THE FLESH TRADING COMPANY - Franconian Witchcraft

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VÖ: 07.03.2020
Bandinfo: THE FLESH TRADING COMPANY
Genre: Thrash Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Auch im Metal scheint die Welt klein zu sein...quasi gestern noch lauscht man dem thrashigen Death Metal oder wahlweise deathigem Thrash Metal der unterfränkischen Krawallharmoniker FINAL BREATH, da landet einem auch schon der nächste Release aus besagtem Landstrich auf dem virtuellen Schreibtisch. Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass bei der angedeuteten Kapelle THE FLESH TRADING COMPANY und der erstgenannten Truppe derselbe Sänger zum Mikro greift. Genau genommen ist THE FLESH TRADING COMPANY sogar die eigentliche Band des besagten Frontmanns Patrick Gajda, der die wiederbelebten FINAL BREATH erst seit deren aktueller Platte "Of Death And Sin" beehrt. Die an dieser Stelle behandelte Stammtruppe des Bärtigen stieß mit ihrem bisherigen Backkatalog auf die Gegenliebe unserer Redaktion - Grund genug, ihrer aktuellen EP "Franconian Witchcraft" ein Ohr zu leihen und den Spaß auf Herz und Nieren zu prüfen.

Mit dem Nachfolgewerk ihres zweiten Albums "Necromantic Rituals" widmen sich die Franken - wie der Titel bereits andeutet - vorwiegend der Hexerei. Textlich behandelt man bekannte Themen wie die mit Feuersbrunst gelebte christliche Nächstenliebe ("Into The Fire"), der man im falschen Erdzeitalter nur mit Glück und Mühe entrinnen konnte ("Sculptor Of Lies"). Neben derart verabscheuenswürdigen Praktiken und dem standesgemäßen Besingen finsterer Mächte gibt es auch eine feine Ode an den Metal ("Metal Maniacs"). Und das nicht zu Unrecht - schließlich sind wir doch alle mehr oder weniger verrückt. Und wenn Herr Gajda ein inbrünstiges "for metal we will die" in den Äther gröhlt, kann der Verfasser nicht umher, seinen inflationär eingesetzten Wahlspruch "wer für den Metal nicht stirbt, hat nicht gelebt" zu zitieren [es wäre auch zu schade gewesen, eine solch prächtige Steilvorlage nicht zu verwandeln].

Musikalisch schippern die Franken vermehrt ins Fahrwasser des traditionellen Heavy Metal, was sich besonders in den eingängigeren und melodiegeladenen Songs wie "Sculptor Of Lies" oder "Metal Maniacs" wiederspiegelt. Eine genüsslich wiederkäuende Death-Einlage à la "Storm Of Steel" ("Necromantic Rituals", 2018) oder allzu stark angeschwärzte Passagen verkneifen sich THE FLESH TRADING COMPANY, halten aber selbstredend am verehrten Thrash Metal fest. Damit erinnern "Witches Sabbath" oder "Salem" gerne an die erste Reihe der deutschen Thrash-Landschaft, ohne dabei jedoch - wie mein Vorredner bereits in ähnlichem Zusammenhang treffend bemerkte - zu sehr der fernöstlichen Ehrerweisung zu frönen.

Für das Mixing & Mastering heuerte man dieses Mal Nico Gwozdz und Danny Seith an, leistete sich aber keine gravierenden Einschnitte in das geschätzte Soundkonstrukt. Damit ist auch die aktuelle EP eine runde Sache, die mit leichter Kurskorrektur zu einem vergnügsamen Ausflug in eine Zeit lädt, in der man als mäßig talentierter Leadgitarrist oder für das korrekte Wiedergeben des Alphabets vermutlich als Hexer verheizt worden wäre. Und weil Bünde mit der Unterwelt heutzutage weitaus unbeschwerter ausgelebt werden können als damals, dürfen wir uns ohne Reue eines Werks wie "Franconian Witchcraft" erfreuen und noch einen Nachschlag verlangen. In diesem Sinne, liebe FLESHTRADER, legt euch ins Zeug!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (06.03.2020)

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