SERIOUS BLACK - Suite 226

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VÖ: 31.01.2020
Bandinfo: SERIOUS BLACK
Genre: Melodic Power Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Es sind tatsächlich schon mehr als zwei Jahre vergangen, seit die Melodic Metal Supergroup SERIOUS BLACK mit ihrem letzten Album „Magic“ massig Punkte einheimsen konnte. In der Zwischenzeit hat sich bei der ehemals sechsköpfigen Gruppe einiges getan, denn es wurde nicht nur ein eigenes Aufnahmestudio gebastelt, sondern auch das Lineup einmal mehr umgebaut. Für Drummer Alex Holzwarth (ua RHAPSODY) rückt Ramy Ali (ex-FREEDOM CALL), der bereits bei den Live-Auftritten der ersten Tour für den verletzten damaligen Schlagzeuger Thomen Stauch (ex-BLIND GUARDIAN) einsprang, nach und die ebenfalls vakanten Positionen an Keyboard und zweiter Gitarre hat man kurzerhand gar nicht erst neu belegt. So starten SERIOUS BLACK nur noch zu viert in ihre neue Band-Ära, die uns erneut in Form eines Konzeptalbums mit dem Titel „Suite 226“ präsentiert wird.

Durchaus ungewöhnlich für melodisch-zuckrige Spielarten, beschäftigen sich SERIOUS BLACK thematisch mit eher düsteren Visionen, indem sie den Wahnsinn eines Psychiatrie-Patienten in Wort und Ton kleiden. Für die Begriffe des Rezensenten hätten Urban und Co. dabei gerne noch etwas häufiger so kantig agieren können wie sie das in „Heaven Shall Burn“ tun, das durchgängig beunruhigende Atmosphäre destilliert, dank bedrohlicher Orchestrierung und knackigem Refrain der gänzlich ohne Kitsch auskommt und die aggressiven Titel weniger durch glatte Choruslinien entschärfen können, wie das beispielsweise bei „Let Me Go“ und „Solitude Etude“ der Fall ist.

Dabei führen die das Album einleitenden Singleauskopplungen „When The Stars Are Right“ (mit Video, das die Bandmitglieder thematisch passend in Zwangsjacken steckt...) und in Teilen auch „Let It Go“ den Hörer zunächst härtetechnisch eher in die Irre, handelt es sich doch um die eher unspektakulären Titel der Scheibe, in deren Riege sich auch „Face Of All Humanity“ und das getragene, fast balladeske „Coming Home“ einreihen. Dafür verspricht das ausladende „Castiel“ ganz großes Vokalkino, erklimmt doch Sänger Urban Breed hier tonale Höhen, bei denen man zunächst glaubt einer GastsängerIN zu lauschen! Und das sogar mit ordentlichem Druck hinter der Stimme – da verzeiht man dem hymnischen Titel gerne, dass er sich hinten raus ein klein wenig zieht.

„We Will Stand Tall“ gibt ordentlich Gas und markiert den flotten, melodischen Powermetal-Ohrwurm, wie er auch auf dem Debütalbum „As Daylight Breaks“ stehen hätte können, während „Way Back Home“ wieder ein wenig rockiger und dem Vorgängeralbum näher einher kommt. Längere Titel als Abschluss sind wohl in den melodischen Metal-Spielarten gerade en vogue, denn der als Abschluss platzierte Titeltrack „Suite 226“ entpuppt sich als fast neun Minuten füllender Brocken, in dem es einiges zu entdecken gibt. Gut strukturiert, mit vielen Tempowechseln und  gar ein wenig proggiger Schlagseite wältzt sich das Stück zunächst langsam, getragen und direkt groovend aus den Boxen und besticht mit schönem Spannungsaufbau und starken Variationen, ehe der Song gegen Ende hin noch ordentlich Fahrt aufnimmt. Ein willkommenes und rundes Finale für das Album!

„Suite 226“ ist durch seine thematische Ausrichtung deutlich sperriger und weniger zugänglich als die bisherigen Alben von SERIOUS BLACK. Das mag dem einen oder anderen Konsumenten schnell zugänglicher Mitklatschhymnen vielleicht Probleme bereiten, zumal der Rundling einfach den ein oder anderen Durchlauf benötigt – dadurch aber gewaltiges Growerpotenzial offenbart. Die Ohrwurmdichte ist dabei längst nicht so hoch wie auf den Vorgängeralben, da zu Gunsten der Abwechslung auf zu viele leicht verdauliche Schema-F-Titel weitestgehend verzichtet wurde. Die irre Gesangsleistung von Vokalist Urban Breed drückt dem Album einmal mehr nachdrücklich seinen Stempel auf und hätte sich bestimmt auch mit einer noch etwas räudigeren Instrumentalstruktur als sie „Suite 226“ ohnehin schon aufweist, gut vertragen. Da hätten SERIOUS BLACK gerne noch ein bißchen mehr reinklotzen können, aber meckern kann man bei „Suite 226“ auch so kaum.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (28.01.2020)

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