SCHAMMASCH - Hearts with no light

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VÖ: 08.11.2019
Bandinfo: SCHAMMASCH
Genre: Black Metal
Label: Prosthetic Records
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Lineup  |  Trackliste

SCHAMMASCH aus der Schweiz sind Hoffnungsträger aus dem anspruchsvollen Segment des Black Metal-Zirkus. Hier rumpelt nichts grob vor sich hin. Es gibt auch keine satanischen Plattitüden, sondern ein düsteres, schwarzes Gebräu aus Atmosphäre, Intellekt und Schwarzmetall. SCHAMMASCH sind dabei manchmal schwer zu begreifen. Doch der Ritualcharakter ihrer schwarzen Messen ist auch reizvoll und interessant trotz (oder vielleicht gerade aufgrund?) der schwer fassbaren Natur des Gehörten. Dies lässt sich auch auf "Hearts Of No Light" nachhören. Denn auch da verfolgen SCHAMMASCH konsequent ihre Linie: Eine unglaubliche Vielfalt an vokalistischen Elementen, epische Ambient-Teile, zerstörende Black Metal Riffs und immer wieder eingesetzte Pianoklänge sind nur einige Beispiele für die vielen vorherrschenden Komponenten.

Um nun die Vielseitigkeit des Dargebotenen deutlich zu machen, wähle ich an dieser Stelle ein paar Aspekte dieser schwarzen Messe aus: So ist zum Beispiel "Qadmon´s Heir" einer der Höhepunkte des Albums. Zu Beginn dominiert der Black Metal mit seinen klirrenden Riffs. Doch dann entfaltet sich der Ritualcharakter und das Tempo wird gedrosselt. Tatsächlich gibt es sogar klare Vocals zu hören, die mich subjektiv sogar an Matt Barlow in seinen düstersten Momenten erinnern.

"I Burn With You" ist ein verrückter, chaotischer Bastard von einem Song, der zu Beginn nach vorne prescht, in weiterer Folge aber großes Chaos verursacht und den Hörer etwas erstaunt und bisweilen auch verwirrt zurücklässt.
Bei "A Paradigm Of Beauty" wird es theatralisch. Nach einem langen, bedrohlich klingenden Intro wird der Song sehr abwechslungsreich. Klargesang setzt ein, ein fast an Classic Rock angelehntes Solo ist zu hören. Der gesamte Song ist etwas seltsam, aber auch sehr interessant und reizvoll. Der Gedanke des Hörers dabei: "Diese namenlosen Kuttenträger trauen sich was."
Was man hier kredenzt bekommt, ist vertonte, düstere Philosophie. Die Texte klingen wie eine philosophische Abrechnung des Individuums, sowohl mit seinen eigenen Gedanken als auch mit der Welt, in der sich jenes Individuum befindet.

Manchmal geht man dabei sehr weit an die Grenzen des Verständlichen. Ein Beispiel dafür: Der abschließende Track "Innermost, Lowermost Abyss" ist ein 15-minütiges Intermezzo, bei dem man die meiste Zeit davon auf einen eindringlichen Song wartet. Aber de facto ist dies eine Reise durch unterschiedliche Klangwelten, die einen sogar in flamencoeske Gefilde führt. Das kann man mögen, nein sogar lieben. Man kann damit aber auch überfordert sein. Oder mit anderen Worten: Dies ist sehr authentisch, künstlerisch auch sehr wertvoll. Aber an mancher Stelle geht die Songdienlichkeit etwas verloren, bzw. wird der Song auch mal von der Stimmung und der Atmosphäre erdrückt.

Aber eines wird beim Hörgenuss deutlich: Der Überraschungseffekt bleibt hier evident. Man weiß nie, was einen erwartet, wenn man sich SCHAMMASCH anhört. Und es scheint egal zu sein, welchen Brocken man dem Hörer zum Fraß vorwirft: Es macht im SCHAMMASCH-Kosmos Sinn und klingt authentisch.Was man aber auch festhalten muss: Das ist Musik für eine klar definierte Zielgruppe. Im Black Metal von "Massen" zu sprechen wäre per se merkwürdig. Doch auch nicht jeder Freund dieses Segments wird eine Freude mit SCHAMMASCH haben. Für Liebhaber von komplexeren Klanglandschaften ist "Hearts Of No Light" aber eine Sünde wert. 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: El Greco (19.05.2020)

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