HÄLLAS - Conundrum

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VÖ: 20.03.2020
Bandinfo: HÄLLAS
Genre: Art Rock
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Als Adventure Rock bezeichnen die fünf Schweden von HÄLLAS (hat nix mit den Griechen zu tun!) ihre Musik. Die bisherige Reise der Band von der selbst betitelten Debüt-EP über das grandiose Zweitwerk "Exerpts From A Future Past" bis hin zum nunmehr vorliegenden Abschlus die Album-Trilogie, dem aktuellen Output "Conundum", ist in der Tat ein musikalisches Abenteuer gewesen. 

Dominierte 2015 auf dem Erstling noch eine Mischung aus Proto Metal und Verweisen auf die Anfangszeit der NWOBHM, gepaart mit teils orgelnden, teils sphärischen Synthesizern und einem recht rauen, analog Soundgewand, so reduzierten HÄLLAS den Härtegrad der Musik schon auf dem Nachfolger in nicht unbeachtlichem Maße und fügten weitere Stilelemente von Art über Prog bis hin zum Space Rock in ihr Klanggefüge ein. Die Stücke wurden epischer, behielten aber stets einen sehr eingängigen Charakter. Mit "Star Rider" und "Repentance" hatte man zwei richtige Hits an Bord.

Nun also "Conundrum". Als Rezensent befindet man sich hier mal wieder in einer perfekten Zwickmühle. Schon beim ersten Durchlauf der Scheibe schießen die Gedanken an Zitate, Vergleiche und verwendete Stilmittel duch den Kopf wie Pilze aus dem Boden. Und da beginnt auch gleich das Dilemma. Führt man zu viele Vergleiche zu anderen Formationen und musikalischen Ausrichtungen auf, läuft man Gefahr, dem musikalischen Schaffen der Band (ungewollt) die Eigenständigkeit abzuprechen. Anderseits möchte man dem Leser und potentiellen Hörer natürlich möglichst genau beschreiben, was ihn auf dem besprochenen Album erwartet. Aus diesem Grund vorab in aller Deutlichkeit, mit all den Zutaten, die sie verwenden, kreieren HÄLLAS eine vollkommen ureigene Welt, ein Paralleluniversum, in dem Zeit keine Rolle spielt, die Hektik und der Stress unserer Tage außen vor bleiben.

Natürlich ist auf "Conundrum" Retro angesagt. Analoger, warmer, zuweilen vor Leichtigkeit schwebender Sound erwartet den Hörer. Geblieben sind die catchy Melodien, die tollen Twin Gituars (leider oft zu sehr im Hintergrund), die Space Rock Anleihen und die einzigartige Stimme von Tommy Alexandersson. Die Synths haben an Dominanz gewonnen, die Stücke sind noch epischer geworden. Aber auch in Punkto Progressivität haben HÄLLAS mächtig zugelegt. Immer wieder finden sich verspielte und leicht frickelige Passagen. Und um dann doch ein paar Namen ins Spiel zu bringen, die unüberhörbar bei der Verwirklichung von "Conundrum" Pate gestanden haben - der Geist früher WISHBONE ASH ("Argus"/"Pilgrimage") schwebt über dem gesamten Album, genauso wie die Klangwelt der begnadeten ASHBURY. RUSH manifestieren sich in den progressiven Parts. Direkt an SURVIVER erinnert fühlt man sich dagegen beim fast neunminütigen Album-Closer "Fading Hero".

Als erste Single wurde das Stück "Tear Of A Traitor" ausgewählt, dem gemeinsam mit der zweiten Auskopplung "Carry On", die Ehre des Album-Hits gebührt.

Das unumstrittene Album-Highlight stellt allerdings "Labyrinth Of Distant Echoes" dar. Bereits die ersten dreißig Sekunden sind zum Weinen schön. Nur der reine, innige Gesang, unterlegt von dezenten, sphärischen Synthesizer-Klängen - Gänsehaut pur! Was folgt, ist ein siebenminütiges episches Meisterwerk, voller Facetten und mit einer unglaublich starken, progressiven zweiten Hälfte.

Fazit:

HÄLLAS gehen auch auf "Conundrum" unbeirrt ihren eigenen Weg. Das Album in seiner Gesamtheit strahlt eine musikalische Schönheit aus, mit der schon der Vorgänger zu überzeugen wusste. Ein Teil des Konzeptes der Schweden scheint die kontinuierliche (Weiter)Entwicklung zu sein. Nichts bleibt, wie es ist. Immer wieder gibt es neue Facetten zu entdecken, führen Sounds auf von HÄLLAS bis dato unbetretene Pfade. Wichtig für den Genuss der aktuellen Scheibe ist vor allem Zeit. Die heute so viel beschworene Entschleunigung ist für die ungetrübte Rezeption von "Conundrum" eine zwingende Voraussetzung. Erst dann kann man sich voll und ganz fallen lassen, in das HÄLLASsche Universum eintauchen und pures Glück in dieser (Klang)Welt erleben.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (19.05.2020)

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