NATTVERD - Styggdom

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VÖ: 31.01.2020
Bandinfo: NATTVERD
Genre: Black Metal
Label: Osmose Productions
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Es ist durchaus interessant, was heutzutage so alles unter der Flagge des norwegischen Black Metal segelt. Von schwedisch geprägtem Tuttifrutti-Black-Metal à la DØDSFALL über vorwiegend thrashiges Gerumpel im Stile von SVARTTJERN bis hin zu Gruppen, deren Trve- und und Evilness so subtil zur Schau gestellt wird wie die maskuline Seite eines Joey DeMaio, findet man allerhand Stoff, der sich diesem Banner versammelt oder dort eingeordnet werden kann. Zu letztgenannter Splittergruppe dürfte man die Bergener Band NATTVERD einsortieren, die ihr zweites Album "Styggdom" über das französische Extremitätenlabel Osmose Productions feilbietet.

Der Leser und potenzielle Sympathisant sei gewarnt - was hierauf folgt, ist keine Lobpreisung besagter Veröffentlichung. Doch ob man es glaubt oder nicht: nach dem zugegebenermaßen nervigen Intro, das im Wesentlichen aus qualvollen Schreien besteht und selbst einer schwarzmetallischen Ästhetik entbehrt, keimt zumindest ein kleiner Schimmer von sinistrer Hoffnung. Denn tatsächlich klingt der Opener "Slakt Dem, Der De Loeper Hoedeloese Rundt Baalet" über seine Einleitung hinaus wenigstens kurzzeitig überzeugend. Destillierte Boshaftigkeit und Morbidität greift in einem passablen Soundgewand um sich und man fragt sich, ob man die fiese Stimme nicht irgendwie von NORDJEVEL kennt (Enthüllungs- und Verschwörungstheorie-Alarm bei der bewusst anonymisierten Band?). Man erinnert sich dezent an MAYHEMs Offenbarung "De Mysteriis Dom Sathanas" und ist mit sich und der Unterwelt im Reinen. Aber wie angedeutet ist der Spaß nicht allzu lange von Dauer, weil die Spannung selbst in diesem ersten Song nach kurzer Zeit wieder baden geht. Statt ihre norwegisch-rohe Blasphemie zielgerichtet an den Mann zu bringen, verlieren sich NATTVERD zusehends in langen Schleifen von belanglosem Ambient-Geschwurbel und brach liegendem handwerklichen Können, wodurch es schwerfällt, dem laufenden Song über die volle Distanz Aufmerksamkeit zu schenken. "Dragsvoll" lässt mit seiner leichten Black'n'Roll-Schlagseite kurz aufhorchen, langweilt dann aber an anderer Stelle durch verschlafene Riffs, die zu allem Übel über gefühlt die halbe Platte verteilt aufgewärmt werden. Leider ist es tatsächlich so, dass man auf "Styggdom" vorwiegend unnötig lange Songs findet, aber kein einziges, durchgehend starkes oder wenigstens annehmbares Stück, das nicht an einem der genannten Symptome krankt. Da kann auch das prominente Gast-Geblaste von TSJUDERs AntiChristian nicht mehr viel retten.

Unterm Strich verbindet sich vorwiegend unspektakuläre Instrumentalarbeit mit langen Durststrecken, die man ohne Skip-Taste oder einen deftigen Schluck aus der Pulle schwer übersteht und die die wenigen Lichtblicke zusehends untergehen lassen. Es scheint, als habe man versucht, einen Mangel an verwertbarer musikalischer Substanz durch Kompositions-Dehnung und Wiederholung zu kaschieren - oder die Teigmasse einer Kinderpizza auf zwei Quadratmeter auszuwalzen und damit auf die Mächtigkeit eines handelsüblichen Crêpes zu reduzieren. Der skandinavische Teerkessel hat in dieser Hinsicht wahrlich mehr zu bieten und wenn NATTVERD mit Bands wie AVSLUT oder den vorgenannten Interpreten mithalten wollen, müssen sie sich arg ins Zeug legen.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (28.01.2020)

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