METTERNICH - G’schichtldrucker

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VÖ: 20.03.2020
Bandinfo: METTERNICH
Genre: Hard Rock
Label: Tempel Records
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Lineup  |  Trackliste

Eigendlich ghearad des Review do auf weanarisch gschriebn, doch i glaub do draht ma es Lektorat nu duach, oiso moch mas hoid gescheid. (bitte sei so knieweich... - der Brauchtumsbeauftragte)

Schon einmal was von „Strizi-Rock“ gehört?  Falls nicht dann wird es höchste Zeit, denn dann ist euch bis jetzt eine der feinsten Rock-Bands der österreichischen Nation entgangen!

Alexander Karlin (Vocals/Guitar), David Zenz (Bass/Vocals), Wolfgang „Knut“ Posch (Guitar/Vocals) und Bernhard Sattra (Drums) werden gemeinsam METTERNICH genannt und am 20.03. werden sie ihr Album „G`schichtldrucka“ „aussehaun“. Ich hab mich vorab schon einmal beschallen lassen und darf nun berichten!

Die 2017 gegründete Band, welche zu ¾  auch unter dem Namen BREWTALITY schon länger wütet, glänzt schon im ersten Track der Scheibe mit ihrem feinen Humor und einer Ode an die „perfekte“ Frau. „Sauf di au, I fia di ham“ fetzt nicht nur vom Gitarrensound ziemlich mächtig, sondern liefert einen wirklich lustigen Text, welcher schon einmal zum Mitsingen einlädt.

„Autofoan“ startet mit dem Sound des wunderbaren Autobahnwahnsinns, bis ein wirklich feines Riff auftaucht und die Story einleitet. Die hohen Backingvocals singen „Wien,Wien, Wien nur du allein!“ und spätestens dann, sollte klar sein, dass die Herren ihre Stadt lieben, wenn sie nicht gerade darin „Autofoan“.

„Klangfarbe“ wirkt sicherlich für Einige vom Titel her lieblich, doch in Wien ansässige Musiker wissen um was es geht! Natürlich unser liebster Musikalienhandel, welcher im Track insofern eine Rolle spielt, als da das Schicksal eines ehemaligen Mitarbeiters besungen wird, welcher sich schlussendlich selbst ein kleines Solo „daham in Ottakring“ spielt. Man kann sagen, was man will, aber das Solo ist schon verdammt geil, wenn auch die Vorangegangenen und Folgenden nicht minder fein sind.

Momentan kann sich das Wetter ja nicht ganz entscheiden ob Winter oder nicht, doch METTERNICH haben eine klare Meinung zur erwähnten Jahreszeit. „Winter geh in oasch!“ heißt es in dem fulminanten Track, welcher das Gefühl vieler kälteempfindlicher Menschen gut zusammenfasst und passend „Da Winta“ heißt!  

Bevor es um die Auseinandersetzung mit sich selbst geht, wird noch eine gemütliche Runde am „Lagerfeuer“ eingeschoben. Dabei handelt es sich einen kurzen witzigen Zwischenspieler, über welchen ich euch aber nicht zuviel verraten will. Freut euch auf ein Banjo!

Nu kommen wir zu Reflexion! „Du bist nicht du (wenn du nüchtern bist)“ ist ein Appell an Alle die sich gerne einmal im Rahmen gehen lassen. Grundsätzlich könnte der Text auch von TURBOBIER sein, doch man muss ja nicht gleich jede Glorifikation von Alkoholkonsum der BPÖ zuschreiben. METTERNICH fahren mit ihrem Strizi-Rock etwas andere musikalische Kaliber auf.

„Hunderttausend“ ist textlich gesehen die Auseinandersetzung mit der andauernden Debatte ob Musiker ein brauchbarer Beruf ist. Welcher Meinung die Kollegen hier sind dürfte klar sein. Vom Sound her erinnert der Song von der rhythmischen Seite her etwas an Vodoo Jürgens, was durch die markante Vocalperformance von Karlin nur noch verstärkt wird. Generell lässt sich sagen, dass METTERNICH mit einem gewissen Können den Schmäh des Austro-Pop mit diversen Rock-Spielarten vermengen und sich nicht scheuen, herum zu experimentieren.

Die weiteren Tracks seien wie folgt beschrieben:

Mit der „Manier“ werden die Herren es schaffen, „Freddy Krügerl“ zu entkommen, „Sex mit da Ex“ , sowie ein geiles „Leben“ zu haben und schlussendlich können wir Hörer nur sagen: „Es daugts uns!“.

„G`schichtldrucka“ ist ein Album, welches mir seit langem einmal wieder den Genuss von erdigem, ehrlichen Rock`n`Roll gebracht hat, welcher nicht aufgewärmt ist. METTERNICH klingen wie METTERNICH, auch wenn man zu jedem Song so seine Assoziation, oder Vermutung bzgl. des Einflusses hat. Die Scheibe ist von der Soundqualität her eine wirklich feine Produktion, um nicht zu sagen eine der Besten in dem Genre die ich je gehört habe, was Österreich betrifft.

Neben dem umwerfenden Sound sind natürlich die Texte ein Wahnsinn. Die Texte wirken wirklich enorm, da die Kompositionen einfach wie angegossen passen. Der Inhalt hat immer eine leicht nachdenklich machende Komponente, welche aber durch den Humor immer nur hier und da durchblitzt.

Das ganze Album glänzt durch den Charme des „Wienerischen“ und der immensen Soundwall.

Da der Wiener immer noch was zum „Sudern“ gehabt haben, möchte ich mich der Tradition anschließen und nur erwähnen, dass die Zielgruppengröße des Albums durch den Dialekt natürlich etwas eingeschränkt ist, doch wenn Chinesen RAMMSTEIN singen, wer weiß was mit den METTERNICH-Texten noch so passiert!

Ich bin jedenfalls höchst erfreut über dieses schöne Stück Wiener-Musik-Kultur und wünsche dem Quartett viel Spaß auf ihren Konzerten mit diesen Tracks!

So findet euch am 20.03. im AERA in Wien ein und feiert mit METTERNICH, BAUCHFLEISCH und LEVERY PIE den Release dieser feinen Scheibe! Hopefully see you there!

 

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Gregor Eder (13.03.2020)

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