MIDNIGHT - Rebirth By Blasphemy

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VÖ: 24.01.2020
Bandinfo: MIDNIGHT
Genre: Speed Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

"Das ist wie Furzen oder Kacken; der Körper muss den Dreck loswerden, sonst fault man innerlich." Dass der kapuzenbewehrte Alleskönner Athenar (in einem sehr sympathischen und kunstfördernden Sinne) etwas sonderbar ist, dürfte jedem bekannt sein, der sein diabolisches Ein-Mann-Black-Speed-Geschwader MIDNIGHT wenigstens einmal erlebt hat. Glücklicherweise leistet sich der eigenbrötlerische Frontmann Live-Unterstützung und bringt seine Kunst auch persönlich unter die Leute, sonst ginge dem globalen Underground ein wahres Kuriosum schwarzer Kunst verloren. Im Studio hingegen gibt der Vermummte alleine den Ton an und versorgt seine Fans seit zwei Dekaden mit hochwertigem Teufelszeug. Nach unzähligen Kleinveröffentlichungen und drei Langspielern markiert "Rebirth By Blasphemy" die vierte Tracht Prügel in Albumlänge.

Wie der Bandchef erklärt, fackelt er bei der Studioarbeit nicht allzu lange: "rein ins Studio, aufnehmen und schauen, was dabei herauskommt" lautet die Devise. Für diesen bekennend impulsiven Produktionsprozess ist das Ergebnis sehr gelungen und kommt in dem wohl wuchtigsten und saubersten Soundgewand aller bisherigen Veröffentlichungen daher. Das dreckige Underdog-Charisma bleibt ebenso erhalten wie die einprägsamen und bühnentauglichen Kompositionen. Eine "Neuerfindung" oder "Wiedergeburt" wäre im musikalischen Sinne zu weit gefasst, weil sich Athenar alias MIDNIGHT in dem, was er tut, weitgehend treu bleibt. Ältere Releases erinnerten noch stärker an alte MOTÖRHEAD-Gassenhauer von Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre, wogegen das aktuelle Opus vermehrt im Zeichen des Speed Metal und Punkrock steht. Da diese Elemente jedoch stets vorhanden waren, beobachtet man lediglich eine Verschiebung bekannter Verhältnisse.

Was man MIDNIGHT lassen muss, ist dass sich die Energie und der latente Wahnsinn seiner Konzerte eins zu eins auf der Platte wiederspiegeln und umgekehrt - eine kompositorische Qualität, die manch anderen Kapellen abgeht und die womöglich auf den geradlinigen Entstehungsprozess des Werks zurückzuführen ist. Die meisten Stücke drücken dabei in alter Manier mit Bleifuß aufs Gaspedal und fräsen sich hookreich und catchy ins Gehör ("Escape The Grave", "Raw Attack" "The Sounds Of Hell"). Während "Rising Scum" als Stampfer der Platte eine kleine Exotenstellung einnimmt, schielt "Devil's Excrement" in Richtung Hardcore - und klingt so aggressiv und angepisst, als kämpfe der Leibhaftige seit Wochen erfolglos gegen infernale Verstopfungen. Das Singen über des Teufels Exkremente mag tief in die Seele des Urhebers blicken lassen, doch vermittelt die Ein-Mann-Armee auch so etwas wie philosophische Inhalte und benennt "das Bejahen", "das Ausschöpfen von Möglichkeiten" und "Mut zum Risiko" als zentrale Motive des Albums. Auf der Gegenseite sei der Titelsong von der Aversion gegen die Menschheit geprägt, die sich in beinahe erzwungener Weise in Form des Texteschreibens kanalisiert - sozusagen als notwendiger Schutzmechanismus gegen innere Fäulnis...wie beim...[siehe Einleitung]

Was tun bei solch geballter, in Riffs und Verse gepackter Verrücktheit mit nahezu infektiöser Wirkung? Mit Bananen und Ausscheidungen um sich werfen? Purzelbäume schlagen und brennende Instrumente bespielen? Das Schild an der nächstbesten Bushaltestelle entwenden und der freundlichen Bäckerei-Fachangestellten zum Geschenk machen [böse Zungen behaupten, in sehr weit abgelegenen Breitengraden gelte eine solche Geste als Heiratsantrag - deshalb wohl das Schild mit "H"]? Sofern man sich durch die vorliegende Scheibe hierzu angestiftet fühlt, besuche man entgegen der vorgelebten Spontanität lieber das nächste MIDNIGHT-Konzert und finde heraus, welche der genannten Aktivitäten tatsächlich auf der Bühne praktiziert werden. Wie das Anhören von "Rebirth By Blasphemy" wird es sich lohnen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (20.01.2020)

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