SOUNDDIARY - Anamnesis - Letter In A Bottle

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VÖ: 16.11.2019
Bandinfo: SOUNDDIARY
Genre: Progressive Rock
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Wenn man als Reviewer ein Album aus dem Pool der zu besprechenden Alben rauspickt, wo die Trackliste 30 Tracks umfasst und das Booklet fast 16 Seiten füllt, weiß man, man hat diesmal etwas ganz Besonderes in der virtuellen Hand.

Bei SOUNDDIARY handelt es sich um eine Wiener Progressive-Rock-Formation, die seit 2007 aktiv ist und die jetzt mit "Anamnesis - Letter In A Bottle" ihren dritten Longplayer vorlegt. Wie schon beim Vorgänger handelt es sich um ein Konzeptalbum. Nun ist ja die Formulierung "Konzeptalbum" nicht immer gleichzusetzen mit hoher Qualität. Es soll ja schon Bands gegeben haben die glaubten, allein durch die Bezeichnung "Konzeptalbum" wird das Machwerk interessanter und gibt dem Ganzen eine künstlerische Notes. Selbst wenn weit und breit kein Konzept sicht- bzw. hörbar war.

SOUNDDIARY haben solche Täuschungsmanöver nicht nötig. Allein ein Blick auf die Trackliste und deren Einteilung in verschiedene Akte weist schon darauf hin, dass hier wirklich ein Konzept dahintersteckt. Die einzelnen Tracks sind dabei manchmal nur knapp eine Minute, manchmal über sechs Minuten lang und gehen meist nahtlos ineinander über. Also mal eben z.B. eine Single auskoppeln, um sie irgendwelchen Radiostationen feil zu bieten, dürfte schwierig werden. Genau dafür gebührt den vier Mannen großer Respekt. Ohne nach Links oder Rechts zu schauen oder sich in irgendeiner Form dem vielzitierten Mainstream anzubiedern, wird hier ein Album auf die Beine gestellt, das mit Sicherheit keinen internationalen Vergleich in der Progressive-Szene zu scheuen braucht. Dabei ist es aber gar keine spröde Kost, die hier serviert wird. Viele der Melodien sind sehr eingängig, bleiben einem lange im Gedächtnis und wären durchaus "mainstreamtauglich". Das "Progressive" an diesem Album sind wohl weniger wahnsinnig verkopfte Taktwechsel als vielmehr die Art und Weise, wie einem diese Geschichte in fünf Akten präsentiert wird.

Beschrieben wird die Lebensgeschichte eines Mannes mit allem, was einem im Leben so passieren kann. Die Suche nach dem Sinn, die Verfolgung großer Träume, Liebe und Verlust, das sich-anpassen-müssen in der Gesellschaft und ähnliches mehr. Alles Themen, die die Wege von jedem Hörer/jeder Hörerin irgendwann kreuzen. Die unterschiedlichen Phasen bzw. die Akte unterscheiden sich auch musikalisch. So wird der Bogen über leichte Akustikklänge, elektronische Einflüsse, rockige Riffs bis hin zu jazzigen Klängen gespannt. Mal Solo gesungen, mal im Duett mit herrlicher Unterstützung durch Gastvocalistin Madeleine Prochaska. Dabei sitzt auch bei der Instrumentierung jeder Ton und alle Bandmitglieder agieren auf sehr hohem Niveu.

Für dieses Album muss man sich Zeit nehmen. Ähnlich wie bei einem guten Buch oder einem guten Film, sollte man es sich bequem machen und sich voll und ganz auf die Musik und die Geschichte, die erzählt wird, einlassen. Dann kann man abtauchen und gemeinsam mit dem fiktiven Protagonisten seinen Lebensweg beschreiten. Auch ähnlich wie bei einem Buch oder Film, wo man auch nach mehrmaligem Konsum immer wieder Neues entdeckt, sind auch hier sehr viele Nuancen versteckt, die es zu entdecken gilt.

Als Fazit bleibt nicht mehr zu sagen als dass SOUNDDIARY hier ganz großes Kino bieten und ein grandioses Konzeptalbum vorgelegt haben, das diesen Namen auch verdient.

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Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Hans Unteregger (29.12.2019)

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