DAWN OF DISEASE - Procession Of Ghosts

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VÖ: 01.11.2019
Bandinfo: DAWN OF DISEASE
Genre: Death Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Für Hörgenuss gibt es zum Glück
Melodeath aus Osnabrück…

Ok, ich höre auf zu reimen, und widme mich stattdessen lieber meiner ersten Gast-Rezension bei Stormbringer. Vielen Dank für die Einladung, Lord Seriousface, es ist mir eine Ehre [Anm. d. Einladenden: aufrichtigsten Dank für die Blumen! Für mich ist es eine Ehre!]!

Es ist schon eine erstaunliche Entwicklung, die DAWN OF DISEASE seit ihrer Gründung im Jahr 2003 genommen haben. Die Metamorphose vom harsch und aggressiv vorgetragenem Schwedentod der ersten Alben hin zum Mitt- bis Spätneunziger-beeinflusstem Melodic Death Metal skandinavischer Prägung wurde stetig, aber immer homogen und wohldosiert vollzogen und hat mit dem aktuellen Output der Osnabrücker ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, das seinen Vorgänger, trotz dessen unbestreitbarer Klasse, noch einmal toppen kann. Die Einflüsse alter IN FLAMES, AMORPHIS, INSOMNIUM und AMON AMARTH sind nicht zu überhören, werden aber in das ureigene Gewand eines typischen DAWN OF DISEASE Songs gepackt, so dass man hier bei den betreffenden Passagen wirklich von Hommage sprechen kann und nicht von bloßer Kopie.

Auf „Procession Of Ghosts“ haben DOD den auf „Ascension Gate“ eingeschlagenen Kurs konsequent weiterverfolgt. Noch melodischer, noch eingängiger und noch opulenter erklingen die Tracks der aktuellen Scheibe. Die spielerische Qualität des Quintetts ist über jeden Zweifel erhaben, und Mastermind Tomasz Wisniewski growlt sich so gut wie nie durch das gesamte Album.

Neben der bandtypischen Brachialität vieler Stücke bietet der Longplayer vermehrte Aktivitäten im Midtempo-Bereich, und ungewohnterweise geht man auch öfter mal komplett vom Gas und wiegt sich in bester INSOMNIUM und WHILE HEAVEN WEPT Manier in herzergreifender Melancholie. Allerdings ist für genügend Abwechslung gesorgt, da die meisten Tracks verschiedene stilistische Mittel gekonnt miteinander vermengen. So passiert es immer wieder, dass man eben noch schmachtend von einer traurig-süßen Melodie in den Mantel der Tränen gehüllt wurde, während im nächsten Augenblick treibende Blasbeats und ein massives Gitarrengewitter den Hörer aus seinem Traum reißen und in die Gefilde alter AMON AMARTH Hymnen transportieren. Beispiele hierfür sind „Apotropaic“ und „Hypnosis“. „May The Waves Take Me“ und „Where The Clouds Reach The Ground“ wiederum könnten direkt einem der großartigen IN FLAMES Alben „Whoracle“, „Colony“ oder „Clayman“ entsprungen sein - Huldigung pur! Zusammen mit diesen beiden Tracks ist der Titelsong das Highlight des Albums. „Procession Of Ghosts“ kombiniert die Härte zurückliegender DAWN OF DISEASE Scheiben mit der Raffinesse AMORPHIS-typischer Melodien und einem Schuss skandinavischer Melancholie zu einem Vorzeigesong des Melodischen Death Metals nordischer Prägung. Nach dem bereits erwähnten Schlusspunkt „Hypnosis“ bleibt (zumindest im Falle des Rezensenten) der geneigte Hörer mit einem seligen Grinsen zurück, und der Finger zuckt unwillkürlich in Richtung Playtaste, um sich das eben Genossene gleich noch einmal zu gönnen.

Unterm Strich darf man konstatieren, dass DAWN OF DISEASE noch mal einen riesigen Schritt nach vorn gemacht haben. Die Produktion des Albums ist fett und trotzdem glasklar. Der minimale Verlust an Härte und Rauheit durch eine Vielzahl von großartigen Melodien wett gemacht. Sowohl in musikalischer wie auch in gesanglicher Hinsicht sind die Osnabrücker variabler und facettenreicher geworden. Und das Wichtigste: die Songs bleiben direkt im Ohr hängen und entfalten augenblicklich eine Langzeitwirkung, die eben den Unterschied machen, zwischen der großen Masse und Bands, die aus ihr herausragen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (21.02.2020)

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