FIVE FINGER DEATH PUNCH - F8

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VÖ: 28.02.2020
Bandinfo: FIVE FINGER DEATH PUNCH
Genre: Groove Metal
Label: Better Noise Records
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Lineup  |  Trackliste

"#8" - das neue Werk von den groovenden ur-amerikanischen Metal Monstern hat keinen Titel verpasst bekommen, sondern einfach eine schnörkellose Nummer. Was hier schon als erster Bruch zu bisher zu sehen ist, hat seine Fortsetzung auf dem Album. Nicht dass FIVE FINGER DEATH PUNCH nun zu Glam Rock überlaufen oder Psychedelic Rock, keine Bange, die Jungs bleiben hart, aber das neue Album zeigt eine andere Seite bzw. ist viel ausgefeilter und vielschichtiger, als die letzten.

Wenn man "Got Your Six" als ein ein 100 % Kommerz-Werk sieht, wo die Nummern zwar flott und fetzig runter gehen, aber doch irgendwie sehr ähnlich sind, so ist man mit "#8" wieder retour zu alten Zeiten, orientiert sich an Alben wie "War Is The Answer" und liefert gleichzeitig eine Erneuerung, da sich diesmal ein erneuerter Ian Moody eine ganz andere Herangehensweise ans Songwriting hat und sich ohne ständig zugedröhnt zu sein, völlig anders in den Produktionsprozess des Albums einbrachte. Das ist jetzt nicht nur eine Idee von mir - dies wird von allen Seiten betont, wenn es um die Entstehungsgeschichte von "#8" geht.

Trotzdem wird noch immer der Geschmack der breiten Masse getroffen, aber es gibt auch einige Schmankerl für die Fans der ersten Stunde, denen vielleicht die Nachhaltigkeit der Songs fehlte, die das zu sehr an den Charts ausgerichtete Songmaterial kritisierte und die einige Inhalte, die die Band immer brachte, vermisste.

Was ist nun so anders an "Nummer acht":
Es hat sich einiges getan bei der Band seit dem letzten Longplayer. Man findet je einen neuen Mann am Schlagzeug (Jeeremy Spencer musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören) und einen am Bass. Es wurde also die gesamte Rhythmuspartie ersetzt (ist das jetzt eine Tautologie? - der Haussemantikoberinteressierte). Gleich geblieben sind natürlich Shouter/Growler/Sänger Ivan Moody (nun „sober“ – der Alk-Entzug hat ihm gut getan) und die beiden Gitarristen Zoltan Bathory und Jason Hook.
Die Richtung des neuen Werkes: irgendwie eine Schnittmenge aus dem, was früher war, dem, was sich aufgrund der Veränderungen der Band und der Trockenheit von Moody ergeben hat, und einer Kombination aus Rückbesinnung Europa (Bathory) und Ursprungs-Amerika-Power-Rock (Moody) mit emotionalem Tiefgang und Aufarbeitung. Einerseits wird geliefert, was der Fan erwartet, andererseits wird geschrieben, was die Band bewegt und persönliche Entwicklungen werden hörbar. Vor allem die Höhen und Tiefen, die ihr Sänger mitgemacht hat und seine Kämpfe dominieren das Klangbild und die Texte.
 
Für die Band ist das achte Album somit auch eine Art Neuanfang. Man ging neue, andere Wege und blieb vor allem clean. Das hört man an den Songs. Die Party-Drink-Stimmung ist viel weniger geworden, man hört, dass dieses Album nüchtern eingespielt wurde, und 100 % Fokus auf die Musik gelegt wurden. Ivan Moody bleibt aber auch weiterhin der charismatische Sänger, der mitreisst und überzeugt - nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf dem Album. Er versteht sich auf ruhige, nachdenkliche, gefühlvolle, schon gesungene Nummern genauso wie auf aggressive Growls und anheizende Schreie. Echt gut, der Mann.

Der Inhalt von "#8":
Nach dem nach Klassik und großer Oper klingendem Intro „F8“ geht es in der typisch-groovenden „Death Punch“ Manier los. „Inside Out“ liefert eine sehr breite Vielfalt, die ansprechend ist: harte Riffs, ein fettes Brett bei den Bässen, knackiger Rhythmus und Sound, elektronische Bearbeitung, hie und da leichte Streicher- und orchestrale Einsätze und einen überwiegend sehr melodischen Gesangspart sowohl beim Sologesang von Moody als auch im Chorus. Nur Gelegentlich kommt als Gegensatz rauer, gegrölter Text zum Einsatz. In der Gesamtheit wirkt „Inside Out“ mit seinen trotz Härte fein gemachten Harmonien fast wie ein Stück aus einem Metal Musical, das als Thematik Moodys Alkoholsucht und den Entzug hat, also eigentlich eine Ode an die persönlichen Teufel und die Abstinenz.



Im weiteren Verlauf kommen teils knackige Songs, teils fast balladenartige Stücke. Abwechslung ist immer gegeben, sowohl unter den Nummern, als auch innerhalb der Lieder. So ist „Full Circle“ fetzig, wummernd, modern, mit abgehackten Riffs, elektronisch bearbeitet, ein wenig mit Rap versetzt, wiederum mit ruhigen und gegrölten Gesangsparts und in Summe genau die wilde Mischung, die man von der Band gewohnt ist und erwartet. Diesen New Metal Einschlag gibt es auch bei „Mother May I“. Zusätzlich noch mit thrashigem Anteil der Top Song „This Is War“. Das ist auf gewisse Weise die Fortsetzung von „War Is The Answer“, inklusive einer gehörigen Portion „Fuuuuuuck!“.

Die Höhen und Tiefen sowie Probleme des Lebens verarbeitend, mit einem Knaller einfahrend, mit Wut und Inbrunst sowohl bei den Texten, in den Vocals und den Riffs, Bässen, sowie Drums agierend - das ist „Living The Dream“. Als nächstes "Bottom Of The Top": dröhnend, dumpf, wummernd, nachdenklich, melodisch und - wie es sich gehört - mit einer ganzen Menge ‚Fucks‘ versehen. Der Schwenk in der Mitte kommt auf eine Art, dass man denkt, es handelt sich nun um einen anderen Song. „Leave It All Behind“ ist einer der wenigen Sons, die ein langes Solo am Ende haben und „Scar Tissue“ zählt mit einer gehörigen Portion Growls und Jump/Mosh Rhythmus zu den Anheizern. Zum Auflockern für Zwischendurch gibt es aber auch hier ausgleichende, vom Speed runterkommende Takte, wo es langsamer wird, damit man sein verschüttetes Bier wieder zusammenklauben kann.

Interessant ist die Mixtur bei „To Be Alone“, das ist schon eher auf dem Level von Rock Musik mit Alternativ Einmischung und wenig bis keiner Wut und Aggressivität ist.

Wie bereits oben erwähnt, findet man mehr als nur ein Mal auf „#8“ akustische und/oder ruhig geschriebene Songs, die in normaler Geschwindigkeit ablaufen, emotional beladen sind und sauber gesungen werden. Ivan Moody zeigte auch schon in der Vergangenheit oft, dass er überzeugende cleane Vocals drauf hat (zB. "Wrong Side Of Heaven") und wenn er es richtig gut bringt, kauft man ihm diese Songs genauso ab, wie das aggressive Gegröle und raue Anheizen. Stücke, die diese ruhigen Merkmale haben und fast als Alternative Balladen bezeichnet werden können sind „A Little Bit Off“, das melodische „Darkness Settles In“ und „Brighter Side Of Grey“ (nein, das hat nichts mit 50 Shades Of Grey zu tun). Ohne den Bonus Tracks wäre „Brighter Side Of Grey“ die letzte Nummer und ist eigentlich auch als Ende und Ausklang gedacht. Für mich einer der besten Songs auf dem Album mit absolutem Chart-Potenzial.

Wir haben aber noch drei Bonus Tracks. Zum Glück. „Making Monsters“ ist ein für 5FDP typischer vielseitiger Knaller mit bissigem Groove, der mich hie und da an die alten KISS erinnert aber andererseits dafür viel zu modern ist. Bei „Making Monsters“ gibt es auch ein gefinkeltes Gitarrensolo, wie es bei ihnen sonst nicht oft zu hören ist. „Death Punch Therapy“ ist eine groovig-thrashige Moshpit-Headbang-Fan-Hymne, der man sich nicht entziehen kann. Und noch mal eine Variante von „Inside Out“.

Anspieltipps: „This Is War“, “Brighter Side Of Grey” und natürlich “Inside Out”

Fazit: Bei ihren Songs findet sich immer die Schnittmenge aus modern, heavy, eingängig, mainstream, wild und ausgefeilt. Ganz klar immer zu hören: der amerikanische Metal mit seinem einzigartigen Groove. Diesmal sind die 16 Songs vielfältiger als sonst, was sowohl mit Moodys neuer Situation als auch den neuen Mitgliedern zusammenhängt. Die „#8“ ist stimmiger, ausgeglichener und reifer und zeigt eine Entwicklung in eine etwas andere Richtung. Sicher eines ihrer besten Alben und auf jeden Fall anders als "Got Your Six."



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (10.03.2020)

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