WARDAEMONIC - Acts Of Repentance

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VÖ: 20.03.2020
Bandinfo: WARDAEMONIC
Genre: Black Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das ferne Australien erfreut seine Einwohner und Besucher mit schönem Wetter, liebenswerter Fauna und großzügigen Servierportionen beim Bierausschank. Und dennoch kommt es vor, dass man auch auf diesem freundlichen Fleckchen Erde (das sich schnellstens wieder von den tragischen Waldbränden erholen möge) richtig schlechte Laune haben kann - wie man am Beispiel der ortsansässigen Black Metaller WARDAEMONIC beobachten kann. Ähnlich wie ihre Landsmänner KING bekennen sich Maelstrom und Co. zur skandinavischen Spielweise ihres Genres, bedienen aber mit ihrem bleifüßigen und rabiaten Stil eine härtergesottene Klientel. Und anders, als der Albumtitel vielleicht vermuten lassen könnte, zeigen die Aussies mit ihrem vierten Eisen "Acts Of Repentance" keinerlei Reue oder Buße für die Gewaltakte ihrer fünfzehnjährigen Karriere.

Vielmehr könnte man meinen, dass die Gute-Laune-Barometer in Down Under noch weiter gen Süden abgesackt sind und im Hause WARDAEMONIC ein Quäntchen härter aufs Gaspedal getreten wird. "Acts Of Repentance" besteht aus fünf Songs bzw. "Akten", die allesamt schwere Schinken jenseits der sieben-Minuten-Marke sind. Dass von den ersten Takten von "Act I - Introspection" bis ins erste Drittel von "Act II - Admission" nahezu permanent am physikalisch-neurologischen Tempolimit durchgeblastet wird, macht die vorliegende Scheibe schwer verdaulich. Nach dem ein oder anderen Durchlauf findet man sich jedoch zusehends in der apokalyptischen Anarchie zurecht und findet ein vergnügsames Geknüppel im Fahrwasser mittelalter DARK FUNERAL mit einer Prise ENTHRONED vor. Die IMMORTALesken Einsprengsel in "Act II - Admission" sorgen für erste Ruheplateaus und Hooks, die den unentschlossenen Hörer frühzeitig bei der Stange halten. Interessanterweise entpuppen sich die ersten beiden Akte als "Einleitung" (straightes Gebolze ohne viel Brimborium) und "Komplikation" (Ausweitung der Komposition durch Ruhepole), was zusätzlich zur Benennung der Songs auf eine Anlehnung an das klassische Drama in fünf Akten hindeutet.

Beim Versuch, die Lehre des Regeldramas weiter auf die "Fünf Akte der Buße" zu übertragen, erwartet man in "Act III - Castigation" den Höhepunkt. Der Zwölfminüter, der augenscheinlich das Dasein als Klimax-Song anstrebt, köchelt behäbig als Schmelztiegel der Dissonanz und Dystopie vor sich hin. Er brodelt dabei vergleichsweise langsam, kakophoniert am stärksten und trägt die dem Genre inhärente Scheußlichkeit am deutlichsten nach außen - der Aufbau des Fünfakters bleibt also gewahrt. Auch die Umschreibung von "Act IV - Sufferance" als "verlangsamendes Moment" trifft insofern zu, dass die Nummer die Tür am weitesten für Ruhe und Melodie öffnet. Durch die Vielfalt und zahlreichen Widerhaken wird der vierte Akt jedoch zum eigentlichen Höhepunkt des Albums - von den deutlichen IMMORTAL-Einflüssen im Hauptriff über die singende Gitarre im besten WINDIR-Stil bis hin zum erhabenen Finale mit Aktustikgitarre wird diese Nummer zu keiner Sekunde eintönig und beweist kompositorisches Geschick. Und weil das standesgemäße Geprügel und Gerase beibehalten wird, kommt am Ende niemand zu kurz - ein wahrlich meisterliches Stück Musik.

Wenn man bedenkt, dass "Act V - Repentance" den Hörer zum krönenden Abschluss mit Feuersbrunst ins Jenseits befördert, scheinen auch die Kriterien der "Katastrophe" und "Lösung" gleichermaßen erfüllt - schließlich kommt ein jeder Schwarzmetaller irgendwann in die Hölle und fühlt sich erst dort pudelwohl. Damit ist am Ende das Drama komplett - jedoch im theaterwissenschaftlichen Sinne und nicht im übertragenen. Und wem die pseudotheoretischen, von konfusen Gedanken getriebenen Interpretationsversuche des Verfassers zu absonderlich sind, der genieße einfach diesen fünfteiligen Abriss und übe sich darin, dem Trend zum immer kurzlebigeren, Hitsingle-Quickie-orientieren Musikkonsum zu entfliehen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (18.03.2020)

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