HEMELBESTORMER - A Ring Of Blue Light

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VÖ: 02.03.2019
Bandinfo: Hemelbestormer
Genre: Post-Metal
Label: Van Records
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Lineup  |  Trackliste

Es gibt solche Bands, die das Potenzial haben, einen vollkommen wegzublasen. Eine davon sind HEMELBESTORMER aus Belgien, die mit ihrem garstigen Bastard aus schweren doomig-sludgigen Klängen, vermischt mit träumerischen Post-Rock-Einschüben imstande sind, jede Halle niederzureißen. Zeigte sich schon der Kollege Fosse vom ersten Lebenszeichen „Portals“ schwer beeindruckt, walzte das folgende „Aether“ (unverständlicherweise reviewlos geblieben) mit seiner finsteren Stimmung einfach alles nieder. An diese gar postapokalyptische Stimmung und die zähen, tiefschwarzen Riffwände knüpft nun „A Ring Of Blue Light“ an, welches nun keinesfalls das reviewtechnische Schicksal des großartigen Vorgängers erleiden soll.

Doch kann „A Ring Of Blue Light“ mit dem übermächtigen „Aether“ mithalten? Ja, es kann! Und zwar mit lockerer Hand, denn HEMELBESTORMER versuchen nicht, ein zweites „Aether“ zu schreiben, sondern befleißigen sich eines neuen, etwas feingeistigeren Zugangs, der „A Ring Of Blue Light“ abwechslungsreicher, aber vielleicht anfangs ein wenig schwerer zugänglich macht. Zunächst wälzt sich aber „Eight Billion Stars“ wie ein Monolith aus zäher, tiefschwarzer Lava aus den Boxen, mit räudig verzerrten Gitarren und höllischer Durchschlagskraft zieht es den Hörer wie ein unerbittlicher Mahlstrom in das finstere akustische Universum der Belgier hinab. Wie ein zarter Hoffnungsschimmer keimen im hinteren Teil des Songs, nach einer ruhigen Bridge, hoffnungsvolle, singende Post-Rock-Melodien auf, die der saugenden Schwärze der düsteren Riffs eine zuvor nicht gekannte Tiefe verleihen. Das dreiminütige Zwischenspiel „Clusters“, das ausschließlich mit beklemmend wabernden Tönen das fiese Drone-Universum auslotet, leitet über zu „Towards The Nebula“ das nach sanftem Beginn schleppend und dunkel dahin grollt und erneut mit sachten, unvermittelt erblühenden Post-Elementen spielt.

Der vierzehn Minuten füllende Brocken „Redshift“ baut einen alles mitreißenden Spannungsbogen auf, dem man sich nur schwer entziehen kann. Dreckiges, volltönendes Riffing und geradezu meditative Einflüsse lassen die Verbindung zur Welt zusehends zerfließen und nehmen den Hörer in einem Strudel aus widersprüchlichen Gefühlen gefangen. Das Zwischenspiel „Blue Light“ wandelt überhaupt auf Ambient-Pfaden und zeigt die garstigen HEMELBESTORMER von einer bis dato unbekannt sanften Seite, die sich in sachten Gitarrenmelodien und sehr dezentem Schlagwerk zeigt. „The Serpent Bearer“ donnert dann noch einmal mit aller Macht und derbster Distortion aus den Boxen, wirft sogar ein paar verzerrte, gesprochene Worte in den Ring, bricht das mächtige, pechschwarze Gefüge mit einem Ambient-Zwischenspiel auf und lässt den Hörer dann mit donnernden Klängen alleine in der Schwärze zurück.

„A Ring Of Blue Light“ lebt durch die Diversität aus ungewöhnlich sanften, gar fragilen Passagen und der gewohnten rohen, ungeschliffenen Härte, die sich tief in die Gehirnwindungen bohrt. Das mag für manche, die die Gewaltigen, oftmals an OMEGA MASSIF gemahnenden Türme garstiger Distortion lieben, zunächst ein wenig befremdlich wirken. Doch gerade die ungewohnt lieblichen Töne sind es, die dem dunkeldüsteren Bastard aus Klängen umso mehr Durchschlagskraft verleihen, wenn nach einem hoffnungsvollen Part unvermittelt die rohe Brutalität der Distortion über einen hereinbricht. „A Ring Of Blue Light“ braucht einen Durchlauf mehr als „Aether“, aber ist eine große Bereicherung der noch überschaubaren Diskografie von HEMELBESTORMER.

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (25.12.2019)

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