LEBENSSUCHT - -273,15°C

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VÖ: 07.04.2020
Bandinfo: LEBENSSUCHT
Genre: Black Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

−273,15 °C. Der Absolute Nullpunkt. Keine Bewegung mehr, das Leben steht still, selbst die Atome erstarren. Kein Wunder, dass die belgisch-österreichischen Depressive/Atmospheric Black-Metaller von LEBENSSUCHT diese bedeutungsschwangere Zahl als Titel ihres Debütalbums erkoren haben. Mehr Eiseskälte als die komplette Lähmung allen Daseins geht einfach nicht.

Düster und entsprechend finster ist auch das gebotene Liedgut, welches auf zutiefst verstörende Weise zwischen intensiven, rasenden Passagen und schwermütigen, teils sogar doomig angehauchten Teilen oszilliert. Speziell das kongeniale Zusammenspiel aus dem wahnhaften, nahezu hysterischen Gekeife von S. Caedes und kehlig-tiefen, knurrenden Vocals im Hintergrund vermag schauderhafte Atmosphäre zu generieren, in der man sich verlieren kann. Speziell im über zehn Minuten füllenden „A Hole In My Heart“ verbinden sich die Elemente aus kompromisslosem Blastbeat-Gewitter mit turmhohen, kreischenden Gitarrenwänden und ruhigen, melancholischen Instrumentaleinlagen zu einem fein verwobenen Ganzen.

„Moment Of Violence“ nimmt den Titel wörtlich und rast aggressiv durch sieben Minuten Hochgeschwindigkeitsgetrümmer, dem S. Caedes markerschütternde Vocals das (Dornen-)Krönchen aufsetzen. Das ausladende „Mirrors“ besticht durch seine erneute Ausgewogenheit aus treibend-aggressiven Gitarren, kompromisslosem, dennoch akzentuiertem Drumming und schleppenden, niederschmetternden Passagen, die einem in ihrer beklemmenden Atmosphäre schier das Blut in den Adern gefrieren lassen. Vor allem der abrupte Übergang vom düsteren Intro aus verzerrten Pianoklängen hin zu raumgreifendem, hasserfüllten Gegeifer vermag es, dem Hörer nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. „Nullpunkt“ komprimiert die über die Albendistanz aufgebaute Atmosphäre noch einmal mit einer Lawine aus Wut und Verzweiflung, die den Hörer das letzte bißchen Energie aus den Knochen saugt, bis dass das Leben selbst zu erstarren scheint.

Den absoluten Nullpunkt von „[−273,15°C]“ haben LEBENSSUCHT mit ihrem gleichnamigen Debüt, welches mit einem ebenso betitelten, höchst verstörenden Outro endet, absolut erreicht. Der Titel ist Programm, schlägt einen doch das ausnehmend atmosphärisch geratene Liedgut im wahrsten Sinne des Wortes zu Boden. Zu intensiven, an der Grenze zwischen verstörender Manie und niederschmetternder Depression tanzenden Klängen wie LEBENSSUCHT braucht man sich gar nicht erst die Pulsadern aufschlitzen – das besorgt schon die Musik alleine, die einem auch noch den letzten Tropfen Blutes aus dem erkaltenden Körper saugt. Ziemlich heftig, für ein Debüt!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (02.04.2020)

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