KILLSWITCH ENGAGE - Atonement

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VÖ: 16.08.2019
Bandinfo: Killswitch Engage
Genre: Metalcore
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

KILLSWITCH ENGAGE sind ja so etwas wie Wegbereiter und somit einer der bedeutendsten Vertreter dessen, was wir als Metalcore kennen. Wenn man mit solch einer Reputation ein neues Album veröffentlicht, dann ist die Gefahr sehr groß, dass man es gar nicht erst richtig machen kann. Bleibt man seinem Stil treu, so wird man dafür gescholten, ewig das Gleiche zu machen und sich nicht weiterzuentwickeln. Beschreitet man jedoch musikalisch neue Pfade, so passiert es schnell, dass die Fangemeinde „Verrat!“ geifert und mit Fackeln und Mistgabeln zur Hexenjagd auf die Verräter bläst. So gesehen kann man fast nur verlieren und es würde wiederum erklären, weshalb die amerikanischen Genre-Veteranen ihr neuestes Album nach dreijähriger Wartezeit „Atonement“, also „Sühne“, genannt haben. Ist das schon vorauseilender Gehorsam hinsichtlich einer der beiden oben erwähnten Szenarien?

Wohl kaum, denn „Atonement“ ist bei näherer Betrachtung tatsächlich das bis dato vielfältigste und abwechslungsreichste Album von KILLSWITCH ENGAGE, was nicht nur an der Einbindung von Gaststars liegt. Ist der Beginn mit „Unleashed“ noch relativ vorhersehbar vom klassischem Muster aus rabiatem, breakdown-geschwängertem Riffing und smoothen, stark intonierten Clean-Passagen geprägt, so biegt schon mit „The Signal Fire“ das erste massive Highlight um die Ecke, welches sich nach einigen Durchläufen zu einem der stärksten Genre-Songs auswächst. Dass KILLSWITCH ENGAGE hier eine Kollaboration mit ihrem ehemaligen Sänger Howard Jones (LIGHT THE TORCH), der den inzwischen wieder aktiven Jesse Leach zwischen 2002 und 2012 ersetzte, aufbieten, das ist durchaus überraschend. Die beiden Sänger harmonieren trotz unterschiedlichem Stimmcharakter äußerst gut miteinander (was sich auch im dazugehörigen Musikvideo zeigt) und drücken „The Signal Fire“ im Duett eine machtvolle Brecher-Atmosphäre auf.

Die nächste Überraschung folgt auf dem Fuße, hat man sich doch mit Chuck Billy von TESTAMENT eine Thrash-Legende ins Studio eingeladen und dazu mit „The Crownless King“ den passenden rumpeligen, thrash-orientierten Song geklöppelt, der machtvoll aus den Boxen drückt und die rohe Energie des Klassiker-Genres gekonnt mit modernem Randale-Atem verquickt. Überhaupt bieten KILLSWITCH ENGAGE eine spannende Mischung auf „Atonement“, denn zwischen geradezu verspielten Singalong-Songs wie “I Am Broken Too“ oder „Us Against The World“, in dem Sänger Jesse einmal mehr durch seine stimmliche Vielfalt punktet, mischen sich auch knüppelnde schwedisch geprägte (Melodic-)Death Elemente, was „As Sure As The Sun Rise“ oder „Ravenous“ sehr schön drückend transportieren. Dass es dabei auch mal ohne den kraftvollen Klargesang von Jesse geht, das beweist die rabiate Abrissbirne „Bite The Hand That Feed“, die dem Hörer zum Abschluss noch mit Anlauf in den Hintern tritt.

KILLSWITCH ENGAGE haben es irgendwie geschafft, den Spagat zwischen Genre-Bedienung und frischem musikalischen Wind hinzubekommen – nicht nur einfach ohne Fettnäpfchen, sondern mit beeindruckender musikalischer Klasse und Souveränität. Die gebotene Vielfalt macht aus „Atonement“ ein Statement, dass Metalcore kein ausgelutschtes Genre ist, sondern beim Blick über den Tellerrand auch ganz gewaltigen Druck auf dem Frontallappen entwickeln kann. Vielleicht wird die Bandbreite des Albums allzu engstirnigen Fans von Schema-F-Metalcore nicht schmecken, doch dafür haben KILLSWITCH ENGAGE mit „Atonement“ zweifellos ein Glanzstück ihrer Diskografie gezimmert, das unheimliches Grower-Potenzial besitzt und mit beeindruckender Halbwertszeit besticht. Es werden keine Widerworte geduldet!
 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (27.12.2019)

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