ELECTRIC POISON - Live Wire

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VÖ: 06.05.2020
Bandinfo: ELECTRIC POISON
Genre: Heavy Metal
Label: Doc Gator Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Viele metallische Traditionalisten machen nach wie vor einen großen Bogen um die globale Kommunikation beherrschende Datenkraken wie Facebook. Allerdings beweist eine der größten deutschen genreaffinen Communities des sozialen Netzwerkes, die Gruppe "Heavy Metal Fans", dass man Facebook durchaus auch kreativ und intensiv nutzen kann, um Metal zu zelebrieren, und in unserer heutigen, ichbezogenen Gesellschaft fast verloren geglaubte Werte wie Freundschaft, Empathie, Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit und natürlich nicht zuletzt einfach die gemeinsame Liebe zur harten Stromgitarrenmusik wirklich zu leben (barfuß laufen ich und meine dosenbiertrinkenden Freunde durch taunasse Wiesen und hören MAYHEM - der Handschlag)! Aus dieser Gruppe heraus gründete sich 2017 das Schweizer Label Doc Gator Records, das im letzten Jahr durch die Veröffentlichung des Debütalbums der indischen Metal-Exoten AGAINST EVIL und der damit verbundenen (durch die "Heavy Metal Fans" Facebook Communtiy organisierten) Deutschlandtour einige Aufmerksamkeit erregten. Im Back-Katalog von Doc Gator findet man immerhin schon so relevante Namen wie IRONFLAME, REINFORCER und TY MORN oder GHOSTER, die beweisen, daß Labelchef Oliver Rix und sein Team ein exzellentes Händchen für echte Qualität besitzen. Und nun hat Doc Gator seine Fühler erneut ausgestreckt (diesmal in Richtung Südamerika) und ELECTRIC POISON für die europaweite Veröffentlichung von deren Debüt "Live Wire" auserkoren.

ELECTRIC POISON gründeten sich 2014 in der brasilianischen Küstenstadt Salvador, wo sie sich mit unermüdlichen Liveauftritten recht schnell einen Namen auf lokaler Ebene und später auch landesweit machen konnten. Es folgten zwei EPs, ehe im letzten Jahr der erste Longplayer durch das Label Classic Metal Records in Brasilien veröffentlicht wurde. Auf dieses Album wurden Doc Gator aufmerksam und beschlossen, dass die talentierte Combo den europäischen Metalfans nicht vorenthalten werden darf.

Das Ergebnis dieses Signings liegt nun vor, und es hat sich in Tat gelohnt. Denn was ELECTRIC POISON mit "Live Wire" auf die Hörerschaft loslassen, ist schon amtlich. Die Mischung aus früh80er Speed Metal mit NWOBHM Anleihen und Einflüssen aktueller Genregrößen wie ENFORCER, STRIKER oder NIGHT DEMON, die seit einigen Jahren die Fahne des traditionellen Metal hochhalten, knallt furios und mit unbändiger Wildheit aus den Boxen. Dazu gesellt sich eine ordentliche Portion Underground-Charme, der schon mal ein paar Extra-Sympathiepunkte einfahren kann.

Nach dem Intro beamt der Opener "Fast Way To Hell" den Hörer direkt und ohne Umweg ins erste Drittel der Achtziger nach Kanada, wo ELECTRIC POISON auf einem imaginären Gig gerade den Anheizer für ANVIL und EXCITER geben. Was für eine Speed-Granate! Bereits zu Beginn wird aus allen Rohren gefeuert, dreieinhalb Minuten Tortur für die Nackenmuskulatur. Treffer, versenkt!

Track Nummer zwei - wir wechseln den Kontinent und tauchen mit "Desert Nights" tief in die Frühphase der Eisernen Jungfrauen ein. Kraftvoll galoppierende Gitarren in bangkompatiblem Midtempo, geile Melodien und ein Thauan Rodrigo, der mit seinem mächtigen Gesang dem Stück die passende Würze verleiht. 

 

"Running Like A Beast" komplettiert das Eingangs-Trio Infernale - der Speedster geht einmal mehr ab, wie ein Zäpfchen, ist super eingängig und krallt sich direkt beim ersten Durchlauf in den Gehörgängen fest. 

Drei Highlights gleich zu Beginn der Scheibe, verschießen ELECTRIC POISON ihr Pulver nicht vielleicht zu früh? Keinesfalls, denn auch die verbleibenden sieben Stücke können überzeugen. Ob die Brasilianer das Gaspedal durchtreten ("Burn The Town", "Dynamite", "Deathrow") und dabei in den aggressivsten Parts dieser Songs zuweilen sogar dezent an die Götter der Räudigkeit, MIDNIGHT, erinnern, oder ob man einen Gang zurückschaltet, und wie beim herrlich swingenden Titelsong, Skull und Fist gen Himmel reckt, Spielfreude und technisches Können haben ein gleichbleibend hohes Niveau, und zwar bis zum letzten Ton des schleppenden Rausschmeißers "Voices From Beyond".

Produktionsseitig ist alles im grünen Bereich, alle Instrumente und der Gesang tönen sauber und kräftig aus den Boxen, wobei ein im positiven Sinne leicht ranziger Unterton bewahrt wurde, damit das Ganze nicht steril klingt. Das exorbitant grandiose, herrlich oldschoolige 80s Cover Artwork rundet den gelungenen europäischen Einstand von ELECTRIC POISON perfekt ab. Und bei dem abgebildeten Männerspielzeug kommen sofort feuchte Filmträume wieder hoch (ich sage nur: "The Saw Is Family")!

 

Fazit:

Das Metallrad erfindet der sympathische brasilianische Fünfer sicher nicht neu. Aber ELECTRIC POISON mixen bekannte Zutaten zu einem starken eigenen Gebräu, das lecker schmeckt. Die Wildheit des Untergrunds, die Spielfreude, und das Herzblut, das die Jungs aus Salvador in ihre Musik packen, tun ihr Übriges. Kompliment - wirklich tolles Debüt! 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (04.05.2020)

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