TYRANT - Hereafter

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VÖ: 15.05.2020
Bandinfo: TYRANT
Genre: Heavy Metal
Label: Shadow Kingdom Records
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Lineup  |  Trackliste

Bisher sind die kalifornischen TYRANT (Achtung: es gibt unter anderem auch eine deutsche Band mit diesem Namen) wohl nur guten Kennern des klassischen US-Metals mit epischem Anstrich bekannt. Die Alben „Legions Of The Dead“ (1985) und „Too Late To Pray“ (1987) haben in den 80er-Jahren durchaus einiges an positiver Beachtung erhalten. Neben dem epischen Anstrich mitsamt ein paar Elementen aus dem Doom Metal konnte die Band insbesondere durch die schneidend hohen Vocals von Glen May punkten, die auch Vergleiche zu Bands wie SANCTUARY oder CRIMSON GLORY zu ließen. Instrumental war das zudem nah bei OMEN. Wobei TYRANT soundtechnisch etwas rumpeliger oder meinetwegen auch old-schooliger klangen und sich dieses 80er-Material stark für eine Überarbeitung eignen würde. 1997 gab es noch das Reunionalbum „King Of Kings“, das bei Fans der Band nicht so dolle angekommen sein soll. Dennoch wurden die Herren bei einer erneuten Reunion 2009 beim Keep It True Festival laut der Fachmedien schön abgefeiert.

Mit einer derartigen Historie könnte man eigentlich nun mal durchstarten, zumal man ja satte 23 Jahre Zeit hatte, Ideen zu sammeln für das insgesamt vierte Studioalbum. Ferner konnte mit Rob Lowe (SOLITUDE AETURNUS und ex-CANDLEMASS) ein recht bekannter Sänger für die Aufnahmen gewonnen werden. Leider wird es dazu nicht kommen, zumindest nicht mit diesem Album. Das hat mehrere Gründe. Fans der früheren Alben von TYRANT werden sich wohl zunächst an der deutlich dunkleren Stimmfarbe von Lowe stören. Zwar sind die Songs auf „Hereafter“ gesangstechnisch mit einer Ausnahme („Pieces Of Mine“ – die hohen Töne kann Lowe überhaupt nicht halten) alle ordentlich und durchaus auch mit einem gewissen Touch oder eigener Note versehen, jedoch fehlen dem Gesamtsound die Höhen als Kontrast zur Instrumentierung. So wirkt der Gesamtsound ziemlich mittig, mit wenigen Ausschlägen nach oben oder unten. Das liegt sicher auch an der Produktion, die man wohl als sehr old-school und organisch bezeichnen kann. Dadurch ist der Drumsound aber ziemlich pappig und hat zu wenig Druck.

Leider tönt das Album an diversen Stellen genauso wie man es bei einer Band, die 1978 gegründet wurde, im schlimmsten Fall befürchtet: saft- und kraftlos. Ein Song wie „Until The Day“ ist mit seiner episch angelegten Chorusline ja gar nicht schlecht und könnte sich nachhaltig ins Gedächtnis walzen. Könnte. Tut er aber nicht. Denn es fehlt bei der Umsetzung der letzte Punch, der nötige Biss. Ein ähnliches Gefühl hat man auch bei der Gitarrenarbeit, die immer wieder kurz aufhorchen lässt, wie zum Beispiel am Anfang von „The Darkness Comes“. Doch dann versandet das irgendwie immer. Das dudelt dann irgendwann alles nur noch so vor sich hin. Ist das bewusst so gespielt, im Bemühen es „epic as hell“ zu machen? Oder hatten die Musiker einfach nicht mehr drauf? Schwer zu sagen, aber letztlich auch egal, da es im Endeffekt dabei bleibt: Bis auf den wunderbaren und wirklich höllisch epischen Titeltrack „Hereafter“ kann kein Song richtig überzeugen. Auch nicht nach einem Dutzend Durchläufen. Es fehlen die Aha-Momente. Vielleicht werden das fanatische Fans von Doom Metal anders sehen. Möglich. Aber insgesamt ist dieses Album insofern etwas enttäuschend, weil man das Gefühl hat, das da deutlich mehr drin gewesen wäre. Hier und da hätte es schon gereicht, wenn das Tempo kurz mal angezogen worden wäre und nicht so oft nur dieses doomige Gedröhne rumdröhnt.

Auch gleichen sich die Melodien der Songs des Öfteren stark, sodass man schon genau hinhören muss, um Unterschiede nicht zu verpassen. Was auch am Gesang liegt, der mehr Abwechslung in der Phrasierung gut vertragen könnte. Das mag jetzt alles negativer klingen, als es das Album unterm Strich verdient hat. Denn der ein oder andere Doomhead wird an Tracks wie „Fire Burns“, „Hereafter“, „When The Sky Falls“ und „Until The Day“ sicher Gefallen finden. Auch „Bucolic“ hat eigentlich eine recht hübsche Melodie. Nur werden Hörer, die weniger auf Sachen wie BLACK SABBATH oder ST. VITUS stehen, mit dieser Scheibe nicht viel oder wohl eher gar nichts anfangen können. Mit klassischem US-Metal hat „Hereafter“ nur bedingt was zu tun. Und auch Doom-Fans werden nicht umhin kommen festzustellen: So richtig funktionieren tut dieser Dreher nicht.

 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Tobias (15.05.2020)

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