SCALPTURE - Eisenzeit

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VÖ: 21.02.2020
Bandinfo: SCALPTURE
Genre: Death Metal
Label: F.D.A. Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das Thema Krieg ist im Death Metal sicherlich genauso weit verbreitet wie der gehörnte Leibhaftige in seinem schlecht gelaunten Genrecousin aus Norwegen. Zu passend erscheint die Paarung aus der unbändigen Energie und dem unerbittlichen Klangbild aus tiefergestimmten Gitarren, donnernden Drums und grunzenden Frontbiestern. Dem Ersten Weltkrieg als einer der großen Katastrophen der Geschichte widmeten die Niederländer GOD DETHRONED gleich eine ganze Album-Trilogie. Auch das kanadische Black-Metal-Gespann PANZERFAUST nahm mit dem thematisch weiter gefassten "The Suns Of Perdition, Chapter I: War, Horrid War" Bezug auf den bis dahin größten militärischen Konflikt der Welt. Der Quell an Inspiration ist für Bands des extremen Sektors (und SABATON) nahezu unerschöpflich und bot auch der deutschen Kombo SCALPTURE den lyrischen Nährboden für ihr zweites Album "Eisenzeit".

Ähnlich wie die vorgenannten Kapellen (außer SABATON - den Seitenhieb konnte ich mir nicht verkneifen) erinnern die Bielefelder mit ihrem neuen Opus an die Gräuel und den Wahnsinn des Krieges und setzen das Erzählte mit entsprechenden Stilmitteln musikalisch in Szene. Mit dem zweiteiligen Auftakt aus "The Storm..." und "...Ebbs Into Stalemate" beginnt ein regelrechtes Inferno aus Blastbeats, Uptempo-Raserei und brechenden Grooves. Das eröffnende Song-Duo, "Und Ehre ist's", "Hell Is A Field In France" und weitere Kracher ertönen wie ein tödlicher Platzregen aus Projektilen, Granaten und Schwarzpulver, bis "All Quiet On The Western Front" schließlich melancholisch über das Ausmaß der Verwüstung zurücksieht. Vormals grüne Idyllen verwandeln sich in eine dahinrostende Wüste aus verbrauchter Munition und stehen Pate für das überspitzt illustrierte Albumcover. Dieses Kopfkino durch Musik muss man erst einmal hinbekommen.

Während PANZERFAUST durch das Vertonen von Verzweiflung und Ausweglosigkeit auch die emotionale Komponente des Konflikts aufgreifen, erwecken SCALPTURE die unmenschliche, mechanisierte Seite des Ersten Weltkriegs zum Leben. Von einem stark von ASPHYX geprägten Soundgewand ausgehend, manövrieren SCALPTURE bis in den Intensitätsbereich der geschätzten BOLT THROWER und vermitteln ebenso das bekannte und erdrückende Gefühl. Sie nehmen den Hörer mit auf einen verstörenden Geschichtstrip, der das Geschehen an der festgefahrenen Westfront nahezu bezeugbar macht. Das Interlude "Fire Flies Through Empty Skies", die "Hinterlandsymphonie" und zu guter Letzt "All Quiet On The Western Front" lassen zwischendurch Luft zum Atmen und zur Reflektion über die Idiotie der damaligen Lenker...auch über den erschreckenden Leichtsinn der heutigen Zeit in Bezug auf drohende Kriege.

Zugegeben, auch mir hatte SABATONs Geschichtsstunde zum Thema ("The Great War") gut gefallen und tut es nach wie vor. Doch auch, wenn sich die Schweden jüngst etwas nachdenklicher und reflektierter zeigten, bleibt bei der feucht-fröhlichen Heldenverehrung ein gewisser Nachgeschmack. Da entfaltet ein distanziertes, hinterfragendes und anklagendes Werk wie "Eisenzeit" doch eine andere Wirkung - zumal die musikalische Untermalung den Inhalten unstreitbar gerechter wird. Wenn das Gebotene dazu noch in allen bewertungsrelevanten Sachverhalten so tadellos abschneidet, kann man am Ende nur ehrfürchtig die Pommesgabel recken und der Kapelle ein langes Bestehen wünschen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (03.04.2020)

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