AXEL RUDI PELL - Sign Of The Times

Artikel-Bild
VÖ: 08.05.2020
Bandinfo: AXEL RUDI PELL
Genre: Melodic Hardrock
Label: SPV / Steamhammer
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Keine Frage, AXEL RUDI PELL ist erfolgreich wie Bolle, schafft es seit rund 20 Jahren immer wieder in die Charts und geht diesen für ihn goldenen Weg weiter. Die Coronakrise wird daran nichts ändern, auch wenn die Veröffentlichung des neuen Albums „Sign Of The Times“ um ein paar Tage verschoben wurde und auch die dazugehörige Tour auf 2021. Und keine Frage, das 18. Studioalbum wird die Anhängerschaft der Band beglücken, neue Fans aber kaum überzeugen. Ganz einfach, weil inzwischen jeder Fan von Hard Rock oder Metal wissen sollte, wie AXEL RUDI PELL klingen und sich an dem Grundschema null Komma nix geändert hat. Also entweder kann man damit etwas anfangen, oder halt nicht.

Aus Fansicht könnte man am neuen Machwerk kritisieren, dass die typischen beschwingten Up-Tempo-Songs diesmal mit Ausnahme von „Gunfire“ gar nicht vorkommen. Schade, denn schnellere Songs können die Jungs einfach überdurchschnittlich gut, wie der besagte Track erneut zeigt (ganz groß auch das ellenlange Gitarrensolo). So mangelt es in puncto Geschwindigkeit etwas an Abwechslung, Mid-Tempo ist Trumpf oder es geht gar noch langsamer voran, wie bei der routiniert-professionellen, aber ziemlich schablonenhaften Ballade „As Blind As A Fool Can Be“.

Statt Tempo oder Double-Bass gibt’s viel Hammond-Orgel-Gegurgel. So etwa bei „Wings Of The Storm“, das im Mid-Tempo vor sich hinwabert, ohne einen echten Aha-Moment. Auch das epische Titelstück ist ganz nett, aber fällt im Vergleich zu den vielen Ohrwurm-Songs in der Historie der Band massiv ab. Erfreulicher, weil nicht ganz so nach Alt-Herren-Rock, klingen der etwas flottere Rocker „The End Of The Line“ und das lebensbejahend tönende „Bad Reputation“ (übrigens kein Eigen-Cover), das sich sicher gut bei Autofahrten machen wird. Hits sind das aber beides auch nicht.   

Bei „Waiting For Your Call“ kann man dem Promo-Zettel schlecht widersprechen, auf dem behauptet wird, bei dem Song zeige Johnny Gioeli seine beste Gesangsleistung. Das stimmt schon und das hebt auch das Niveau des Tracks. Insgesamt mangelt es dem Album aber an tollen Einfällen, die man auch innerhalb eines relativ engen musikalischen Korsetts haben kann. Das merkt man bei „Living In A Dream“, das so mehr oder weniger die Ausnahme von der recht uninspirierten Suppe darstellt: Zu Beginn gibt’s einen Reggae-Rhythmus (!), dann schwenkt der Song in einen beschwingten Rocker um, der von einem massiven Keyboard-Teppich getragen wird. Auch das finale „Into The Fire“ weiß mehr zu kicken als die meisten anderen vorherigen Nummern: Das Gitarrenlick zu Beginn (und dann immer mal wieder im Song auftauchend) ist schlichtweg genial. Ansonsten kann die epische Melodie des Refrains und das Arrangement mit sich steigerndem Tempo klar überzeugen.   

Unterm Strich werden Fans der Gruppe dem Bandkopf Axel nicht nur zu seinem 60. Geburtstag in diesem Jahr gratulieren, sondern sicherlich auch zu „Sign Of The Times“, das sich textlich zur Abwechslung weniger mit mythischen Themen auseinandersetzt, als viel mehr mit aktuellen Dingen wie etwa dem politischen Weltgeschehen. Denn schwach ist dieses Album nicht, dafür gibt es zu viel Gutes zu hören. Wenn man aber das bisherige Schaffen der Band kennt, kommt man nicht umhin, festzustellen: So richtig pralle ist das über die gesamte Spielzeit nicht. Da gab es schonmal mehr Ohrwürmer. Stattdessen zu viel Durchschnitt, zu viel Schablonenhaftes, zu wenig wirklich gute Ideen. Also ordentliches Mittelmaß mit ein paar Höhepunkten.

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Tobias (02.05.2020)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: PRIMAL FEAR - Metal Commando
ANZEIGE