OCEANS - The Sun And The Cold

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VÖ: 10.01.2019
Bandinfo: OCEANS
Genre: Progressive Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Was passiert, wenn man Death Metal mit progressiven Elementen mischt, dazu eine Prise Black Metal streut, das Ganze mit post-metallischen Anleihen würzt und dann auf einem Bett aus Modern Metal serviert? Im besten Fall eine großartige Genremixtur, die den Hörer von einer Gänsehaut zur nächsten jagt – oder aber eine musikalische Ursuppe, die den Konsumenten komplett verwirrt im Regen stehen lässt. Im Falle von OCEANS, die sich zum Teil in Wien und zum Teil in Berlin herumtreiben, ist leider doch zweiteres der Fall. Erst vor nicht allzu langer Zeit gegründet, markiert „The Sun And The Cold“ das Debüt des Vierers, das sich trotz bockstarker Produktion in zu vielfältigen Einflüssen verzettelt und dem Hörer mehr Fragezeichen als anerkennendes Kopfnicken abringt.

Trotz enormer gesanglicher Bandbreite zwischen Growls, Screams und Cleangesang in sehr variablen Tonlagen, vermögen die Titel leider nicht wirklich zu zünden. Zuviel wird zu hastig durchgespult, in zu zahlreichen, sich verheddernden und kaum entwirrbaren Fäden, die sich durch dutzende Drehungen und Wendungen ineinander verworren haben. Diesen gordischen Knoten aus Musik haben OCEANS zusammengestrickt und blicken nun erwartungsfroh einem heldenhaften Hörer entgegen, der diesen gedanklich entwirren soll. Was tat Alexander der Große in der Sage um den Gordischen Knoten? Er schnitt ihn einfach durch. Da wie dort, hilft wohl nur entzwei hauen und die Stränge neu zu sortieren.

Das ist insofern bitter, da OCEANS, mit angemessenem Schub durch die fette Produktion, enormes Potenzial offenbaren, das an manchen glanzvollen Passagen wie dem phasenweise ein wenig an alte OPETH gemahnenden Opener und gleichzeitigem Titeltrack „The Sun And The Cold“ zutage tritt. Auch gelegentliche große, melancholische, teils dem Post-(Black-)Universum entlehnte Melodiebögen wissen durchaus zu begeistern. Die vielen unvermittelten Sprünge in konträre Genres, die wohl Progressivität suggerieren sollen, jedoch den Hörfluss nachhaltig bremsen, katapultieren den Hörer immer wieder hochkant aus den Strukturen der Songs und lassen ihn mit vielen Fragen zurück. Das zeigt sich am stärksten in Stücken wie „We Are The Storm“, das unvermittelt von elegischen Gitarren in Breakdowns und gefälliges Riffing mit unauffälligen Dark-Metal-Elementen springt, dem zwischen hasserfüllten Schwarzwurzel-Tiraden und Düsterrock-Elementen mäandernden „Dark“, oder auch „Polaris“ mit seinen ruhigen Strophen, die sich mit dem harschen Rest des Songs beißen.

Im Mittelteil tummeln sich einige etwas stringenter gehaltene Songs wie „Take The Crown“ in modern-metallischem Gewand, das nur im Schlusspart einmal gepfeffert eskaliert. In eine ähnliche modern-todesmetallische Kerbe schlägt „Shadows“, während „Legions Arise“ zunächst den breitwandigen Dark-Rocker mimt, ehe der Titel zum Schluss hin wieder Fahrt in Richtung etwas angeschwärzte Post-Welten aufnimmt. „Truth Served Force Fed“ versucht es dann noch einmal mit der modernen Brechstange und stößt dabei fast in Djentige Gefilde vor, bricht die Stilistik aber immer wieder auf. „Water Rising“ bemüht sich anfangs wieder in dunkeldüsterer Reduziertheit, schafft die Brücke zu den harscheren Passagen aber nicht wirklich - „Home“ macht im Prinzip das Gleiche mit schönen Post-Elementen in Besser und lässt das Album einigermaßen versöhnlich und harmonisch ausklingen.

In OCEANS schlummert so viel Potenzial in Form von musikalischem Können, dass es fast ein wenig weh tut, dem ziellos dahin eiernden „The Sun And The Cold“, bei den selbst nach mehreren Dutzend Hördurchläufen einfach nichts wirklich im Gedächtnis hängen bleibt, eine mittelmäßige Bewertung aufdrücken zu müssen. Wie Stilbrüche und Genre-Hopping auf mitreißende Weise verquickt werden, das haben leider schon Andere viel besser vorexerziert, da müssen OCEANS schon noch an einigen Stellschrauben drehen, um zur Elite aufschließen zu können. Vielleicht wäre es klüger, nicht auf zu vielen Hochzeiten (sprich, Genres) gleichzeitig zu tanzen und dafür die eine oder andere Idee etwas intensiver und variabler zu verfolgen – das würde den Abwechslungsreichtum um keinen Deut mindern, aber den Hörern etwas mehr Halt und Zugang gewähren.

Derweilen ist „The Sun And The Cold“ als Debüt schon nicht schlecht, aber eben auch noch weder Fisch, noch Fleisch.

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (06.01.2020)

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