NEVARIA - Finally Free

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VÖ: 25.10.2019
Bandinfo: NEVARIA
Genre: Symphonic Metal
Label: Dr. Music Records
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Lineup  |  Trackliste

Als ich seinerzeit wahrgenommen habe, dass die gute Tanja Schneider in eine frische Band involviert ist, habe ich durchaus die Ohren gespitzt, denn durch ihre Zeit bei DAWN OF DESTINY habe ich eine sehr hohe Meinung zu ihr und den dazugehörigen Sangeskünsten entwickelt. NEVARIA stammen aus Bayern und wollen wie viele andere Bands die Grenzen des Symphonic Metal ausloten und ob ihnen das so gut gelingen wird, wie es Tanja damals mit DAWN OF DESTINY gelungen ist, darüber werden die folgenden Zeilen möglicherweise Aufschluss geben.

"Life" gibt uns nicht viel Zeit zum atmen, denn nach den ersten symphonischen Klängen überrascht und schon die erste Strophe, die durch Tanjas Gesang dann aber doch insgesamt eher weich transportiert wird. Den energetischen Sprung bekommen wir im Chorus serviert, der tolle Melodiebögen umfasst und nebst Tanjas charismatischer Stimme Growls integriert. Der Klang unterscheidet sich definitiv von DAWN OF DESTINY, um hier mal die Linie zu ziehen und somit Tanjas Vergangenheit abzuhaken. Die Melodien wirken etwas subtiler und brauchen teils ihre Zeit, um sich zu entfalten. DAWN OF DESTINY haben inzwischen zwar auch eher komplexe Alben veröffentlicht, doch beziehe ich mich hierbei auf den Part der Diskografie, wo Tanja sich dort als Sängerin auszeichnen konnte. Der Titeltrack setzt auf ein deutlich längeres Intro, das emotional anmutende Pianoklänge mitbringt. Erst nach knapp eineinhalb Minuten setzt Tanjas Gesang ein und der Track versprüht insgesamt ein leicht balladeskes Flair, das aber grundsätzlich auf überkrasse Kitschfaktoren verzichtet. Richtig auf die Fresse gibt's mit "Raise Your Fist", wo der Name Programm ist. Wuchtiges Riffing und düstere Vocals sind hier der bestimmende Faktor. Obgleich der Chorus sich relativ simpel präsentiert, kann man ihm eine gewisse catchiness nicht absprechen. Die diversen Tempowechsel machen das Ganze noch interessanter und gerade die Blastbeats sorgen dafür, dass man ordentlich durchgerüttelt wird. Etwas schade finde ich, dass Tempo und Härtegrad beim nächsten Song "Leaving You" sofort wieder zurückgefahren werden. Dieses gleichförmlige Midtempo limitiert die Songs etwas und lässt mich fast vergessen, wie der Titeltrack nochmal klang. "Drowning" löst das wiederum besser, auch wenn hier ebenso Midtempo das bestimmende Tempo vorgibt. Dennoch gibt es hier und da kleine Wechel in der Rhythmik, sodass eine gewisse Vielschichtigkeit geschaffen wird. Auch Tanjas sehr kraftvolle Vocals im Refrain tragen dieses Stück bedeutend besser als den eben besprochenen Track.

Einer meiner Favoriten ist definitiv "No Mercy", das zwar erneut auf eher gedrosseltes Tempo setzt, dafür aber das Beste aus der Melodienschublade auspackt. Der Chorus bleibt im Ohr und weiß durchaus zu berühren, was nicht zuletzt an den gut formulierten Lyrics liegt. Die Progressivschublade öffnet sich hingegen bei "Black & White", wo ich mich aufgrund der akustischen Klänge fast ein stückweit an den "Bard's Song" von BLIND GUARDIAN erinnert fühle. Allerdings kracht der Track in der Folge mitten rein ins Akustikgerüst und entwickelt spannende Passagen, die sich gefühlt sekündlich ablösen. Ein anstrengendes Stück, das aber im gleichen Maße hochinteressant ist und etwas Zeit benötigt, um sich zu entfalten. Dazwischen mischt sich dann in meinen Augen eine 08/15 Ballade mit "Control", wo ich mir denke: "Das habe ich alles schon mal deutlich besser gehört!".

"Finally Free" hat noch einiges an Luft nach oben, zeigt mit diversen Tracks aber auch großartiges Potenzial, das in der Folge hoffentlich ausgebaut wird. Als Ganzes überzeugt mich die Scheibe noch nicht so richtig, doch einzelne Songs höre ich auch jetzt noch gerne via Playlist und gleichermaßen dürfen sie auch in meiner Jahres-Playlist nicht fehlen, was unter anderem das grandiose "No Mercy" betrifft. Ich wünsche mir, das für das Zweitwerk an ein paar Stellschrauben gedreht wird und dann kann die wilde Fahrt weiter gehen!



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Sonata (30.12.2019)

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