VOODOO GODS - The Divinity Of Blood

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VÖ: 15.05.2020
Bandinfo: VOODOO GODS
Genre: Death / Thrash Metal
Label: Reaper Entertainment Europe
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Die in Tampa, Florida angesiedelte Extremformation VOODOO GODS erlangte bisher noch nicht die Aufmerksamkeit unserer wachsamen Redaktion, ist aber gleichwohl ein alter Hase im Geschäft. Gegründet 2001 als SHRUNKEN HEAD, blieb die Band zunächst über Jahre veröffentlichungsarm und veröffentlichte erst 2008 ihre erste EP "Shrunken Head". Auch bis heute zieht die zuweilen höchst prominente Mannschaft der Gründungsmitglieder Seth van de Loo und Alex Voodoo eher geduldsame Hörer an, denn immerhin liegen zwischen besagter EP, dem Debutalbum "Anticipation For Blood Leveled In Darkness" und dem hier besprochenen Nachfolger "The Divinity Of Blood" jeweils sechs Jahre Funkstille. Interessant ist hierbei, dass das Lineup des Erstwerks nur durch die Übergabe der Leadklampfe von David Shankle (ex-MANOWAR) an Victor Smolski (ALMANAC, ex-RAGE) verändert wurde.

Wer sich weitergehend mit der Band beschäftigt, findet in der Liste ihrer ehemaligen Mitstreiter weiter Tony Norman (ex-TERRORIZER, ex-live-MORBID ANGEL), Mike Browning (NOCTURNUS AD, ex-MORBID ANGEL, uvm.) sowie last but not least Nergal (BEHEMOTH, ME AND THAT MAN). Man kann den VOODOO GODS also durchaus den Charakter einer Supergroup attestieren. Passend dazu war mein erster Gedanke nach dem flüchtigen Überfliegen der Promoinfos "Nice - wenn der Corspegrinder und Victor Smolski zusammen in die Schlacht ziehen, kann ihnen eigentlich nur noch der berühmte Supergroup-Effekt in die Quere kommen".

Warum "Supergroup-Effekt"? "Normale" Bands und die Personalien dahinter rufen eine gemeinsame musikalische Vision ins Leben und entwickeln diese auf ihre individuelle Art und Weise weiter. Mitglieder kommen und gehen, die Band-Identität evolutioniert mehr oder weniger stark und es gibt einen irgendwie gearteten roten Faden. Bei Supergroups hingegen treffen oft Musiker zusammen, die sich vorab mit anderen Bands einen Namen gemacht haben und damit für ihre Qualitäten berühmt und dementsprechend "vorbelastet" sind. Wo es am Ende häufig hakt, ist, dass die Qualitäten der "zusammengewürfelten" Charaktere oft nicht miteinander harmonieren wollen und am Ende schlimmstenfalls halbgare Releases mit reichlich Namedropping ins Rennen geschickt werden.

Vom letztgenanntem Supergau ist das Zweitwerk der VOODOO GODS freilich weit entfernt, doch lassen sich gewisse Spuren besagter Effekte nicht gänzlich leugnen. Natürlich muss ein Corpsegrinder von seinem markanten Organ Gebrauch machen und auch ein Victor Smolski würde sich dem Vorwurf musikalischer Kastration konfrontiert sehen, wenn er nicht seine unbestreitbar überirdischen Fertigkeiten an der Gitarre unter Beweis stellen würde. Aber können - um nur ein markantes Beispiel zu nennen - melodische High-End-Flitzefingersoli in einem brutalen Death-/Thrash-Gefüge funktionieren? Zumindest mein altes, einfach gestricktes Hirn fühlt sich dabei gelegentlich verwirrt. Die Soli des Virtuosen sind natürlich genial, aber passen für mein Gehör vielmehr in die Heavy- und Power-Metal-Ecke als in den extremen Bereich. Dazu duettiert der Corpsegrinder mit Seth van de Loos blackigen Vocals und der Death / Thrash Metal trifft vermehrt auf genrefremde Einflüsse (z. B. "From Necromancy To Paraphilia"), wodurch weitere, scharfe Kontraste geschaffen werden. Die markanten Umbrüche, die auch innerhalb der Songs erfolgen, lassen die gefühlten Grenzübergänge zwischen den Songs und die reale Trackliste verschwimmen.

Am Ende wäre es aber vermessen, die vielen stilistischen Farbkleckse, die das Album auf seine Weise besonders machen, übermäßig hochzustilisieren. Über weite Strecken regieren bei den VOODOO GODS der Death und Thrash Metal mit eiserner Kriegskeule und lassen die gewohnte Professionalität der Akteure nicht vermissen. Aber reicht diese vom Grundsatz her lobenswerte Eigenschaft alleine aus? Die von innerer Chemie bestimmte Wahrnehmung mag in höchstem Maße subjektiv sein, aber was diesen Punkt anbelangt, will "The Divinity Of Blood" auch nach mehrmaligem Hören nicht mit Vollgas durchstarten.

Zu guter Letzt ist der Sound sauber und überzeugt mit voluminösen Gitarren und dem Verzicht auf allzu klinische Drums. Man wird es ja zugegebenermaßen leid, diese produktionstechnische Eigenheit immer wieder zu thematisieren und manchmal gibt man sich schon damit zufrieden, wenn man sich mit dem Drumsound nicht die Füße entpilzen kann. Insofern gibt es hier doppelten Grund zur Freude, dass man die Produktion als gelungenes Werk würdigen kann. Aber trotzdem - zumindest mir fehlt an der Sache das letzte Quäntchen Nitro, um meinen Abschädel-Motor auf Hochtouren zu bringen. Vielleicht haben aber auch einfach Interpreten ihre Voodoopuppe versehentlich auf meinen Nachbarn angesetzt...von daher: testet's einfach selbst!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (11.05.2020)

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