PLEONEXIA - Virtute E Canoscenza

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VÖ: 21.02.2020
Bandinfo: PLEONEXIA
Genre: Melodic Rock
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Sechs Jahre sind ins Land gezogen, seit mein geschätzer Kollege Wilsberg das PLEONEXIA-Debütalbum "Break All Chains" in den Himmel lobte. Sechs Jahre, in denen sich auch bei den Italienern einiges verändert hat. Vom Lineup des ersten Albums sind nur mehr Sänger/Gitarrist Michele Da Pia und der Keyboarder Lorenzo Luca übrig, an den restlichen Positionen glänzen gleich vier Neubesetzungen. Mehr oder weniger also ein Komplett-Reset. Da stellt sich natürlich die Frage: Bedeutet dieser Neustart auch eine stilistische Neuausrichtung?

Im Review von 2014 fällt auffällig häufig der Name HELLOWEEN. War es damals noch die eher powermetallische Note und das zeitweise recht hohe Tempo, die Erinnerungen an die Frühphase der Kürbisköpfe hervor riefen, ist es am aktuellen Output "Virtute E Canoscenza" (zu deutsch "Tugend und Wissen") höchstens noch der auffallend hohe Melodiefaktor, der ähnliche Vergleiche zuließe. Dabei würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, die Band versucht sich in manchen Kompositionen am Kunststück freedomcallischer zu klingen als FREEDOM CALL, allerdings mit geringerem Metal-Anteil (ja, das geht!). Doch das Album wird eine vollkommen andere Richtung einschlagen, die selbst mich noch überrascht hat.

Gleich zu Beginn gibt es nach dem obligatorischen Kinderchor-Intro mit "Out Of The Tribe" und "Selfish Gene" ein Doppelpack aus der Abteilung Melodien für Millionen. Ich kenne Bands, die für diese Refrains ihre Schwiegermütter morden würden, und zwar ohne mit der Wimper zu zucken. Daß es der Keyboarder mit der Soundauswahl gerne übertreibt, fällt hier ebenfalls auf - und ich spreche hier nicht von den Fanfaren! "Message To The Future" beginnt komplett anders. Es ist der härteste Song des Albums und der einzige, der (zumindest zu Beginn) die Bezeichnung "Metal" tragen darf. Die Gitarren spielen ein schnelles Riff, die Drums treiben die restliche Mannschaft etwas schneller vor sich her, der Sänger versucht sich an Halford-Screams (es bleibt übrigens beim Versuch). Der Song ist aber viel zu lang um diese Linie konsequent zu halten und so besteht die zweite Hälfte fast komplett aus einem Keyboard- vs. Gitarren Duell, bevor er abrupt endet.

Und dann, ab "Choises" weiß ich endlich an welche Band mit PLEONEXIA unterschwellig erinnert. Bei diesem Song wird der Metal-Anteil endgültig so stark verdünnt, dass poppiger Melodic Rock zurück bleibt - und das ist die Spezialität von GHOST! Kaum ist dieser Gedanke zu Ende gedacht, kann man ihn nicht mehr ungedacht machen. Die Stimme des Sängers, die Melodien, die Chöre, ja sogar teilweise die Produktion - da schielt der Geist von Tobias Forge und seinen Nameless Ghouls listig hinter jeder Ecke hervor.

Bevor jetzt der GHOST Fanclub mit zu hohen Erwartungen an dieses Album herangeht und mich danach steinigt: Das extrem hohe Niveau der Schweden wird hier freilich noch nicht erreicht. Nicht zuletzt, weil PLEONEXIA natürlich das über Jahre aufgebaute mystische Image von GHOST nicht haben. Dazu kommt, dass die Songs selbst bis auf den Eröffnungstrack "Out Of The Tribe" allesamt über fünf Minuten lang und teilweise deutlich zu weit entfernt davon sind, beim roten Faden zu bleiben. Häufig verzettelt sich die Band in ihren Instrumental-Parts, was es dem Hörer trotz der Melodiedichte schwer macht, sich an etwas festzuhalten. Dazu kommt, dass manche Keyboard-Sounds wirklich grenzwertig sind. Das sind aber Details, die die Band wohl in den Griff bekommen wird, wenn sie konsequent in diese Richtung weiter an sich arbeitet.

Für mich ist "Virtute E Canoscenza" ein echter Grower und eine echte Überraschung - nicht zuletzt, weil ich der Bandinfo Glauben schenkte, welche mehrfach davon spricht, dass PLEONEXIA eine Heavy Metal Band sind, was sie aber ganz eindeutig nicht (mehr) sein wollen. Und genau das macht sie spannend - nicht nur, aber ganz besonders für Menschen, die GHOST mögen.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: adl (19.02.2020)

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