PYRAMID - Goldtooth

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VÖ: 00.00.2019
Bandinfo: PYRAMID
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Meine Damen und Herren! Willkommen bei PYRAMID, wo Ton auf Ton in scheinbar ungeordneter und trotzdem organisierter Stapelung übereinander verschachtelt ist. Oder waren Sie doch eher auf der Suche nach Passierschein A38? Beides möglich, das Prog-Labyrinth von PYRAMID bietet alles - von instinktivem Fluchtverhalten bis zum Eintauchen bis zur Verzückung ohne Wiederkehr. 

Gleich vorweg: PYRAMIDs Scheibe "Gold Tooth" bietet nicht lediglich powerlastigen Metal mit Prog-Einlagen oder angeproggten Sound. Hier liegt Prog-Prog vor, also die Hardcore-Bedienung des Möglichen und Machbaren, ohne dabei ins Atonale abzudriften. Wobei man manchmal das Gefühl hat, dass die unbestritten hochkarätigen (auch wenn etwas jämmerlich wirkenden) Vocals auf das Instrumentalgeschnetzel gestöpselt werden. Tatsächlich ist es in Einem nicht einfach, die Scheibe in seinen Elementen zu definieren. Es fehlt die Merkbarkeit der einzelnen Tracks, generell die Abgrenzung der Einzelnen, es fehlen Hooks oder markante Passagen, die Song für Song definieren (sieht man vom finalen, rein instrumentalen Track "Tyranny" ab, der an Großartigkeit kaum zu überbieten ist). Und leider fehlt vor allem der Brecher zum Einstieg, der in diesem Fall zwar Virtuosität und Prog-Dynamik mit sich bringt, aber leider auch einiges an Schieflage. 

Man mag an dieser Stelle vielleicht schon bemerkt haben, wie zwiegespalten meinereiner jetzt schon zwischen zwei Extremen schwankt. Vielleicht ist das der Sinn und Zweck der Scheibe? Den Hörer zum Wahnsinn zu bringen. Prog-Wahnsinn. Man findet zwischen den neun Songs auf "Gold Tooth" nämlich wirklich großartige und sehr virtuose Songs. Gerade die Instrumental-Parts sind hervorragend ausgearbeitet und beinhalten fast schon dramatisch viele Details - keine Sekunde Stillstand in irgendeiner Weise. Phasenweise erinnern Aufbau und Kompositionen an starke DREAM THEATER-Releases. Und dann gibt es wieder Passagen, die so schräg, so abgespaced sind, dass die Gehörgänge schon zur Flucht anzusetzen gedenken, während man selbst noch in Schockstarre versucht, die verschiedenen Richtungen, in welche Instrumentalität und die Vocals zu zerren beabsichtigen, richtig einzuordnen. Tatsächlich bewegen sich die Vocals auch glatt und permanent zwischen Genie und Wahnsinn, leisten Gewaltiges, driften aber manchmal in eine Dualität ab, die den Sound einerseits eigenständig und besonders macht, andererseits an den Rande des Genießbaren. Dies mag zum Teil auch an der Stimmfarbe des Stimmengebenden liegen. 

Ist es denn jetzt obligatorisch, das Album heilig zu sprechen - vor allem in den Instrumentalteilen - oder es, weitgehend durch die immer etwas zu leidenden, zu fließenden und kantenlosen Vocals, zu verteufeln? Die Scheibe will gefallen, das tut sie auch, wenn vielleicht auch nicht von Anfang an - das Beste kommt natürlich wieder zum Schluss. Aber einige Passagen und Elemente - leider auch vor allem der Opener der Scheibe - dämpfen die Genialität und vor allem den Fluss der aufwändigen Kompositionen ein wenig. Trotz aller Breaks und rhythmischen Unregelmäßigkeiten (die einfach einwandfrei durchgespielt sind), ist es eben genau nicht das, was die Sache stoppt. Und aus diesem Grunde enthalte ich mich bezüglich einer Bewertung und lasse die Genialität oder den Wahnsinn, die sich in "Gold Tooth" verbirgt, jeden selbst entdecken! 

Ah, doch Passierschein A38? Hinten oben rechts, dann die dritte halblinks runter, ehe sie im dritten Stock rechts abbiegen und links antäuschen, über den Luftpolsterfolie hinweg fliegen, damit da auch nichts kaputt geht und hinter dem Ritter der Kokosnuss gleich links. Vorbei an der Macht und dann links-rechts unter Hogwarts durch. Da folgen Sie der Regenbogenbrücke. Bis zum Horizont und noch viel, viel weiter. Na, herzlichen Dank auch! [Anm. d. Red.: Medikation der Redakteure von Zeit zu Zeit neu einstellen lassen.]
 



Ohne Bewertung
Autor: Lisi Ruetz (01.02.2020)

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