GRAVE DIGGER - Fields Of Blood

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VÖ: 29.05.2020
Bandinfo: Grave Digger
Genre: Heavy Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Wer gräbt, der sündigt nicht.“ - so oder so ähnlich hätte einmal der Leitsatz der Gladbecker GRAVE DIGGER, die heuer ihr 40-jähriges (!) Jubiläum feiern, lauten können, wenn ihnen nicht so manche fragwürdige Karriere-Entscheidungen dazwischengefunkt hätten oder man sich zuletzt, also ganz speziell auf das mäßig unterhaltsame "Healed By Metal" und die biedere Zombie-Liebedienerei "The Living Dead" bezogen, einfach etwas mehr Zeit für musikalische Publikationen gegeben hätte. Kürzlich meinte man im Überschwang an jugendlichem Leichtsinn gar drohend, man würde dann, wenn sich an der Covid-19-Situation nichts änderte, jedes Jahr ein neues Album schreiben [Anm. d. Lekt.: In Deckung!] - eine zweifelhafte Ehre, die uns dann zuteil würde? Doch genug der frotzelnden Lästereien, denn wenn es bisher eine verlässliche Konstante, nein, einen unstreitigen Erfolgsgarant im Gartenschuppen der Grabesgräber gab, dann ist das selbstredend die konzeptionelle Verarbeitung der schottischen Historie, die ihnen mit "Tunes Of War" wohl einen der größten Erfolge der Karriere bescherte. Warum ich das überhaupt erzähle? Weil man nach dem gutklassigen "The Clans Will Rise Again" (2010) in Kürze ein zweites Mal dorthin zurückkehrt - mit "Fields Of Blood", dem 19. Studioalbum.

War das vorhersehbar? Möglicherweise. Muss das sein? Nunja, Jubiläum und so. Die Jahre haben schon ihre Spuren hinterlassen, aber wenn man das kitschige Balladen-Duett "Thousand Tears" mit Chris' berüchtigten Denglisch-Skills und der BATTLE BEAST Amazone Noora Louhimo (das RUSSKAJA-Feature des Vorgängers war wesentlich übler) ausblendet, ist "Fields Of Blood" ein durchweg gutes Spätwerk - und immerhin bleibt jedem Hörer eine SANTIANO-Kooperation, die zu den Seemannschören von "Lions Of The Sea" gepasst hätten, erspart. Nein, ernsthaft, man wird nach dem charakteristischen Sackpfeifen-Intro mit "All For The Kingdom" und insbesondere dem flotten "Freedom" nicht nur schwungvoll auf die Insel begleitet, sondern darf dort auch dem rege-morbiden Schauspiel auf dem Schlachtfeld beiwohnen, was übersetzt so viel bedeutet wie: "Fields Of Blood" geht trotz der Dudelsäcke und der üblichen Hymnen (das stampfende "The Heart Of Scotland" und das melodischere "Union Of The Crown") zumeist sehr zünftig zur Sache, galoppiert mit dem Protagonisten im Dschingis-Khan-Rhythmus zu seinem letzten Kampf oder schart hochmotiviert die Clans um sich. Selbst der titelgebende Longtrack mitsamt seinem epischen Outro "Requiem For The Fallen" wurde überraschend gut umgesetzt und schlägt den neuerlichen History-Wälzer stimmungsvoll zu, ehe man ihn sich genau an der Stelle in das heimische Regal einsortieren kann, an der das geistige Auge ein wohlwollendes: „Kann man durchaus mal wieder hören, wenn man Lust auf eine ausgiebige Geschichtsstunde mit diversen Alben von GRAVE DIGGER hat“ ablesen kann. Zumal das Cover vom russischen Künstler Alexander Tartsus einiges hermacht.

Sicherlich, auch zu "Fields Of Blood" werden sich Nörgler und Romantiker zum geifernden Stammtisch verabreden und bei einigen alkoholhaltigen Kaltgetränken über dem Pegel davon schwadronieren, dass ihre höchst erlesene Sammlung spätestens ab "The Grave Digger", allerspätestens aber ab "Rheingold" endet, aber GRAVE DIGGER hatten auch im neuen Jahrtausend einige unterhaltsame Phasen und Alben, die eben genau das bedienen, was die Band ausmacht. Und auf "Fields Of Blood", das trotz minimaler Schwächephasen zweifelsohne zu den besseren Digger-Werken ebenjenen Jahrtausends gezählt und damit den weniger empfindlichen Fans der Band schlussendlich auch empfohlen werden kann, scheint es manchmal gar so, als hätten ausgerechnet die Highlands mal wieder ihre, ja, eh, nun... heilende Wirkung auf GRAVE DIGGER ausgeübt. Alles Gute zum Geburtstag!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (26.05.2020)

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