WARBRINGER - Weapons Of Tomorrow

Artikel-Bild
VÖ: 24.04.2020
Bandinfo: WARBRINGER
Genre: Thrash Metal
Label: Napalm Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Die Frage, was wohl die Waffen der Zukunft sein würden, mit denen sich die Menschheit selbst vom Planeten Erde tilgt, ist nicht nur eine Frage, die sich Wissenschaftler bzw. Experten aus aller Welt in den letzten Jahren vermutlich oft genug gestellt haben dürften, sondern auch eine Frage, die die Krone der Schöpfung seit Anbeginn ihrer Zeit regelrecht zu umtreiben scheint. Zu dieser Riege zählen sich die Thrash-Veteranen WARBRINGER mit ihrem neuen Album "Weapons Of Tomorrow" nun zwangsläufig auch, wobei darauf, wie vom leitenden Sänger und Lyriker John Kevill gewohnt, eine von kritischen Untertönen infiltrierte Auseinandersetzung mit derartigen Themenkomplexen zu eruieren ist, was wiederum natürlich auch (oder deshalb erst recht) zu einem forsch gewagten Ausblick in ebenjene Zukunft berechtigt.

Gut, "Firepower Kills" mag in dieser Causa nun keine gänzlich neuartige, hochaktuelle oder gar bahnbrechende Enthüllung sein, doch lohnt sich das Lesen zwischen den Zeilen an vielen anderen Stellen durchaus, wenn es da z.B. in "Glorious End" um einen namenlosen Soldaten geht, der den Kampfhandlungen anfangs geradezu vorfreudig entgegenblickt und später desillusioniert dem brutalen Ende gegenübersteht: „Then I watched my brothers perish. Consumed by the smoke. Faces twist in agony. Clutching ruined throats. As I die among so many. My name is lost in the crowd. As I'm spitting out my lungs. My father, are you proud? Truly a Glorious End...“ Speziell an diesem Songbeispiel kann man übrigens auch die Reifung von WARBRINGER und ihrem Songwriting förmlich greifen, denn nach einer furiosen Thrash-Kanonade klingen jene zitierten Zeilen untermalt von anklagenden Vocals und kummervollen Harmonien aus.

"Weapons Of Tomorrow" ist aber auch instrumental eine Naturgewalt, die sich nachhaltig einprägt und damit keinen Deut schlechter als der Vorgänger "Woe To The Vanquished" abschneidet. Im Gegenteil: Ähnlich wie schon TESTAMENT auf "Titans Of Creation" lassen auch WARBRINGER ihren zehn neuen Songs mehr Zeit, agieren dabei aber sowohl auf gewohntem Terrain merklich zielstrebiger als auch in den Experimenten erfolgreicher. Die charakteristischen Thrash-Projektile beispielsweise forcieren sich präzise und geradlinig in das Schädelzentrum ("Firepower Kills", "Unraveling" und "Crushed Beneath The Tracks" z.B.), die Grooves switchen von extatischen Circle Pits zum klassischen Headbanging ("The Black Hand Reaches Out" und "Power Unsurpassed") und die risikofreudigeren Abschnitte implementieren Einflüsse aus Black und Power Metal ("Heart Of Darkness" und "Defiance Of Fate") oder lassen Ansätze von progressiven Songstrukturen erkennen ("Notre Dame (King Of Fools)"). Damit erreicht man zwar nicht ganz die Klasse eines Longtracks wie "When The Guns Fell Silent", doch dafür ist das Album im Gesamtkontext noch konsequenter und in seiner Qualität einheitlicher.

Als ich oben von „Thrash-Veteranen“ schrieb, musste ich kurz innehalten, weil Erinnerungen und Release von "War Without End" (2008) noch gar nicht so lange zurückliegen. Doch haben WARBRINGER etwas geschafft, was vielen Akteuren des damaligen und auch heutigen Oldschool-Thrash-Flügels einfach verwehrt blieb oder bleibt: Sie haben relativ zügig ihre eigene Identität gefunden und konnten sich somit von den Copycats abheben. Wenn man so will, ist "Weapons Of Tomorrow" trotz minimaler Abzüge bei den Haltungsnoten ("Power Unsurpassed" steigt gegenüber der Single-Version im Gesamtbild zwar etwas auf, bleibt aber dennoch etwas zahm zurück) die zu diesem Zeitpunkt absolute Zuspitzung dieser positiven Entwicklung. Sollte dieses Line-Up bestehen bleiben, stehen die Chancen ziemlich gut, dass sich WARBRINGER spätestens mit dem kommenden Album ihren eigenen Klassiker schreiben werden. "Weapons Of Tomorrow" jedenfalls ist verdammt nahe dran und sollte nicht nur des blickfängerischen Andreas-Marschall-Covers wegen in der heimischen Thrash-Kollektion landen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (27.04.2020)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Pulse
ANZEIGE