HUMAN FORTRESS - Reign Of Gold

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VÖ: 06.12.2019
Bandinfo: Human Fortress
Genre: Power Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

HUMAN FORTRESS - seit 20 Jahren mit nicht unbewegter Bandgeschichte, nicht nur in der Besetzung, sondern auch in der Wahl, welche musikalischen Akzente sie ihrer Richtung beifügen sollten. Mal mit wehenden mittelalterlichen Fahnen als Aushängeschild, mal direkter, traditioneller. Und nachdem 2016 das letzte Lebenszeichen in Form des aufgehübschten "Defenders Of The Crown"-Re-Releases über die Festungsmauern katapultiert wurde, stellen sich die Herrschaften nun wieder in voller Montur auf, verpassen die Frontlinie dann aber doch um ein paar Meter. Vorab sollte also erwähnt werden, dass es hier nur schwerlich zu einer friedlichen Einigung und dementsprechenden Huldigungen kommen wird, das Scharmützel aber dennoch gering gehalten wird. 

Gleich vorweg: Meinereiner ist in Bezug auf "Reign Of Gold" etwas zwiegespalten. Erwartet hat man sich Großes, doch die Goldbarren entpuppen sich als Krümel, die häppchenweise gestreut sind, in Summe dann aber doch einen ansehnlichen Haufen ergeben. Mit "Reign of Gold" liegt eine Scheibe vor, die durchaus mit Erfahrung und guten Ideen entworfen wurde, in der Umsetzung zum Teil aber etwas schwächelt - und unter anderem den ein oder anderen eingängigen Hook missen lässt. Generell braucht die Scheibe zwei, drei Umdrehungen, um zu wachsen und zu reifen. Es gibt eine Menge an schönen, durchdachten und ordentlichen Nummern, herausstechen werden aber wohl die wenigsten. Wobei die Steigerung der Songs gefühlt erst im vierten Akt mit "Lucifers Waltz" startet. Sowohl "Thunder" als auch "Reign Of Gold" wirken ein wenig in der Keyboardlastigkeit ersoffen, während gleichzeitig ein schmerzlich als vermisst gemeldetes "Rumms" - die Power und Knackigkeit in den Songs - zu fehlen scheint. Zu verwaschen und zu weichgespült wollen die ersten Minuten so gar keine Funken sprühen. Erst "Lucifers Waltz", das eine etwas originelle Gangart einschlägt und vielleicht gerade deswegen heraussticht, bringt das Rad zunehmend ins Rollen. Das Einsetzen diverser mittelalterlich angehauchter Elemente - wie sie oft bei HUMAN FORTRESS-Fans gerühmt und erhofft werden - lassen den Sound voller, runder und weitaus kräftiger wirken, machen aus dem Machwerk das, was man sich erwartet. Trotzdem besteht das Album großteils aus netten, soliden und stimmigen Tracks, deren Glanzpassagen aber gefühlt nie zum endgültigen Höhepunkt ausgespielt werden. 

Gefühlt findet man immer wieder den ein oder anderen Track, der mit einem episch-angehauchten Touch veredelt wird, der dann aber wieder im Nichts verschwindet - oder umgekehrt - durch übermäßige Bedienung überstrapaziert wird und somit eine bestimmte Länge entwickelt. Mitschuld trägt da wohl auch die vielerorts offensichtliche Dominanz der Keyboard-Linien, was anderes etwas zu sehr in den Schatten stellt. Keine Frage, wir sprechen hier von Geschmackssache. Und ja, nach wie vor stehen diese epischen/mittelalterlichen Elemente der Band und dem Sound außerordentlich gut. Meiner Meinung nach wird die Scheibe dann auch nach hinten hinaus immer stärker, mischt die richtige Portion von Heavyness mit Melodie und der richtigen Power, die HUMAN FORTRESS verdient. Gerade "Surrender", oder "The Blacksmith" machen neben "Lucifers Waltz" eine durchaus ordentliche Figur.

Schlussendlich machen HUMAN FORTRESS noch immer gute Musik. Aber etwas wird auf "Reign Of Gold" dennoch zur Vollständigkeit vermisst. Eine bestimmte Durchschlagkraft vielleicht, der letzte Funke, der die Songs dann doch noch in die Großartigkeit erhebt. HUMAN FORTRESS können das, das haben sie schon bewiesen. So fühlt sich die neue Scheibe ein wenig an wie eine Metal-Hüpfburg: Unterhaltsam und spaßig. Aber eine massive Festung, ein Bollwerk des Power Metal sucht man hier wohl eher vergebens. (Aber Hüpfburg und Bällebad sind doch auch was Schönes.)



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (22.01.2020)

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