BROTHERS OF METAL - Emblas Saga

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VÖ: 10.01.2020
Bandinfo: BROTHERS OF METAL
Genre: Power Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Am 10. Januar 2020 erschien mit „Emblas Saga“ bereits ein ernstzunehmender Kandidat für den Titel „Album des Jahres“ oder zumindest „Newcomer-Album des Jahres“, denn die schwedischen BROTHERS OF METAL präsentierten im Zuge ihrer „The Pagan Thor“-Tour (mit Co-Headliner bzw. Vorband ELVENKING) im noch sehr jungen Jahr den Nachfolger für ihr 2017 überwältigend eingeschlagenes Debüt „Prophecy Of Ragnarök“. Das Album schaffte es tatsächlich auf Platz 10 der deutschen Albumcharts.

Vor einiger Zeit begann in den Redaktions-Gewölben des Stormbringers eine Diskussion darüber, ob es in Zukunft noch so gigantische Metal-Idole geben könne, wie sie die Vergangenheit hervorgebracht hat. Um der verklärten Nostalgie entgegenzuwirken, wurden Bands gesammelt, die zu den kommenden großen Stars der stromverstärkten Gitarrenmusik gehören könnten. Es wurde gestritten und geflucht, Thesen aufgestellt, Theorien verworfen und Missmut machte sich breit auf der Basis von Uneinigkeit.
An einem bezeichnenden Mittwoch war es, als ein vorbeiziehender Wanderer mit nur einem Auge anklopfte. Eine Aura der Allmacht und Weisheit umgab das beeindruckende Bild von einem Mann, der erklärte, dass er die eine, die wahre Antwort auf unseren Zwist kenne. Sie laute BROTHERS OF METAL.

Selbstredend waren die Redakteure skeptisch und doch sahen sich einige wie durch eine höhere Macht dazu gezwungen, diesem Ratschlag nachzugehen und in die schwedische Heavy-Power-Metal-Truppe reinzuhören. Zu diesen Metaljournalisten gehörte ein nur noch leidlich junger Mann, der nach ausgedehnten Episoden der Orientierungslosigkeit eine agnostisch-atheistische Position der gefestigten Skepsis zwischen dem Hass des Brutal Death Metal, der Intellektualität des Avantgarde-progressive-Technischen und der nihilistischen Verzweiflung aus Doom und Black Metal eingenommen hatte.

Dieser nüchtern-düstere Gesell lieh den BROTHERS OF METAL sein Ohr, knirschte einmal mit den Zähnen ob der profanen Eingängigkeit der seiner unwürdigen Power- und Heavy-Dudelei und widmete sich wieder dem brutalen Nebelschmerz seiner präferierten Klangwohlfühlzone. Doch eine Vision packte den hochnäsigen Redakteur, die ihn erneut in das Debütalbum „Prophecy Of Ragnarök“ hineinhören ließ. Zweifellos konnten die durchdringende Melodiösität und der Klargesang der BROTHERS OF METAL ihn auch diesmal nicht überzeugen, gehörten sie doch in ihm lästige Schubladen der großen Metal-Kommode. Doch diesmal wusste er bereits, dass diese Klänge ihm erneut und erneut begegnen würden.

Und so geschah es, dass die nordische Musik, die der unbekannte Einäugige ihm darbot wie ein ungewolltes Geschenk, sich seiner bemächtigte, sich mehr und mehr in die finsteren Tiefen seines agnostischen Gehirns fraß und ihn veränderte. Nicht nur begann er die poppige Unbeschwertheit des zuvor noch als „Schlager-Metal“ verunglimpften Power Metals in sein Leben zu lassen und die durchdringende Schönheit von Ylva Erikssons Stimme zu lieben, es erhielten auch die Asen und ihre Welt Einzug in sein Leben. Bald auch erkannte er den einäugigen Wanderer als den Allvater, der er war. Und wer war er, die Weisheit Odins in Frage zu stellen? So erkannte er die BROTHERS OF METAL als die Verkünder des Wahren, als die Barden seines Glaubens an.

Und doch versteinerte dieser erst jüngst auf den Weg der Wahrheit geführte Redakteur, als ihn die Klänge des zweiten Albums „Emblas Saga“ trafen. Erwartet hatte er, dass seine tief empfundene Verliebtheit in die Musik der Schweden nun eine bittere Enttäuschung erfahren würde – war es doch am Ende nicht mehr als Power und Heavy Metal. Doch das Gegenteil war der Fall. Die neuen Songs der metallischen Geschwister drangen mit einer Gewalt in sein Herz, dass die Dämme hinter seinen Augen brachen und der Nebel der Unwissenheit wich. Eine Klarheit bemächtigte sich seiner wie nie zuvor.

Kein Review

Worin der langen Rede Sinn begraben, mag sich fragen, wer hier ein vermeintlich objektives Review zu lesen hoffte. Eben darin, dass hier keine Objektivität zu finden ist. BROTHERS OF METAL machen keine Musik, die ich für euch zerhackstückeln und fachmännisch wiederkäuen mag. Nicht mag ich euch erzählen von der Eingängigkeit, die mancher an „Emblas Saga“ kritisieren mag. Auch sehe ich keinen Sinn darin, zu erklären, warum das einleitende Triptychon zu Lokis Kindern zugleich Oden an den klassischen Power und Heavy Metal sind, andere Titel an das Einheitsgefühl der verbrüderten Metaller-Schar appellieren und sich dazwischen Folk-Einschläge und gelungene Balladen tummeln. Tu dir den Gefallen und höre das Album!

Wenn dir diesen Ratschlag auch nicht Odin selbst bringen mag, sondern nur irgendein Metal-Fan, der selbst dem Kirmes-Metal den Kampf angesagt hatte und sich dann in die unkomplizierten Heavy Power Metal von BROTHERS OF METAL verliebte. Höre es einmal, keinmal oder zehnmal. Vielleicht offenbart es dir, was es mir offenbarte, vielleicht findest du einfach eine weitere gute Band in deinem Lieblingsgenre, vielleicht eine neue Facette auf der Spielwiese des Metals, vielleicht eine hervorragende Live-Band, zu der du Bier und Met in Glas und Horn zum Himmel recken magst, vielleicht auch absolut gar nichts davon.

Ich bin jedenfalls nicht gewillt, die bezaubernde Schönheit, die sich in mir entfaltet, wenn ich BROTHERS OF METAL in mich einfließen lasse, durch eine sachliche Analyse zu entweihen. Verfluche das, lass es dir am Allerwertesten vorbeigehen oder versuche selbst, einmal wieder die unreflektierte Schönheit eines Albums zu genießen! „Emblas Saga“ könnte sich sehr dafür eignen. Ich jedenfalls liebe es.

Keine Wertung

Aber da Liebe keine objektive Punktevergabe zulässt, gebe ich meine 5 von 5 pochenden Herzen hier jenseits des Systems, danke Odin für seine Weisheit und BROTHERS OF METAL für diese Erleuchtung. Hoffentlich erhalte ich noch viele Gelegenheiten, euch zu lauschen, bevor wir uns in Walhalla in alle Ewigkeit berauschen.



Ohne Bewertung
Autor: Jazz Styx (09.02.2020)

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