "This Is The New Sound Of Sacrifice!". Wow... "The Outcast" behält das Power-Level des Openers bei, begibt sich aber gerade im Chorus in melodischere Gefilde mit den seichten Background-Cleans, die die Screams perfekt ergänzen. Wer die Jungs schon länger verfolgt, der weiß darum, dass in der Vergangenheit das ein oder andere Mal die Cleans von Jeremy McKinnon (A DAY TO REMEMBER) übernommen wurden und einen ähnlichen Vibe versprüht es auch hier, wobei sich Jonathan Vigil mittlerweile ja selbst an Cleans versucht. Gerade bei den zwei absoluten Ohrwürmern der Platte, "Overexposure" und "Once Choice" funktionieren die Cleans bestens und laden zum mitgrölen ein. Ersterer bildet gerade in den Strophen ein brutales Gerüst, das auf sehr solidem Grund steht. Die Hook lebt dann aus einer Mischung von Cleans und Screams, was insgesamt eine wunderbare Harmonie und den wohl größten Ohrwurm der Scheibe markiert. "One Choice" "verläuft" sich sogar teils in Pop Punk Gefilden, was am Riffing und dem komplett in Cleans vorgetragenen Chorus deutlich wird. Auch hier hieven TGI sich selbst auf ein Energielevel, für das ich nur Bewunderung aussprechen kann. Zeilen wie "I Won't Bend, I Won't Break Through the Darkest Of Days" berühren und umschreiben die Kernaussage dieses Albums perfekt: Wir leben, wir kämpfen und wir geben nicht auf! Gegen Ende überraschen mich THE GHOST INSIDE noch mit dem sehr melodischen "Begin Again", das fast schon verträumt und melancholisch wirkt. Gerade Die Leadmelodie erzeugt Gänsehaut und geht unter die Haut. In der Hook wird nach den schnellen Strophen vom Gas gegangen, um uns mit auf diese träumerische Reise zu nehmen, die Kraft erfordert, aber auch ganz viel Stärke ausstrahlt! "Aftermath" ist tatsächlich sogar noch vor dem eigentlichen Unfall entstanden und doch hat es all das, was diesen steinigen Pfad umschreibt und dem Hörer unmissverständlich klar macht, dass es nicht immer ein Happy End geben kann, das Leben aber dennoch wertvoll und wunderschön ist. "The Beat Goes On..."

Was bleibt, sind größter Respekt und Anerkennung
Klar, jetzt könnte man dem ein oder anderen Rezensenten schnell Mitleidsbonus unterstellen, doch THE GHOST INSIDE waren schon immer gut in dem, was sie fabriziert haben. Dieser Weg über fast sechs Jahre hinweg hat die Band geprägt, stärker zusammengebracht und mit einer Energie ausgestattet, die selbst die vergangenen Releases übertrifft. Wer aus so einer Lage heraus wie Phönix aus der Asche emporsteigt und uns eine derart starke Message näherbringt, der verdient große Anerkennung. Dieses Album, dessen Artwork übrigens aus ganz vielen Bildern von Fans und deren TGI-Tattoos besteht, ist eine Ansage an das Leben. Genießt das Leben, macht weiter und gebt niemals auf!
 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Sonata (10.06.2020)

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